Cleveland Fed: Nahost-Krieg treibt US-Gesamtinflation deutlich höher
Neue Nowcast-Daten der Cleveland Fed zeigen: Der Nahost-Konflikt belastet vor allem die Gesamtinflation durch steigende Energiepreise.

Die Federal Reserve Bank of Cleveland hat am Mittwoch aktualisierte Inflationsprognosen veröffentlicht, die einen klaren Zusammenhang zwischen dem Krieg im Nahen Osten und dem Anstieg der US-Gesamtinflation aufzeigen. Gestiegene Energiepreise und gestörte Lieferketten schlagen sich deutlich in den Gesamtpreisindizes nieder, während der Kerninflationsdruck vergleichsweise moderat bleibt.
Den Nowcast-Daten zufolge wird der Verbraucherpreisindex (VPI) im April auf Jahresbasis bei 3,71 Prozent erwartet – ein spürbarer Sprung gegenüber der März-Prognose von 3,25 Prozent. Auch das von der US-Notenbank Fed bevorzugte Inflationsmaß, der PCE-Index (Persönliche Konsumausgaben), steigt demnach von 3,28 Prozent im März auf 3,58 Prozent im April.
Diese Zahlen liegen deutlich über den zuletzt gemeldeten Ist-Werten: Im Februar lag der Gesamt-VPI auf Jahresbasis bei 2,4 Prozent, der PCE-Gesamtindex war im Januar um 2,8 Prozent gestiegen. Der Anstieg verdeutlicht, wie stark externe Schocks wie Energiepreissprünge die Inflationsdaten kurzfristig beeinflussen können.
Kerninflation zeigt sich robuster
Bei den Kernraten – also den Preisindizes ohne die volatilen Energie- und Lebensmittelkomponenten – fällt der Effekt des Konflikts deutlich geringer aus. Die Kern-VPI-Rate auf Jahresbasis wird für April bei 2,56 Prozent prognostiziert, leicht unter dem März-Wert von 2,6 Prozent. Der Kern-PCE soll im laufenden Monat bei 3,03 Prozent liegen, nach 2,97 Prozent im März.
Diese Entwicklung deckt sich mit den jüngsten Aussagen von Fed-Entscheidungsträgern, die zwischen vorübergehenden externen Preistreibern und einem anhaltenden Kerninflationsdruck differenzieren. Für die Geldpolitik ist vor allem die Kerninflation maßgeblich, da sie strukturelle Preisentwicklungen besser abbildet.
Arbeitsmarkt verliert an Dynamik
In einem separaten Bericht meldete die Federal Reserve Bank of New York eine Abschwächung des Arbeitsmarktes. Die Anspannung am US-Jobmarkt sei im Februar auf ein unterdurchschnittliches Niveau gesunken, getrieben durch rückläufige offene Stellen im Verhältnis zu aktiv Suchenden sowie eine gesunkene Kündigungsrate.
Zudem habe der Lohndruck im zweiten Halbjahr ein ähnliches Niveau wie Ende 2015 erreicht – ein Zeichen dafür, dass sich der Arbeitsmarkt normalisiert. Für die Fed sind diese Signale bedeutsam: Ein nachlassender Lohndruck reduziert das Risiko einer lohn-getriebenen Zweitrundeninflation und könnte den Spielraum für künftige Zinssenkungen vergrößern.
