Archer Aviation bei 5 Dollar: Einstiegschance oder Risiko für Anleger?
Archer Aviation kämpft mit hohem Cash-Burn – Übernahme von Insitu könnte Wende bringen.

Die Aktie von Archer Aviation notiert derzeit bei rund fünf US-Dollar – ein deutlicher Rückgang vom 52-Wochen-Hoch bei 14,62 US-Dollar. Wer zum Höchststand 5.000 US-Dollar investiert hätte, sähe heute nur noch ein Vermögen von etwa 1.837 US-Dollar. Die Frage, ob ein Einstieg jetzt langfristigen Wohlstand sichern kann, bleibt angesichts der finanziellen Lage des Unternehmens höchst spekulativ.
Der US-amerikanische Entwickler von elektrischen Senkrechtstartern (eVTOL) befindet sich in einer schwierigen Phase. Ähnlich wie der Konkurrent Joby Aviation muss Archer massiv in Fertigung, Infrastruktur und Zertifizierungsprozesse investieren. Diese hohen Ausgaben haben die Geduld der Anleger bereits stark beansprucht.
Finanzielle Lage: Hohe Cash-Burn-Rate belastet
Die nackten Zahlen zeigen die Herausforderungen: Im zweiten Quartal erzielte Archer Umsatzerlöse von lediglich fünf Millionen US-Dollar. Im gleichen Zeitraum sank der Bargeldbestand um rund 215 Millionen US-Dollar. Die Nettoverschuldung belief sich auf 262 Millionen US-Dollar, abgemildert durch 14 Millionen US-Dollar an Zinserträgen aus den vorhandenen Cash-Reserven.
Bemerkenswert: Archer erzielt derzeit dreimal so viel Zinsertrag wie Umsatz. Dies unterstreicht, wie früh sich das Unternehmen in seiner Entwicklung befindet und wie dringend eine operative Wende nötig ist.
Für das Jahr 2027 wird prognostiziert, dass Archer Umsatzerlöse in Höhe von einer halben Milliarde US-Dollar generieren könnte. Doch selbst dieser enorme Sprung würde nicht ausreichen, um die kassenfressende Lücke zu schließen, sofern das heutige Ausgabentempo beibehalten wird.
Lichtblick: Übernahme von Insitu
Ein strategisch bedeutender Schritt ist der kürzliche Erwerb von Insitu von Boeing. Das Geschäft von Insitu ist bereits profitabel und erzielt jährliche Umsatzerlöse von mehr als 200 Millionen US-Dollar. Unter der Annahme, dass die Übernahme abgeschlossen wird, würde dies Archer sofort eine starke und verlässliche Umsatzquelle erschließen.
Dies könnte dem Unternehmen helfen, die Zeit bis zur Kommerzialisierung seines eVTOL-Geschäfts zu überbrücken. Allerdings bleibt das Kerngeschäft – das Passagier-Lufttaxi mit dem Modell "Midnight" – mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.
Risiko und Chance im eVTOL-Markt
Sollte das eVTOL-Geschäft von Archer erfolgreich sein, könnte die Aktie eine zehnfache Rendite erzielen. Das Potenzial der Branche wird im mehrfachen Billionenbereich verortet. Doch Analysten mahnen zur Vorsicht: Bevor Vertrauen in das Passagier-Lufttaxi-Geschäft aufgebaut werden kann, müsse erst ein bemannter Übergang des Midnight-eVTOL erfolgreich demonstriert werden.
Die eVTOL-Branche birgt ein enormes Potenzial, doch das bedeutet nicht, dass jedes darin tätige Unternehmen Anleger automatisch zum Millionär macht. Für risikobewusste Anleger gilt: Abwarten und weitere konkrete Fortschritte abwarten, bevor ein Einstieg bei Archer Aviation sinnvoll erscheint.
