ISM-Index steigt: Erzeugerpreis-Inflation bereitet Märkten Sorgen
Der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe kletterte im März auf 52,7 Punkte – doch die Details trüben das Bild.

Das Institute for Supply Management (ISM) hat seinen viel beachteten Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im März auf 52,7 Punkte gemeldet. Im Februar hatte der Index noch bei 52,4 Punkten gelegen. Da jeder Wert oberhalb der 50-Punkte-Marke eine Expansion der Industrie signalisiert, klingt das zunächst nach einer positiven Entwicklung.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein weniger erfreuliches Bild. Der Anstieg des Gesamtindex ist maßgeblich auf eine einzige Komponente zurückzuführen: den ISM-Subindex für Lieferfristen. Dieser Teilindex ist invertiert konstruiert – steigende Werte bedeuten also längere Lieferzeiten, nicht kürzere.
Lieferengpässe als Warnsignal
Unter normalen Marktbedingungen signalisieren längere Lieferzeiten eine anziehende Nachfrage, die Zulieferer unter Druck setzt. In der aktuellen geopolitischen Lage jedoch dürften andere Faktoren die entscheidende Rolle spielen. Störungen im Zusammenhang mit dem Krieg mit dem Iran gelten als wahrscheinlichere Ursache für die verlängerten Lieferketten.
Genau darin liegt die Brisanz für Anleger und Analysten: Lieferengpässe durch geopolitische Konflikte treiben die Einkaufspreise für Unternehmen in die Höhe. Das nährt die Sorge vor einer erneuten Welle der Erzeugerpreis-Inflation – einem Phänomen, das Investoren zuletzt während der Lieferkettenkrise 2021 und 2022 stark beschäftigte.
Bedeutung für Inflation und Geldpolitik
Für deutsche Anleger ist dieser Datenpunkt aus mehreren Gründen relevant. Steigende Erzeugerpreise in den USA können sich über globale Lieferketten auf die europäische Preisentwicklung auswirken. Zudem beeinflusst die US-Inflationsdynamik die Zinsentscheidungen der Federal Reserve, die wiederum auf die globalen Kapitalmärkte und den Euro-Dollar-Kurs wirken.
Insgesamt mahnt der ISM-Bericht zur Vorsicht: Ein auf den ersten Blick solides Industriedatum entpuppt sich bei näherer Analyse als möglicher Vorbote neuen Preisdrucks. Anleger sollten die kommenden Inflationsdaten aus den USA daher besonders aufmerksam verfolgen.
