China Rare Earth Group will Shenghe Resources und MP-Materials-Anteil kaufen
Staatskonzern will Kontrolle über Shenghe Resources und damit indirekt Anteile an US-Firma MP Materials übernehmen.

Die staatliche China Rare Earth Group führt fortgeschrittene Gespräche über den Erwerb von Shenghe Resources, einem der letzten bedeutenden privaten Akteure im chinesischen Seltenerdmetall-Sektor. Das berichten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Reuters. Ein erfolgreicher Deal würde nicht nur Pekings Kontrolle über die strategisch wichtigen Rohstoffe weiter festigen, sondern dem Staatskonzern auch eine indirekte Beteiligung an dem US-amerikanischen Seltenerdmetallunternehmen MP Materials einbringen.
Shenghe Resources hält derzeit rund drei Prozent an MP Materials, das nach einer Investition im vergangenen Jahr das US-Verteidigungsministerium als größten Aktionär zählt. Sollte die Übernahme durch die China Rare Earth Group gelingen, würde die Kontrolle über diese Auslandsbeteiligung an den Staatskonzern übergehen. Die Gespräche zwischen beiden Unternehmen laufen bereits seit Anfang dieses Jahres, wie die Quellen unter der Bedingung der Anonymität mitteilten. Eine der Personen gab an, dass die China Rare Earth Group eine kontrollierende Beteiligung anstrebe. Wann die Übernahme bekannt gegeben oder abgeschlossen werden könnte, ist bislang unklar.
Shenghe dementiert Übernahmepläne
Shenghe Resources selbst wies die Berichte in einer Pflichtmitteilung an die Börse Shanghai am späten Sonntag zurück. Das Unternehmen erklärte, es sei sich „falscher“ Berichte in ausländischen Medien bewusst, die einen angeblichen Plan einer bestimmten Gruppe von Seltenerdmetallunternehmen zur Übernahme einer kontrollierenden Beteiligung darstellten. Nach einer schriftlichen Anfrage des Unternehmens an seinen beherrschenden Aktionär, das Institut für Mehrzwecknutzung von Mineralressourcen, habe dieses schriftlich klargestellt, dass „keine Pläne bestehen, die Kontrollbeteiligung am Unternehmen an externe Parteien zu übertragen“. Die China Rare Earth Group und das chinesische Handelsministerium reagierten auf Anfragen von Reuters nicht.
Strategische Bedeutung für Peking
Eine Übernahme von Shenghe Resources wäre ein bedeutender Schritt in der jahrzehntelangen Bemühung Pekings, den gesamten Seltenerdmetall-Sektor unter staatliche Kontrolle zu bringen. Seltenerdmetalle sind für zahlreiche Zukunftstechnologien von entscheidender Bedeutung – sie werden in Elektrofahrzeugen, Windturbinen, Elektronik und im Verteidigungssektor eingesetzt. China hat diese strategische Abhängigkeit in seinem Handelskrieg mit den USA bereits mehrfach als Druckmittel genutzt.
Die 2021 gegründete China Rare Earth Group entstand aus der Reorganisation von fünf staatlichen Unternehmen und ist heute der größte Anbieter schwerer Seltenerdmetalle in China. Ein Deal würde Shenghe zudem besseren Zugang zu den Förderquoten gewähren, die Peking typischerweise zur Steuerung des Angebots nutzt. Diese Quoten für Bergbau, Schmelzen und Trennung werden als Barometer für das globale Angebot an Seltenerdmetallen streng überwacht, doch China hat sich bislang geweigert, sie öffentlich offenzulegen.
Ungewisse Zukunft für Auslandsbeteiligungen
Besonders brisant ist die Frage, wie sich die Aussicht auf eine große chinesische Staatsfirma, die ihren Platz im Aktienregister neben dem US-Verteidigungsministerium teilt, auf das Geschäft auswirken könnte. MP Materials hat wiederholt erklärt, dass weder Shenghe noch die chinesische Regierung irgendeine Kontrolle über seine Operationen haben. Die Quellen wussten nicht, was mit den Auslandsvermögen und Beteiligungen von Shenghe im Falle einer Übernahme geschehen würde.
Im vergangenen Jahr hatte Shenghe Resources zudem das australische Unternehmen Peak Rare Earths übernommen. Auch hier ist unklar, welche Auswirkungen eine mögliche Übernahme durch den chinesischen Staatskonzern hätte. Die Entwicklung bleibt für den globalen Seltenerdmetall-Markt von großer Bedeutung – insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen China und dem Westen.
