Schweizer Handelsbilanzüberschuss im zweiten Quartal fast verdoppelt
Die Schweiz meldet einen Handelsbilanzüberschuss von 23,7 Milliarden Franken – fast doppelt so viel wie im Vorjahr.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am Dienstag die Handelsbilanzdaten für das zweite Quartal 2026 veröffentlicht. Der Handelsbilanzüberschuss der Schweiz stieg demnach auf 23,7 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet 28,86 Milliarden US-Dollar). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als der Überschuss bei 13,8 Milliarden Franken lag, hat sich der Wert damit nahezu verdoppelt.
Die Expansion wurde vor allem durch einen gestiegenen Warenhandel getrieben, wie die Zentralbank mitteilte. Die SNB wies jedoch darauf hin, dass der vergleichbare Überschuss aus dem zweiten Quartal 2025 relativ niedrig ausgefallen war. In diesem Quartal verzeichnete die Schweiz einen Warenhandelsüberschuss von fast 30 Milliarden Franken. Im Dienstleistungshandel ergab sich ein Defizit von 4,4 Milliarden Franken.
Der Leistungsbilanzüberschuss markierte das höchste Niveau seit dem ersten Quartal 2025. Das Ergebnis spiegelt die Erholung der exportorientierten Schweizer Wirtschaft wider, die im vergangenen Jahr unter den höheren Zöllen der Vereinigten Staaten zu leiden hatte.
Die Details
Die Schweizer Exporte legten im zweiten Quartal 2026 um 5,5 Prozent zu. Dieser Anstieg führte dazu, dass die Regierung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr vergangene Woche nach oben korrigierte. Auch der Transithandel nahm in diesem Zeitraum zu. Bei dieser Handelsform erwerben Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Ausland und verkaufen diese direkt an ein anderes Land weiter, ohne dass die Güter die Schweiz betreten.
Das Defizit im Goldhandel war im Vergleich zum Vorjahr geringer, wie die SNB angab. Die genauen Zahlen zum Goldhandel wurden in der Mitteilung der Zentralbank nicht beziffert.
Der Handelsbilanzüberschuss von 23,7 Milliarden Franken setzt sich aus einem Warenhandelsüberschuss von fast 30 Milliarden Franken und einem Dienstleistungsdefizit von 4,4 Milliarden Franken zusammen. Der Leistungsbilanzüberschuss erreichte damit den höchsten Stand seit dem ersten Quartal 2025.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 2. März 2026 berichtete aktien.news, dass die Schweizerische Nationalbank für das Geschäftsjahr 2025 einen Gewinn von rund 34 Milliarden US-Dollar erzielt hatte. Ausschlaggebend war damals vor allem die starke Entwicklung des Goldpreises, der im Jahresverlauf um fast 46 Prozent an Wert zugelegt hatte. Der Anstieg wurde maßgeblich durch die globalen Handelsturbulenzen infolge der US-Zollpolitik unter Präsident Donald Trump befeuert.
Am 28. Januar 2026 hatte aktien.news zudem über ein 11-Jahres-Hoch des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar berichtet. Die Währung legte allein im Januar 2026 um 3,5 Prozent gegenüber dem Greenback zu, nachdem sie 2025 bereits um 12,7 Prozent aufgewertet hatte. Treiber waren die unberechenbare US-Handelspolitik, Unsicherheiten über die Unabhängigkeit der Federal Reserve sowie geopolitische Spannungen.
Am 1. Juni 2026 meldete aktien.news, dass die Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal 2026 schwächer gewachsen war als zunächst angenommen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hatte seine erste Schätzung nach unten korrigiert: Das BIP stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal lediglich um 0,4 Prozent. Als Hauptbremser identifizierte das SECO eine stagnierende Konsumnachfrage sowie einen Rückgang der Investitionen.
Was das für Anleger bedeutet
Die aktuellen Handelsbilanzdaten zeigen eine deutliche Erholung der exportorientierten Schweizer Wirtschaft. Nachdem die höheren US-Zölle im vergangenen Jahr für Gegenwind gesorgt hatten, legten die Exporte im zweiten Quartal um 5,5 Prozent zu. Die Regierung reagierte darauf mit einer Anhebung ihrer Wachstumsprognose für das laufende Jahr.
Für Anleger ist bemerkenswert, dass die SNB auf ein geringeres Defizit im Goldhandel verweist. Vor dem Hintergrund des stark gestiegenen Goldpreises im Jahr 2025, von dem die SNB selbst mit einem Jahresgewinn von 34 Milliarden US-Dollar profitierte, könnte dies auf eine veränderte Dynamik im Edelmetallhandel hindeuten.
Die Aufwertung des Schweizer Frankens bleibt jedoch ein Risikofaktor. Ein starker Franken belastet die Exportwirtschaft, da Schweizer Produkte im Ausland teurer werden. Die SNB steht hier vor einem Dilemma: Bei einer Inflationsrate von nur 0,1 Prozent und einem Leitzins von 0 Prozent bewegt sich die Schweiz am Rande der Deflation.
Ausblick
Die Schweizer Regierung hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bereits nach oben korrigiert – ein direktes Resultat der starken Exportentwicklung im zweiten Quartal. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der US-Handelspolitik und der Wechselkursentwicklung des Frankens ab.
Die SNB wird die weitere Entwicklung der Handelsbilanz und der Konjunktur genau beobachten. Angesichts der niedrigen Inflation und des starken Frankens bleibt die Geldpolitik der Zentralbank ein zentraler Faktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz.
Kurz erklärt
- Handelsbilanz: Die Handelsbilanz erfasst alle Exporte und Importe eines Landes. Ein Überschuss bedeutet, dass mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als importiert werden.
- Leistungsbilanz: Die Leistungsbilanz ist die umfassendere Rechnung und enthält neben der Handelsbilanz auch die Einkommens- und Vermögensübertragungen mit dem Ausland.
- Transithandel: Eine Handelsform, bei der Unternehmen Waren im Ausland kaufen und direkt an ein anderes Land weiterverkaufen, ohne dass die Güter das eigene Hoheitsgebiet betreten.
