EZB-Beamte sind bereit für Zinserhöhung im Dezember
Falls sich die Inflationsaussichten nicht verbessern, wollen die Währungshüter die Zinsen im Dezember um einen viertel Prozentpunkt anheben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte auf ihrer Sitzung im Dezember die Zinssätze anheben. Nach Angaben von mit der Lage vertrauten Personen sind die Beamten der Notenbank dazu bereit, falls sich die Inflationsaussichten nicht verbessern. Das berichtet Bloomberg Europe unter Berufung auf anonyme Quellen, da die Erörterungen zu diesem Thema vertraulich sind.
Angesichts der aktuellen Daten und der wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten werde für eine Dämpfung der Preissteigerungen wahrscheinlich eine weitere Anhebung um einen viertel Prozentpunkt erforderlich sein. Die Währungshüter bewegen sich damit in einem Umfeld, in dem sie einerseits den Inflationsdruck eindämmen wollen, andererseits aber auch die konjunkturellen Risiken im Blick behalten müssen.
Die Information stammt von Personen, die namentlich nicht genannt werden wollen. Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank, an dem über die Geldpolitik des Euroraums entschieden wird, befindet sich in Frankfurt. Die Nachricht erreicht die Märkte zu einem Zeitpunkt, an dem die Erwartungen an die künftige Zinspolitik ohnehin in Bewegung sind.
Die Details
Im Zentrum der Überlegungen steht eine mögliche Anhebung der Zinssätze um einen viertel Prozentpunkt. Diese Größenordnung nennen die mit der Situation vertrauten Personen als wahrscheinlich erforderlich, um die Preissteigerungen zu dämpfen. Als Bedingung gilt ausdrücklich, dass sich die Inflationsaussichten nicht verbessern – die Entscheidung ist also datenabhängig und noch nicht endgültig getroffen.
Als Begründung führen die informierten Kreise zwei Faktoren an: die aktuellen Daten zur Preisentwicklung und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten. Beide Aspekte zusammen könnten nach Einschätzung der Personen eine weitere Straffung der Geldpolitik notwendig machen. Der genaue Zeitpunkt der Entscheidung ist die Sitzung im Dezember.
Die Quellen betonen ausdrücklich, dass die Erörterungen vertraulich sind. Deshalb werden die Namen der Beteiligten nicht genannt, und die Aussagen sind als Einschätzungen aus dem Umfeld der Notenbank zu verstehen, nicht als offizielle Beschlüsse. Eine endgültige Festlegung erfolgt erst im Rahmen der regulären geldpolitischen Beratungen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Meldung reiht sich in eine Serie von Berichten über die Zinspolitik der EZB ein. Bereits am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass die EZB ihren Einlagenzins im laufenden Monat voraussichtlich bei 2,50 Prozent belassen und ihn im Dezember um 25 Basispunkte anheben werde. Grund dafür sei eine Inflation, die nahezu doppelt so hoch liege wie das 2-Prozent-Ziel der Notenbank. Das ging aus einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen hervor, in der sich die Einschätzung der befragten Volkswirte deutlich gedreht hatte.
Schon am 27.09.2026 meldete aktien.news, dass die Forschungsgesellschaft Capital Economics vor überzogenen Zinserhöhungs-Erwartungen der Anleger warnte. Die Analysten argumentierten, ein vorübergehender Inflationsanstieg aufgrund höherer Energiepreise werde wahrscheinlich nicht zu den persistenten Lohndruck-Szenarien führen, die nötig wären, um die Zinssätze dauerhaft hoch zu halten. Konkret ging Capital Economics davon aus, dass die EZB ihren Einlagenzinssatz im Dezember von 2,5 Prozent auf 2,75 Prozent anheben werde – danach sah das Unternehmen jedoch kaum Bedarf für weitere Verschärfungen.
Zurückblickend hatte aktien.news bereits am 08.06.2026 berichtet, dass die EZB voraussichtlich am Donnerstag die Leitzinsen anheben werde und damit die erste der großen Zentralbanken wäre, die diesen Schritt seit dem Ausbruch einer Energiekrise vollzieht. Die Entscheidung fiel damals in ein schwieriges Umfeld, da die Wirtschaft des 21 Länder umfassenden Blocks schwächer war als während der vorangegangenen Energiekrise im Jahr 2022. Am 12.06.2026 folgte der Bericht, dass Vertreter der EZB eine zweite Zinserhöhung bereits bei der nächsten Sitzung im Juli für möglich hielten – eine Nachricht, die Märkte und Beobachter überraschte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem deshalb relevant, weil sie die Erwartungen an die künftige Geldpolitik des Euroraums beeinflusst. Sollte die EZB die Zinsen im Dezember tatsächlich anheben, hätte das Auswirkungen auf die Verzinsung von Sparguthaben, auf die Konditionen von Krediten und auf die Bewertung von Anleihen und Aktien. Die mit der Situation vertrauten Personen machen die Entscheidung jedoch ausdrücklich von der weiteren Entwicklung der Inflationsaussichten abhängig.
Bemerkenswert ist die Bandbreite der Einschätzungen am Markt. Während die Reuters-Umfrage vom 08.10.2026 eine Anhebung im Dezember erwartete, ging Capital Economics am 27.09.2026 zwar ebenfalls von einem Schritt im Dezember aus, sah danach aber kaum Bedarf für weitere Verschärfungen. Anleger sollten daher die veröffentlichten Daten zur Preisentwicklung im Euroraum aufmerksam verfolgen, da diese über den weiteren Kurs entscheiden.
Die Meldung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Sie beschreibt lediglich die Einschätzungen von Personen aus dem Umfeld der Notenbank, die ihre Namen nicht nennen wollen. Offizielle Beschlüsse der EZB stehen noch aus.
Ausblick
Der entscheidende Termin ist die geldpolitische Sitzung der EZB im Dezember. Ob es dort tatsächlich zu einer Anhebung um einen viertel Prozentpunkt kommt, hängt nach Angaben der informierten Kreise davon ab, ob sich die Inflationsaussichten verbessern. Bleibt eine Verbesserung aus, gilt eine weitere Straffung als wahrscheinlich.
Für die Zeit danach gehen die Einschätzungen auseinander. Capital Economics rechnete in dem am 27.09.2026 veröffentlichten Bericht mit einem Einlagenzinssatz von 2,75 Prozent nach der Dezember-Sitzung und danach mit kaum weiterem Handlungsbedarf. Die Reuters-Umfrage vom 08.10.2026 hatte für den laufenden Monat einen unveränderten Einlagenzins von 2,50 Prozent und für Dezember eine Anhebung um 25 Basispunkte erwartet. Beide Einschätzungen stammen aus der Zeit vor der aktuellen Meldung.
Kurz erklärt
- Einlagenzins: Der Zinssatz, den Geschäftsbanken erhalten, wenn sie überschüssige Gelder bei der Zentralbank parken.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinsänderungen, die einen Bruchteil eines Prozentpunkts beschreibt.
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, über den eine Notenbank die Geldpolitik im Währungsraum steuert.
- Geldpolitische Straffung: Der Kurs einer Notenbank, mit höheren Zinsen den Inflationsdruck zu dämpfen.
