EZB-Chefvolkswirt: Energiepreise treiben Inflation länger hoch
Die zweite Welle von Energiepreisanstiegen sorgt für hartnäckigere Teuerung im Euroraum.

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss sich auf eine längere Phase erhöhter Inflation einstellen als bislang erwartet. Grund dafür ist der anhaltende Anstieg der Energiepreise, der die Teuerung in der Eurozone nachhaltig beeinflusst.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane rechnet damit, dass die Inflation erst ab Mitte 2027 wieder in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent zurückgehen wird. „Wir erleben derzeit eine zweite Welle von Preisanstiegen, nicht nur bei Öl, sondern auch bei Gas“, sagte Lane der Schweizer Zeitung „Le Temps“.
Diese Entwicklung dürfte zu einer höheren und hartnäckigeren Inflation führen, so Lane weiter. Zuletzt lag die Inflationsrate im Euroraum im August bei 3,3 Prozent – angetrieben vor allem durch die gestiegenen Energiepreise.
Zweite Welle trifft auch Lebensmittelpreise
Die zweite Welle von Energiepreisanstiegen werde voraussichtlich auch die Preise für Lebensmittel nach oben treiben, erklärte Lane. Der Preisdruck im Dienstleistungssektor dürfte hingegen begrenzt bleiben. Dies gibt Anlegern zumindest in Teilbereichen der Wirtschaft eine gewisse Entwarnung.
Die EZB hatte zuletzt am 10. September die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Es war die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr nach dem Schritt im Juni. Die geldpolitischen Maßnahmen sind eine Reaktion auf den massiven Anstieg der Energiepreise, der durch geopolitische Spannungen ausgelöst wurde.
Ausblick für Anleger
Für Anleger bedeutet die Prognose von Lane, dass die Niedrigzinsphase auf absehbare Zeit Geschichte bleibt. Die EZB wird voraussichtlich weiterhin eine restriktive Geldpolitik verfolgen müssen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Erst ab Mitte 2027 zeichnet sich eine Entspannung ab.
Die Entwicklung der Energiepreise bleibt damit ein zentraler Faktor für die Konjunktur in der Eurozone und die Geldpolitik der EZB. Anleger sollten die weitere Preisentwicklung bei Öl und Gas sowie die Reaktionen der Notenbank genau im Blick behalten.
