Alabama zieht Einspruch gegen Marihuana-Neuklassifizierung zurück
Alabama zieht Einwände gegen bundesweite Neuklassifizierung von Marihuana zurück.

Die Gesundheitsbehörden des US-Bundesstaats Alabama haben am Donnerstag ihre Einwände gegen die bundesweite Neuklassifizierung von Marihuana zurückgezogen. Der Schritt erfolgt im Einklang mit der von Präsident Donald Trump per Exekutivbefehl eingeleiteten Neuordnung des Betäubungsmittelrechts auf Bundesebene.
Der Leitungsrat des Alabama Department of Public Health (ADPH) hatte im Mai noch eine Verzögerung der Neuklassifizierung beschlossen, um den Behörden mehr Zeit für die Klärung der Implementierungsmodalitäten zu geben. Damals betonte man jedoch bereits, dass man „voll und ganz beabsichtige“, die Droge neu zu klassifizieren. Nun zog der Ausschuss seine Einwände einstimmig zurück.
Hintergrund der Neuklassifizierung
Im April hatte das US-Justizministerium (DOJ) Marihuana von der Kategorie I – der strengsten Einstufung der Drug Enforcement Administration (DEA) für Substanzen mit hohem Missbrauchspotenzial und ohne anerkannten medizinischen Nutzen – in die Kategorie III herabgestuft. In dieser Kategorie befinden sich Drogen mit moderatem bis geringem Potenzial für körperliche und psychische Abhängigkeit.
Die Anordnung folgte einem im Dezember von Präsident Donald Trump unterzeichneten Exekutivbefehl, der das Justizministerium anwies, entsprechende Schritte einzuleiten. Zuvor hatte bereits Ex-Präsident Joe Biden das Justizministerium 2024 angewiesen, die Droge neu zu klassifizieren. Die damaligen Anhörungen zu diesem Vorhaben wurden jedoch Anfang 2025 abgesagt.
Keine Auswirkungen auf Alabamas medizinisches Programm
Der staatliche Gesundheitsbeamte Dr. Scott Harris erklärte am Donnerstagmorgen, er sehe keine Probleme mit der Änderung. Die öffentlichen Kommentare hätten nicht die Auswirkungen der Neuklassifizierung widergespiegelt, sondern sich vielmehr auf das Marihuana selbst bezogen.
„Ich würde sagen, es gibt viele sehr engagierte Menschen mit starken Gefühlen dazu, und ich möchte dies weder herunterspielen noch vereinfachen“, sagte Harris. „Die Stellungnahmen kamen von Personen, die medizinisches Marihuana entweder entschieden befürworten oder ablehnen. Die Kommentare richteten sich nicht wirklich gegen das, was wir erreichen wollten, nämlich: ‚Was sind die Konsequenzen der Neuklassifizierung?‘“
Konservative Aktivisten hatten während der öffentlichen Anhörung gewarnt, die Neuklassifizierung werde „Kinderschaden anrichten“ und „die psychische Gesundheitskrise in Alabama verschärfen“. Der einzige Befürworter der Neuklassifizierung bei der Anhörung erklärte hingegen, ein Unterlassen dieses Schritts werde Misstrauen zwischen Patienten und Ärzten säen.
Harris sagte, die Rechtsabteilung des ADPH habe alle Bedenken der Behörde ausgeräumt, etwa hinsichtlich der Auswirkungen auf Apotheken und Personen, die das Medikament beziehen möchten.
Bedeutung für Unternehmen und Forschung
Die bundesweite Anordnung gilt für staatlich lizenzierte medizinische Marihuana-Produkte in den Staaten, die den medizinischen Gebrauch der Droge erlauben. Für Unternehmen bedeutet dies vor allem steuerliche Vorteile: Sie können Betriebsausgaben nun von ihren Bundessteuern abziehen. Zudem erhalten Forscher Zugang zu nach staatlichem Recht legalen Produkten.
Als Kategorie-I-Droge durfte Cannabis bisher nur in einer bundesstaatlich genehmigten Anlage angebaut und erforscht werden, was das den Forschern zur Verfügung stehende Angebot stark einschränkte.
Alabamas medizinisches Cannabinoid-Programm
Das medizinische Cannabinoid-Programm in Alabama wurde 2021 vom Gesetzgeber ins Leben gerufen. Im Bundesstaat sind derzeit drei Verkaufsstellen geöffnet, weitere sieben sollen in den kommenden Monaten folgen. Bei voller Kapazität des Programms wird es nahezu 40 Verkaufsstellen geben.
Harris betonte, die Neuklassifizierung habe keine Auswirkungen auf das medizinische Cannabinoid-Programm des Bundesstaats. „Das Programm ist bereits aktiv, obwohl es in Alabama weiterhin als Kategorie I gilt. Der Grund dafür ist, dass das Gesetzessystem im Wesentlichen darauf ausgelegt ist, die Entkriminalisierung für Personen vorzunehmen, die berechtigt sind, es zu besitzen“, sagte er.
Die Entscheidung Alabamas, die Einwände zurückzuziehen, ist ein weiteres Signal dafür, dass sich die Cannabis-Politik in den USA auch unter der Trump-Administration weiterentwickelt. Während auf Bundesebene die Neuklassifizierung voranschreitet, bleibt das Spannungsfeld zwischen bundesstaatlichem und einzelstaatlichem Recht für die Branche eine zentrale Herausforderung.
