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BoE: Greene warnt vor Vertrauen auf hohe Staatsanleiherenditen

MPC-Mitglied Megan Greene hält es für gefährlich, dass die Bank of England bei der Inflationsbekämpfung auf die Märkte setzt.

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BoE: Greene warnt vor Vertrauen auf hohe Staatsanleiherenditen

LONDON – Megan Greene, Mitglied des Geldpolitikausschusses (Monetary Policy Committee, MPC) der Bank of England, hat davor gewarnt, dass sich die Notenbank bei der Inflationsbekämpfung zu stark auf die Finanzmärkte verlässt. Auf einer von STANLIB Asset Management in Kapstadt in Südafrika ausgerichteten Konferenz sagte Greene am Donnerstag, es sei „ziemlich gefährlich“, einfach davon auszugehen, dass die Märkte die Arbeit erledigen. Ihre Kernaussage brachte sie in einem markanten Bild auf den Punkt: „Irgendwann muss man sein Geld dorthin bringen, wo der Mund ist.“

Greene zählt im MPC zu den Befürwortern einer strafferen Geldpolitik. In den Sitzungen im Juni, Juli und September stimmte sie jeweils dafür, den Leitzins um einen Viertelpunkt auf 4% anzuheben. Damit gehört sie zu jener Gruppe im Ausschuss, die angesichts der anhaltenden Preissteigerungen weitere Zinsschritte für notwendig hält – und die sich offenbar nicht damit zufriedengibt, dass höhere Staatsanleiherenditen bereits einen Teil der geldpolitischen Straffung übernehmen. Für sie ist der Rückgriff auf die Märkte kein Ersatz für eigene Entscheidungen.

Markt rechnet mit Zinsanstieg auf 4% im November

Die Finanzmärkte erwarten derzeit, dass eine Mehrheit des Geldpolitikausschusses der BoE bei ihrer nächsten Sitzung Anfang November einen Zinsanstieg auf 4% unterstützen wird. Kommt es dazu, wäre das ein weiterer Schritt in einem Zyklus, in dem die Notenbank versucht, die Teuerung einzudämmen, ohne die Konjunktur abzuwürgen.

BoE-Gouverneur Andrew Bailey hatte argumentiert, dass der starke Anstieg der Marktkapitalkosten und der Hypothekenzinsen nach Beginn des Krieges zwischen den USA und dem Iran der Bank of England Zeit gegeben habe. Diese Zeit wolle die Notenbank nutzen, um zu bewerten, ob sie ihre eigenen Leitzinsen als Reaktion auf höhere Energiepreise erhöhen muss. Genau in dieser Logik steckt für Greene das Risiko: Wer darauf setzt, dass die Märkte die Straffung vorwegnehmen, verlagert die Verantwortung für die Inflationsbekämpfung an die Kapitalmärkte – mit schwer kalkulierbaren Folgen.

Warum der Disput für Anleger relevant ist

Für deutsche Privatanleger ist der interne Streit vor allem wegen seiner Signalwirkung von Bedeutung. Der Leitzins der Bank of England setzt den Rahmen für die Verzinsung von Pfund-Anlagen und beeinflusst über den Wechselkurs auch die relative Attraktivität des Euro sowie die Bewertung britischer Aktien. Hinzu kommt die enge Verflechtung der Finanzmärkte: Britische Renditebewegungen wirken über globale Anleiheportfolios auch auf europäische Investoren.

Notenbanken steuern die Wirtschaft über mehrere Kanäle gleichzeitig – über die Finanzierungskosten von Banken und Unternehmen, über Vermögenspreise und über den Außenwert der Währung.

  • Leitzins: direkter Preis für kurzfristige Refinanzierung
  • Marktzinsen: Renditen von Staatsanleihen und Hypothekenzinsen
  • Kreditkanal: Weitergabe der Zinsen an Unternehmen und Haushalte
  • Wechselkurs: Wirkung auf Importpreise und damit auf die Inflation

Verlassen sich Notenbanken stark auf den zweiten Kanal – also auf marktgetriebene Zinsbewegungen –, wird die Transmission unberechenbarer. Steigen die Renditen aus anderen Gründen als der Geldpolitik, etwa wegen fiskalischer Sorgen oder externer Schocks, kann die erhoffte Bremswirkung auf die Inflation ausbleiben oder sich sogar ins Gegenteil verkehren.

Greenes Vorstoß fällt in eine Phase, in der der Ausschuss abwägen muss, wie stark der Energiepreisschock nach dem US-iranischen Krieg auf die allgemeine Teuerung durchschlägt. Ihre wiederholten Voten für eine Anhebung auf 4% zeigen, dass sie den Handlungsdruck für größer hält als jene Kollegen, die auf die Wirkung der bereits gestiegenen Marktzinsen setzen. Ob sich diese Linie im November durchsetzt, entscheidet nicht nur über die Zinshöhe in Großbritannien, sondern auch über die Glaubwürdigkeit der BoE als Inflationsbekämpferin.

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