Yen fällt trotz BOJ-Zinserhöhung auf 30-Jahres-Hoch
BOJ erhöht Leitzins auf 30-Jahres-Hoch – Yen fällt dennoch kräftig

Die japanische Notenbank hat den Leitzins auf den höchsten Stand seit 30 Jahren angehoben – doch die Reaktion an den Devisenmärkten überrascht. Stärkerer Yen? Fehlanzeige. Stattdessen fiel die japanische Währung kräftig.
Der US-Dollar legte nach der Zinsentscheidung der Bank of Japan (BOJ) um mehr als ein Prozent gegenüber dem Yen zu. Im asiatischen Nachmittagshandel notierte ein Dollar bei rund 157,8 Yen. Zum Vergleich: Am 11. September lag der Monatstiefststand noch bei 153,54 Yen. Die Bewegung kommt für viele Marktteilnehmer überraschend, zumal sowohl Tokio als auch Washington zuletzt wiederholt den Wunsch nach einem stärkeren Yen geäußert hatten.
Anleger enttäuscht über taubenhafte Signale
Der Grund für die gegensätzliche Marktreaktion liegt in der Kommunikation der BOJ. Die Anleger zeigten sich offenbar verstimmt über die taubenhaften Signale aus der Notenbank. Diese ließen Zweifel daran aufkommen, wie schnell die BOJ weitere Zinserhöhungen durchsetzen wird. Besonders bemerkenswert: Zwei Mitglieder des Politikrats stimmten gegen die Zinsanhebung und wollten die Zinsen überhaupt nicht erhöhen.
„Sie könnten zunehmend als Bremse für weitere Verschärfungen wirken“, kommentierte ING-Ökonom Frantisek Taborsky die Haltung der beiden Ratsmitglieder. Seine Einschätzung deutet darauf hin, dass der interne Widerstand innerhalb der BOJ größer sein könnte als bislang angenommen.
Widersprüchliche Marktsignale
Die aktuelle Entwicklung stellt die Bemühungen der japanischen Regierung vor Herausforderungen. Ein schwacher Yen verteuert Importe, insbesondere Energie und Rohstoffe, was die Verbraucherpreise in Japan weiter nach oben treiben dürfte. Gleichzeitig erschwert die Uneinigkeit im BOJ-Rat eine klare geldpolitische Kommunikation nach außen.
Für Anleger bedeutet dies erhöhte Unsicherheit. Die Frage, ob und wann die BOJ die Zinsen weiter anhebt, bleibt vorerst offen. Die taubenhaften Töne aus der Notenbank sprechen eher für ein langsameres Tempo als von vielen Marktteilnehmern erhofft.
Ausblick
Die Devisenmärkte werden in den kommenden Wochen genau beobachten, ob die BOJ ihre Kommunikation nachschärft. Sollten weitere Ratsmitglieder auf die Bremse treten, könnte der Yen weiter unter Druck geraten. Ein nachhaltiger Anstieg des Yen erscheint unter den aktuellen Vorzeichen unwahrscheinlich – zumindest solange die interne Uneinigkeit in der japanischen Notenbank anhält.
