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Deutsche Bank rechnet mit zwei Zinserhöhungen der BoE

Prognosewechsel von "keine weiteren Erhöhungen" auf zwei halbe Prozentpunkte-Anhebungen

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Deutsche Bank rechnet mit zwei Zinserhöhungen der BoE

Die Deutsche Bank hat ihre Prognose für die Zinsentscheidungen der Bank of England (BoE) grundlegend geändert. Statt "keine weiteren Erhöhungen" erwartet das Institut nun zwei Anhebungen um jeweils einen halben Prozentpunkt im November und Februar. Begründet wird dies mit der zunehmend schwindenden Toleranz der Zentralbank gegenüber den hohen Inflationsraten.

Die Ökonomen der Deutschen Bank erklärten, dass es sich bei den Zinserhöhungen wahrscheinlich um "Versicherungszinserhöhungen" (insurance hikes) handele und nicht um den Beginn eines anhaltenden Verschärfungszyklus. Die weiteren Aussichten seien weiterhin stark von den Energiepreisen abhängig.

Die britische Inflation lag im August bei etwas über 3 Prozent im Jahresvergleich. Die Deutsche Bank erwartet, dass sie bis zum Jahresende bei rund 4 Prozent liegen wird. Laut Angaben der Bank erklärte Gouverneur Andrew Bailey, dass fast der gesamte Anstieg der Verbraucherpreise seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten auf höhere Energiepreise zurückzuführen sei. Die Gesamtinflation ist auf 3,1 Prozent gestiegen und liegt damit über der Kerninflation, die bei 2,6 Prozent liegt.

Die Details

Die Aufspaltung der Stimmverhältnisse im geldpolitischen Ausschuss (Monetary Policy Committee, MPC) blieb unverändert gegenüber Juli: Huw Pill, Megan Greene und Catherine Mann sprachen sich für eine Zinserhöhung aus. Der MPC ließ zudem seine allgemeine geldpolitische Ausrichtung unverändert.

Die Messgrößen der Deutschen Bank für die innerstaatlich generierte Inflation haben in den letzten Monaten kaum Veränderungen gezeigt. In den Protokollen vom September wurden die stärker als erwarteten Konjunkturdaten heruntergespielt. Trotz eines Wachstums von nahezu 2,5 Prozent annualisiert wurde die Wirtschaft lediglich als "etwas widerstandsfähiger" beschrieben.

Das Arbeitsmarktumfeld bleibe schwach, und es bestehe weiterhin Kapazitätsreserven, hieß es in den Protokollen. Die meisten MPC-Mitglieder waren der Auffassung, dass die Finanzbedingungen bereits ein weitgehend ausreichendes Maß an geldpolitischer Dämpfung böten, was die Hürde für weitere Zinserhöhungen potenziell erhöhen könnte. Die Protokolle wiesen zudem auf begrenzte Anzeichen für sekundäre Effekte in den Preis- und Lohnerwartungen der Unternehmen sowie in den frühen Tarifabschlüssen für 2027 hin.

Die Schätzungen der Deutschen Bank basierend auf der Taylor-Regel legen nahe, dass der angemessene Leitzins nur leicht über 4 Prozent liegt. Das Institut beziffert die aktuelle Energieschockgröße auf etwa ein Drittel der Größe des Schocks von 2022. Dies impliziert unter einer einfachen Skalierungsrechnung eine Verschärfung von rund 50 Basispunkten, verglichen mit den 515 Basispunkten, die während des Zinsanhebungszyklus 2022 realisiert wurden.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass Barclays ebenfalls Zinserhöhungen der Bank of England im November prognostiziert. Die Analysten von Barclays erwarteten damals Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte im November sowie im Februar 2027 und stützten sich dabei auf eine veränderte mittelfristige Energiepreisprognose sowie zunehmende Inflationsrisiken durch den eskalierenden Nahostkonflikt.

Ebenfalls am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of England den Leitzins bei ihrer jüngsten Zinssitzung wie erwartet bei 3,75 Prozent beließ. Die Entscheidung fiel mit 6:3 Stimmen im geldpolitischen Ausschuss. Drei Mitglieder – Chefvolkswirt Huw Pill sowie die externen Mitglieder Megan Greene und Catherine Mann – stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent. Notenbankchef Andrew Bailey warnte eindringlich vor den Folgen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.

Am selben Tag berichtete aktien.news zudem, dass die UBS ihre Prognose grundlegend änderte und nun mit zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im November 2026 sowie im Februar 2027 rechnet. Der Leitzins würde damit auf 4,25 Prozent ansteigen.

Bereits am 17.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of America (BofA) erwartet, dass die Bank of England im Jahr 2026 die Leitzinsen zweimal anheben wird – für Juli und September 2026. Als Haupttreiber nannte die BofA anhaltend hohe Energiepreise.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die in britische Staatsanleihen oder in den Devisenmarkt investiert sind, sind die Prognosen der Großbanken ein wichtiges Signal. Die Deutsche Bank erwartet nun zwei Zinserhöhungen um jeweils einen halben Prozentpunkt, während Barclays und UBS von Schritten um 25 Basispunkte ausgehen. Die Spannbreite der Prognosen zeigt, wie unsicher die weitere Entwicklung ist.

Der Broker der Deutschen Bank gab an, dass sein Argument für weitere Zinserhöhungen an Stärke verlieren würde, sollten die Energiepreise in den kommenden Wochen deutlich sinken. Anleger sollten daher die Energiepreisentwicklung genau im Auge behalten. Die Abhängigkeit der Geldpolitik von den Rohstoffmärkten ist derzeit außergewöhnlich hoch.

Wichtig zu beachten: Die Deutsche Bank selbst bezeichnet die erwarteten Zinserhöhungen als "Versicherungszinserhöhungen" – sie dienen also der Absicherung gegen Inflationsrisiken, nicht dem Beginn eines langanhaltenden Straffungszyklus. Die Schätzungen des Instituts auf Basis der Taylor-Regel deuten zudem darauf hin, dass der angemessene Leitzins nur leicht über 4 Prozent liegt.

Ausblick

Die Deutsche Bank erwartet, dass die britische Inflation bis zum Jahresende bei rund 4 Prozent liegen wird. Die Zinserhöhungen sollen im November und Februar erfolgen. Der Broker gab an, dass sein Argument für weitere Zinserhöhungen an Stärke verlieren würde, sollten die Energiepreise in den kommenden Wochen deutlich sinken.

Die weiteren Aussichten bleiben stark von den Energiepreisen abhängig. Die aktuelle Energieschockgröße beziffert die Deutsche Bank auf etwa ein Drittel der Größe des Schocks von 2022.

Kurz erklärt

  • Taylor-Regel: Eine Faustformel der Geldpolitik, die den angemessenen Leitzins auf Basis von Inflation und Wirtschaftswachstum berechnet.
  • Kerninflation: Die Inflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel, die den zugrunde liegenden Preistrend zeigt.
  • MPC (Monetary Policy Committee): Der geldpolitische Ausschuss der Bank of England, der über die Höhe des Leitzinses entscheidet.
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