ANZEIGE

Wall Street: Analysten stufen HPE, Netflix und Stellantis herab

Wall Street korrigiert Einschätzungen zu HPE, Netflix, Stellantis, Ulta Beauty und Fluence Energy.

5 Min
Wall Street: Analysten stufen HPE, Netflix und Stellantis herab

Die vergangene Woche an den Analystentischen der Wall Street war geprägt von einer Reihe markanter Herauf- und Herabstufungen. Gleich mehrere Großbanken und Research-Häuser korrigierten ihre Einschätzungen zu bekannten Werten – mit teils heftigen Kursreaktionen. Im Fokus standen dabei Hewlett Packard Enterprise, Ulta Beauty, Stellantis, Fluence Energy und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3ANFLX">Netflix.

Hewlett Packard Enterprise: Bewertungskorrektur nach Kursrallye

Evercore ISI stufte Hewlett Packard Enterprise (HPE) von „Outperform“ auf „In Line“ herab, beließ das Kursziel jedoch unverändert bei 65 US-Dollar. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Aktie fiel im vorbörslichen Handel um rund sieben Prozent auf 57,75 US-Dollar, bevor sie sich teilweise erholte. Es handelte sich um eine der schärfsten einseitigen Reaktionen des Jahres auf eine Analystenbewertung.

Bemerkenswert ist, dass Evercores Argument nicht auf operativen Problemen beruhte. Das Geschäft von HPE sei nicht eingebrochen. Vielmehr sei die Aktie zu weit und zu schnell gestiegen: Bis zum 11. September legte sie auf Jahressicht um 158,5 Prozent zu und handelte mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 für das Geschäftsjahr 2027 – der Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt bei lediglich 8. Da kurzfristige Katalysatoren zur Aufrechterhaltung dieser Prämie fehlten und die Nachfrage nach KI-Servern bereits eingepreist schien, normalisierte sich nach Einschätzung von Evercore das Risiko-Ertrags-Verhältnis. Das ohnehin nervöse Marktumfeld – der Nasdaq fiel um 1,4 Prozent, der S&P 500 um 0,6 Prozent – verstärkte den Abwärtsdruck zusätzlich.

Ulta Beauty: Ende eines dreijährigen Bärenfalls

Wells Fargo stufte Ulta Beauty (ULTA) von „Underweight“ auf „Equal Weight“ hoch und erhöhte das Kursziel von 450 auf 525 US-Dollar. Die Aktie notierte zum Zeitpunkt der Empfehlung bei 548,65 US-Dollar und schloss am 18. September bei 540,98 US-Dollar. Dies signalisierte, dass ein Großteil des Optimismus bereits eingepreist war.

Für Wells Fargo markierte dies das offizielle Ende eines dreijährigen Bärenfalls. Die Bank hatte Ulta Anfang 2023 mit „Underweight“ belegt und ein verlangsamtes Wachstum, Margendruck sowie eine Erosion der Bewertungskennzahlen prognostiziert. Diese These war nicht falsch: Die vergleichbaren Verkäufe verzeichneten im zweiten Quartal 2024 negative Werte, und die Bruttomargen schrumpften zwei Jahre in Folge. Doch das aggressive Aktienrückkaufprogramm des Managements und die Widerstandsfähigkeit des Schönheitsdetailhändlers gegen Wettbewerbsdruck erwiesen sich als starke Gegenargumente. Das Fazit von Wells Fargo: „Wenn das Geschäftsmodell zusammenbrechen würde, wäre dies bereits geschehen.“ Es folgte eine Neubewertung auf etwa das 17-fache des KGV für das Geschäftsjahr 2027.

Stellantis: Margendruck und mangelnde Glaubwürdigkeit

Berenberg stufte Stellantis (STLAM) aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Margen herab und reihte sich damit hinter Morgan Stanley ein, der die Aktie zuvor bereits auf „Underweight“ gesetzt hatte. Die Aktie schloss am 18. September bei 4,204 Euro und verzeichnete an diesem Handelstag einen Rückgang von 5,23 Prozent. Damit setzte sich die schwierige Entwicklung fort: Im vergangenen Jahr hat der Titel nahezu 50 Prozent an Wert verloren.

Der Schritt von Berenberg war der jüngste Dominoeffekt in einem zunehmend skeptischen Konsens an der Wall Street gegenüber Europas größtem Automobilhersteller nach Volumen. Morgan Stanley hatte die Aktie bereits auf „Underweight“ mit einem Kursziel von 5,20 US-Dollar gesetzt. Die Herabstufung durch Berenberg verleiht der Frage nach den Zeitplänen für eine Margenerholung neue Dringlichkeit, zumal Handelsspannungen wieder aufflammen und Zollunsicherheiten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der nordamerikanischen Produktion trüben. Das Dilemma von Stellantis: Das Management hat zwar bedeutende Restrukturierungsmaßnahmen durchgeführt, die Bewertungskennzahlen haben sich jedoch nicht neu bewertet, weil die Glaubwürdigkeit der Umsetzung weiterhin gering ist. Für eine Aktie, die einst zu den Favoriten des europäischen Autosektors gehörte, wird der Begriff „Value Trap“ zunehmend schwerer zu ignorieren.

Fluence Energy: Absturz nach mehrfachem Guidance-Fehlschlag

Baird stufte Fluence Energy (FLNC) von „Neutral“ auf „Underperform“ herab und senkte das Kursziel drastisch von 10,00 auf 3,00 US-Dollar. Goldman Sachs zog nach und senkte von „Buy“ auf „Neutral“. Die Aktie schloss am 18. September bei 7,32 US-Dollar und verzeichnete an diesem Tag einen Rückgang von 4,44 Prozent. Dies krönte eine wöchentliche Verlustserie von 26,28 Prozent, eingebettet in einen Jahresverlust von 64 Prozent.

Hintergrund ist ein Unternehmen, das es innerhalb von sechs Wochen schaffte, die Prognosen gleich zweimal anzupassen. Fluence senkte seine Umsatzprognosen für das Geschäftsjahr 2026 von 3,0 Milliarden auf rund 2,4 Milliarden US-Dollar und änderte die Prognose für das bereinigte EBITDA von einem zuvor erwarteten Verlust von 10 Millionen auf nunmehr minus 200 Millionen US-Dollar. Ursache sind Ausfallerscheinungen beim Hochfahren der Fertigungsstätte in Houston. Das Kursziel von Baird in Höhe von 3,00 US-Dollar ist eine offene Anerkennung, dass die Produktionsverzögerungen nicht nur ein Timing-Problem sind: Sie werfen Fragen zur Kundenzuversicht und zur Liquidität auf. Goldmans Ausstieg aus dem Bullenlager entfernte eine der letzten hochkarätigen „Buy“-Empfehlungen. Jefferies folgte am Freitagmorgen mit einer eigenen Herabstufung auf „Hold“ von „Buy“ und senkte das Kursziel von 19,00 auf 7,00 US-Dollar. Mit drei großen Herabstufungen innerhalb von 48 Stunden spiegelt die Woche von Fluence eine strukturelle Neubeurteilung des gesamten Geschäftsmodells wider.

Netflix: Erste „Underweight“-Einstufung seit langem

Wells Fargo stufte Netflix (NFLX) von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab und senkte das Kursziel von 80 auf 57 US-Dollar. Die Aktie fiel um 4,67 Prozent und schloss bei 71,79 US-Dollar – der schärfste einseitige, ratinggetriebene Rückgang unter den Large Caps dieser Woche.

Der Kontext ist hier entscheidend: Vor dieser Herabstufung hatte Netflix 35 „Buy“- und 16 „Hold“-Empfehlungen von Wall-Street-Analysten – und null „Sell“-Empfehlungen. Die erste „Underweight“-Einstufung ist kein routinemäßiger Vorgang, sondern ein symbolischer Bruch in einem der einheitlich bullischsten Analystenkonsense der Wall Street. Wells Farges Bärenthese konzentriert sich auf schwächelnde Engagement-Trends, obwohl Netflix aggressiv Live-Sportarten und Live-Events verfolgt, um die Zuschauerbindung zu stärken. Das Management enthüllte am selben Morgen einen detaillierteren Expansionsplan für Live-Sportarten – dennoch fiel die Aktie. Dies deutet darauf hin, dass Investoren die Strategie als kurzfristigen Gewinntreiber wenig überzeugend fanden. Der Nasdaq gewann an diesem Tag um 0,5 Prozent, sodass die Bewegung von Netflix ein unternehmensspezifisches Urteil und keine allgemeine Marktbewegung war. Bei 71,79 US-Dollar liegt die Aktie 43 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 124,86 US-Dollar – eine Erinnerung daran, dass die Frage nach dem Engagement seit Monaten im Raum steht.

AnalystenWall StreetHerabstufungHewlett Packard EnterpriseNetflixStellantisFluence EnergyUlta Beauty

Meistgelesene News

  1. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  2. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  3. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  4. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  5. Warsteiner verliert Motel One und Sauerland-Stern als Kunden

Disclaimer