BOJ hält Zinsen bei 1,25 Prozent – Inflationsziel erstmals erreicht
Die Bank of Japan bestätigt erstmals seit 2013, dass die zugrunde liegende Inflation ihr 2-Prozent-Ziel erreicht hat.

Die Bank of Japan (BOJ) hat ihren Leitzins unverändert bei 1,25 Prozent belassen – und zugleich eine historische Einschätzung abgegeben: Erstmals seit der Einführung ihres Inflationsziels im Jahr 2013 stellt die japanische Notenbank fest, dass die zugrunde liegende Inflation ihr Ziel von 2 Prozent erreicht hat. Bislang hatte die BOJ in ihren Statements stets formuliert, die zugrunde liegende Inflation „nähere sich 2 Prozent". Nun erklärte sie, diese sei „im Allgemeinen konsistent" mit dem Zielwert.
Der Zinsbeschluss fiel mit 8 zu 1 Stimmen. Einziges Gegenstimme kam von Vorstandsmitglied Hajime Takata, der eine Anhebung des Leitzinses auf 1,5 Prozent gefordert hatte. Mit dem unveränderten Niveau von 1,25 Prozent verharrt der japanische Leitzins weiterhin auf dem höchsten Stand seit 1995.
Gleichzeitig hob die Notenbank ihre Inflationsprognose für das Geschäftsjahr 2027 von 2,4 Prozent auf 2,6 Prozent an. Auch die Prognose für die sogenannte „Core-Core"-Inflation wurde von 2,6 Prozent auf 2,7 Prozent nach oben korrigiert. Diese Kennzahl bereinigt die Preise für frische Lebensmittel und Energie und gilt als aussagekräftiger Indikator für den zugrunde liegenden Preisdruck.
Die Details
Die BOJ wies in ihrer Mitteilung ausdrücklich auf ein Risiko hin, dass die zugrunde liegende Inflation über die Marke von 2 Prozent nach oben abweichen könnte. Zur Begründung erklärte sie, „das Verhalten der Unternehmen tendiert zunehmend in Richtung Lohnerhöhungen und Preiserhöhungen und es gibt verschiedene Faktoren, die die Preise treiben könnten".
Krishna Bhimavarapu, APAC-Ökonom bei State Street Investment Management, bezeichnete die Entscheidung als „hawkischen Hold" – also eine abwartende, aber klar restriktive Haltung. Die BOJ sehe weitere Zinserhöhungen vor und werde zunehmend zuversichtlicher, dass ihr Ziel durch einen „selbsterhaltenden Lohn-Preis-Konsum-Zyklus" erreicht werde. Zugleich betonte Bhimavarapu, das Wachstum im Land rechtfertige keine Eile beim nächsten Schritt. Er prognostiziert, dass das BIP-Wachstum Japans im dritten Quartal an Dynamik verlieren wird, da der Konsum weiterhin das schwächste Glied im Zyklus sei.
Eine Umfrage des US-Senders CNBC unter 16 Ökonomen vor der Entscheidung ergab, dass alle Befragten erwarten, die BOJ werde im Dezember oder Januar des kommenden Jahres die Bühne für eine Zinserhöhung bereiten, da die binnenwirtschaftliche Inflation und die Löhne weiter steigen. Dreizehn der Befragten gaben an, sie erwarteten einen Endzins – also das Niveau, bei dem die BOJ ihren Verschärfungszyklus voraussichtlich beendet – zwischen 1,75 Prozent und 2 Prozent bis etwa zur Mitte des Jahres 2027.
Japan hadert derzeit mit einem schwachen Yen und hohen Energiepreisen, die die Inflation in die Höhe getrieben haben. Experten haben CNBC jedoch mitgeteilt, dass die CPI-Zahlen durch Energiesubventionen der Regierung Takaichi gedrückt werden. Die jüngsten Inflationszahlen für September zeigten, dass die Kerninflation im Jahr 2026 ihren höchsten Stand erreichte und bei 2,1 Prozent lag, womit sie die Erwartungen übertraf.
Anfang dieses Monats berichtete Finanzminister Satsuki Katayama dem Parlament zufolge, Japan stehe „am Scheideweg zu einer Phase nachhaltiger Inflation, die von steigenden Löhnen getrieben wird". Die um die Inflation bereinigten Löhne in Japan stiegen im August zum achten Monat in Folge und legten laut den neuesten Regierungsdaten um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – ein weiteres Indiz für eine potenziell lohngesteuerte Inflation.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entscheidung ist Teil eines längeren Normalisierungsprozesses der japanischen Geldpolitik. Bereits am 28.04.2026 berichtete aktien.news, dass die BOJ ihren Leitzins für Tagesgelder erwartungsgemäß bei 0,75 Prozent belassen hatte. Damals signalisierte die Zentralbank jedoch deutlich, dass weitere Zinsanhebungen bevorstehen – insbesondere angesichts wachsender Inflationsrisiken durch den anhaltenden Krieg im Nahen Osten. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig: Drei der neun Mitglieder des geldpolitischen Rates sprachen sich für eine sofortige Anhebung aus.
Am 01.08.2026 berichtete aktien.news, dass die BOJ ihren Leitzins unverändert bei 1 Prozent beließ. Die Entscheidung fiel damals mit 8 zu 1 Stimmen – lediglich Ratsmitglied Hajime Takata votierte für eine Anhebung auf 1,25 Prozent. Gleichzeitig warnte die Zentralbank, dass die Kerninflation im Land ihr Ziel von 2 Prozent überschreiten könnte, und nannte als Treiber die Weitergabe von Lohnsteigerungen an die Verkaufspreise, den Anstieg der Rohölpreise sowie die jüngste Abwertung des japanischen Yen.
Am 18.09.2026 folgte der nächste Schritt: Wie aktien.news berichtete, hob die BOJ ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent an – das höchste Niveau seit 1995. Der Schritt markierte eine deutliche Beschleunigung des Zinserhöhungszyklus seit Beginn der geldpolitischen Normalisierung im März 2024. Die Entscheidung fiel mit 7:2 Stimmen; die Vorstandsmitglieder Toichiro Asada und Ayano Sato stimmten dagegen. Beide gelten als Deflationisten und wurden Anfang dieses Jahres von Premierministerin Sanae Takaichi ernannt. Fast 90 Prozent der von CNBC befragten Ökonomen hatten die Anhebung um 25 Basispunkte prognostiziert.
Schließlich berichtete aktien.news am 06.10.2026 unter Berufung auf drei mit den Überlegungen der Zentralbank vertraute Quellen, die BOJ könnte bereits in diesem Monat signalisieren, dass die zugrunde liegende Inflation ihr Ziel von 2 Prozent in etwa erreicht hat. Eine solche Ankündigung wäre weitgehend symbolisch, würde aber die vorherrschenden Markterwartungen auf eine Zinserhöhung im Dezember untermauern. Genau diese Einschätzung hat die Notenbank nun offiziell bestätigt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem deshalb relevant, weil sie den Kurs der japanischen Geldpolitik und damit die Entwicklung des Yen beeinflusst. Ein höheres Zinsniveau in Japan macht Anlagen in Yen tendenziell attraktiver und kann den zuletzt schwachen Yen stützen – was wiederum japanische Exportunternehmen belastet, aber die Kaufkraft japanischer Verbraucher stärkt. Der schwache Yen und die hohen Energiepreise hatten die Inflation in Japan zuletzt deutlich angetrieben.
Bemerkenswert ist die veränderte Wortwahl der Notenbank. Die Formulierung, die zugrunde liegende Inflation sei „im Allgemeinen konsistent" mit dem 2-Prozent-Ziel, ist die erste Einschätzung dieser Art seit 2013. Sie signalisiert dem Markt, dass die BOJ den jahrelangen Kampf gegen die Deflation für beendet hält und sich nun auf die Verankerung der Inflation um das Ziel herum konzentriert. Für Anleger mit Japan-Engagement – etwa über Aktienfonds, Yen-Anleihen oder Währungspositionen – bedeutet das ein Umfeld, in dem weitere Zinsschritte wahrscheinlicher werden.
Zu beachten ist allerdings, dass die BOJ selbst auf Abwärtsrisiken verweist: Die Energiesubventionen der Regierung Takaichi dämpfen die offiziell gemessenen Verbraucherpreise. Der tatsächliche Preisdruck könnte daher höher liegen als die CPI-Zahlen vermuten lassen.
Ausblick
Nach Einschätzung der von CNBC befragten Ökonomen dürfte die BOJ im Dezember oder Januar des kommenden Jahres die Bühne für eine weitere Zinserhöhung bereiten. Dreizehn der 16 Befragten erwarten einen Endzins zwischen 1,75 Prozent und 2 Prozent bis etwa zur Mitte des Jahres 2027. State Street-Ökonom Bhimavarapu rechnet damit, dass das japanische BIP-Wachstum im dritten Quartal an Dynamik verliert, weil der Konsum weiterhin die schwächste Komponente des Zyklus ist. Die BOJ selbst hat ihre Inflationsprognose für das Geschäftsjahr 2027 auf 2,6 Prozent und die „Core-Core"-Prognose auf 2,7 Prozent angehoben.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank kurzfristig Geld beschaffen können.
- Kerninflation: Preisentwicklung ohne besonders schwankungsanfällige Güter wie frische Lebensmittel.
- Core-Core-Inflation: Noch enger gefasste Inflationskennzahl, die zusätzlich die Energiepreise ausklammert.
- Endzins: Das Niveau, bei dem eine Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus voraussichtlich beendet.
- Lohn-Preis-Zyklus: Wechselwirkung, bei der steigende Löhne höhere Preise und diese wiederum höhere Lohnforderungen auslösen.
