Warum Hypothekenanleihen den gesamten Markt gefährden könnten
Harley Bassman warnt vor steigenden Risiken bei Hypothekenanleihen – mit möglichen Folgen für den gesamten Rentenmarkt.

Harley Bassman, der Erfinder des vielbeachteten MOVE-Index, schlägt Alarm: Hypothekenpfandbriefe werden für Anleger zunehmend riskant. Der Anleihe-Experte sieht Anzeichen dafür, dass sich diese Risiken allmählich auf den gesamten Festzinsmarkt ausweiten könnten. In einem Interview mit dem Podcast „MacroVoices“ vom Donnerstag nannte Bassman die Abflachung der US-Staatsanleihenzinskurve als wesentlichen Grund für die steigenden Risiken bei hypothekenbesicherten Wertpapieren.
Der MOVE-Index, den Bassman selbst entwickelt hat, gilt als der maßgebliche Volatilitätsmesser für den US-Anleihemarkt. Wenn der Schöpfer dieses Barometers nun vor zunehmenden Risiken warnt, sollten Anleger genau hinhören. Die Abflachung der Zinskurve – also der sinkende Abstand zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen – setzt Hypothekenanleihen besonders unter Druck.
Der Mechanismus hinter der Gefahr
Hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-Backed Securities, MBS) reagieren empfindlich auf Veränderungen in der Zinsstruktur. Eine flachere Zinskurve verringert die sogenannte „Convexity“ dieser Papiere – ein Fachbegriff, der die Sensitivität des Anleihepreises gegenüber Zinsänderungen beschreibt. Vereinfacht gesagt: Die Papiere werden schwerer zu bewerten und verlieren an Attraktivität für Investoren.
Bassman zufolge könnte diese Entwicklung nicht auf den Hypothekenmarkt beschränkt bleiben. Vielmehr drohe eine Ansteckung des gesamten Festzinsmarktes. Wenn Hypothekenanleihen an Wert verlieren und die Volatilität steigt, geraten auch andere Anleihesegmente unter Druck. Dies könnte zu einem Dominoeffekt führen, der letztlich den gesamten Rentenmarkt erfasst.
Hyperscaler-Anleihen bleiben stabil
Eine positive Nachricht hat Bassman jedoch parat: Hyperscaler-Anleihen – also Schuldtitel großer Technologie- und Cloud-Unternehmen – befinden sich seinen Angaben zufolge in solider Verfassung. Diese Papiere scheinen von den Turbulenzen am Hypothekenmarkt bislang nicht betroffen zu sein. Für Anleger, die Sicherheit suchen, könnten diese Anleihen eine Alternative darstellen.
Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Finanzmärkte ohnehin mit erhöhter Unsicherheit kämpfen. Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Zinserhöhungszyklus zwar weitgehend abgeschlossen, doch die Auswirkungen der vergangenen Straffungen sind noch nicht vollständig verdaut. Die Abflachung der Zinskurve ist ein klassisches Signal für eine sich eintrübende Konjunkturerwartung.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Für deutsche Privatanleger, die in US-Anleihen oder entsprechende Fonds investiert sind, könnte die Entwicklung relevant werden. Hypothekenbesicherte Wertpapiere finden sich nicht nur in spezialisierten Produkten, sondern auch in vielen breit gestreuten Rentenfonds. Ein Blick ins Factsheet des eigenen Investments kann Aufschluss geben, ob und in welchem Umfang MBS im Portfolio enthalten sind.
Die steigende Volatilität am Anleihemarkt, gemessen am MOVE-Index, ist ein weiteres Warnsignal. Historisch betrachtet gingen Phasen hoher Anleihevolatilität oft mit Verwerfungen an den Finanzmärkten einher. Bassmans Expertise verleiht dieser Warnung besonderes Gewicht – schließlich hat er mit dem MOVE-Index das Standardinstrument zur Messung dieser Volatilität geschaffen.
Ob sich die Risiken tatsächlich auf den gesamten Festzinsmarkt ausweiten, bleibt abzuwarten. Die Anzeichen mehren sich jedoch, dass der Hypothekenmarkt zunehmend unter Druck gerät. Anleger sollten die Entwicklung im Auge behalten und ihre Portfolios entsprechend überprüfen.
