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UBS-Chef: 90-Prozent-Kapitalvorschlag ist kein echter Kompromiss

Sergio Ermotti kritisiert geplante Eigenkapitalregeln für ausländische Töchter der Grossbank.

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UBS-Chef: 90-Prozent-Kapitalvorschlag ist kein echter Kompromiss

UBS-Chef Sergio Ermotti hat die geplanten neuen Kapitalanforderungen der Schweizer Regierung scharf kritisiert. Ein Vorschlag, der die Bank verpflichtet, ihre ausländischen Tochtergesellschaften mit 90 Prozent Common Equity Tier 1 (CET1)-Kapital zu unterlegen, sei kein echter Kompromiss, sagte Ermotti am Dienstag auf einer Veranstaltung der Bank of America. Der aktuelle Vorschlag des Bundesrates bei 100 Prozent und die Alternative bei 90 Prozent seien im Wesentlichen identisch.

Beide Optionen bezeichnete Ermotti als verzerrend für die Wettbewerbsposition der UBS. Das Ergebnis nannte er inakzeptabel. Die obere Parlamentskammer der Schweiz, der Ständerat, wird am Mittwoch über die neuen Kapitalanforderungen abstimmen. Diese waren nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse im Jahr 2023 entwickelt worden.

Die Details

Der CEO der UBS Group AG unterstützt einen anderen Kompromissvorschlag, der im vergangenen Monat von einem parlamentarischen Ausschuss vereinbart wurde. Dieser Plan würde es der UBS ermöglichen, ausländische Tochtergesellschaften mit 50 Prozent CET1-Kapital und 50 Prozent Additional Tier 1 (AT1)-Kapital zu unterlegen. AT1-Kapital ist für die Bank kostengünstiger zu unterhalten als hartes Eigenkapital.

Ermotti bezeichnete diesen 50-50-Ansatz als ausgewogene Lösung, die das Problem adressiere. Allerdings räumte er ein, dass auch dieser Vorschlag für die Bank teuer sei. Die Abstimmung im Ständerat am Mittwoch wird zeigen, ob sich die Parlamentarier für den 90-Prozent-Vorschlag, den 100-Prozent-Vorschlag oder den 50-50-Kompromiss entscheiden.

Neben der Regulierungsdebatte gab Ermotti auch einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Die UBS erwarte eine insgesamt positive Dynamik in ihren Ergebnissen für das dritte Quartal. Die Transaktionen im Wealth Management seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Allerdings liege die Wachstumsrate niedriger als der Anstieg im Vorjahr.

Zugleich warnte Ermotti davor, dass die Gebührenpools im Beratungsgeschäft der Investmentbank sinken werden. Die UBS erwarte, dass sich ihre Leistung an den allgemeinen Markttrends in diesem Bereich orientieren werde.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass eine Gruppe Schweizer Parlamentarier einen Antrag unterstützt, die neuen Bankenregulierungen für die UBS vor der Abstimmung im Ständerat an die Bundesregierung zurückzuverweisen. Der damals diskutierte Kompromiss sah bereits geringere Kapitalanforderungen vor als ursprünglich vom Bundesrat vorgeschlagen.

Am 23.04.2026 hatte die Schweizer Regierung Pläne vorgelegt, die die UBS zu einer Kapitalerhöhung von rund 20 Milliarden US-Dollar verpflichten würden. Der Bundesrat weigerte sich damals, bei einem zentralen Element der „Too big to fail"-Bankenreformen nachzugeben. Die Kernforderung: Die UBS soll ihre ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit hartem Eigenkapital (CET1) unterlegen.

Bereits am 15.04.2026 warnte UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher auf der Generalversammlung der Bank in Basel eindringlich vor den Folgen der geplanten Kapitalanforderungen. Die Vorschläge könnten das Geschäftsmodell der Bank bedrohen und nach Einschätzung der UBS zu einem zusätzlichen Kapitalbedarf von 22 Milliarden Dollar führen. Kelleher machte deutlich, dass grundlegende Geschäftsentscheidungen unvermeidlich werden könnten, sollten die Kapitalvorschriften in ihrer aktuellen Form bestätigt werden.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die direkt oder über Fonds in UBS-Aktien investiert sind, bleibt die regulatorische Unsicherheit ein zentraler Risikofaktor. Die von Ermotti als inakzeptabel bezeichneten Vorschläge würden die Wettbewerbsposition der Bank erheblich schwächen. Höhere Kapitalanforderungen bedeuten in der Regel geringere Renditen auf das eingesetzte Kapital und damit potenziell niedrigere Ausschüttungen an die Aktionäre.

Der von Ermotti bevorzugte 50-50-Kompromiss zwischen CET1 und AT1 wäre zwar ebenfalls teuer, aber aus Sicht der Bank die akzeptablere Lösung. Die wiederholten Warnungen von Ermotti und Kelleher deuten darauf hin, dass die UBS im schlimmsten Fall grundlegende Geschäftsentscheidungen treffen müsste – bis hin zu einer Verkleinerung der Bank.

Positiv zu werten ist der Ausblick auf das dritte Quartal. Die positive Dynamik im Wealth Management und das gestiegene Transaktionsvolumen zeigen, dass das operative Geschäft der UBS grundsätzlich gut läuft. Allerdings dämpft der Ausblick auf sinkende Gebührenpools im Investmentbanking die Euphorie.

Ausblick

Die entscheidende Abstimmung im Ständerat findet am Mittwoch statt. Die obere Parlamentskammer wird darüber befinden, welche Kapitalanforderungen für die UBS künftig gelten sollen. Der Ausgang ist offen: Zur Wahl stehen der 100-Prozent-Vorschlag des Bundesrates, der 90-Prozent-Alternativvorschlag oder der 50-50-Kompromiss des parlamentarischen Ausschusses.

Sollte sich der Ständerat für einen der harten Vorschläge entscheiden, dürfte die UBS weiter gegen die Regulierung kämpfen. Die Bank hat in den vergangenen Monaten mehrfach deutlich gemacht, dass sie die Pläne für ihr Geschäftsmodell als existenzielle Bedrohung ansieht.

Kurz erklärt

  • Common Equity Tier 1 (CET1): Die höchste Qualitätsstufe des Eigenkapitals einer Bank, bestehend aus eingezahltem Kapital und einbehaltenen Gewinnen. Es dient als wichtigster Puffer zur Verlustabsicherung.
  • Additional Tier 1 (AT1): Eine nachrangige Form des Bankkapitals, die dauerhaft zur Verfügung steht und im Krisenfall zur Verlustabsorption herangezogen werden kann. AT1 ist für Banken günstiger zu emittieren als CET1.
  • Too big to fail: Bezeichnung für Finanzinstitute, die so gross sind, dass ihr Zusammenbruch das gesamte Finanzsystem gefährden würde. Für solche Institute gelten besonders strenge Regulierungsvorschriften.
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