Fallende Aktien erkennen: Wann ein Absturz weitergeht
Wall-Street-Regel: Fallende Messer nicht aufzufangen – doch was tun bei Bestand?

Die US-Notenbank Fed dominiert derzeit die Schlagzeilen, doch die USA sind nicht das einzige Land, dessen Zentralbank in dieser Woche die Zinsen angehoben hat. Der japanische Anstieg auf ein dreißigjähriges Hoch wurde als weniger überzeugend eingestuft, was zu einer scharfen nächtlichen Abschwächung des Yen führte. Die USA hatten kürzlich gemeinsam mit Japan interveniert, um den Yen zu stützen, aufgrund potenzieller Kaskadeneffekte.
Die amerikanischen Märkte scheinen dies vorerst gelassen zu akzeptieren, wobei die Aktienkurse erneut an Gewinnkraft gewinnen und die Renditen der Staatsanleihen stabil bleiben. Heute markiert zudem das Ende einer Ära, da bekannt wurde, dass Warren Buffett als Vorsitzender von Berkshire Hathaway zurücktreten wird.
Die alte Wall-Street-Weisheit
Eines der ältesten Weisheiten der Wall Street lautet, nicht zu versuchen, ein fallendes Messer aufzufangen – also eine Aktie, die abstürzt. Diese können länger und heftiger weiterfallen, als Anleger erwarten. Doch was ist, wenn man sie bereits besitzt? Viele Investoren, insbesondere Hedge-Fund-Trader, nutzen Stop-Loss-Aufträge, um die Schäden für ihre Portfolios in Grenzen zu halten.
Der Nachteil dieses „Abbruch-und-Flucht“-Ansatzes besteht darin, dass sie in einigen Fällen einen anfänglichen Panikverlust realisieren. Anschließend verpassen die ehemaligen Eigentümer eine starke Erholung. Wenn der Trend fallender Aktien mit abwärtsgerichteter Impulswirkung konsistent wäre, wäre das direkte Wetten gegen sie eine sichere Handelsstrategie – und das ist er nicht.
Die Forschung von Trivariate Research
Adam Parker und sein Team bei Trivariate Research haben Tausende von starken Drawdowns über ein Vierteljahrhundert hinweg untersucht, um Hinweise darauf zu gewinnen, wann schnell fallende Aktien dazu neigen, weiter zu fallen. Um die Ergebnisse relevant zu halten, schlossen sie Pharma- und Biotechunternehmen aus, bei denen Nachrichten über Arzneimittelzulassungen extreme Auswirkungen haben können. Sie vermieden auch die turbulentesten Perioden wie die Covid-19-Panik und die Finanzkrise.
Die Untersuchungsergebnisse liefern wertvolle Anhaltspunkte für Anleger, die vor der Frage stehen, ob sie eine stark gefallene Aktie halten oder verkaufen sollen. Die Analyse über 25 Jahre hinweg zeigt, dass nicht jede starke Abwärtsbewegung zwangsläufig in eine weitere Abwärtsspirale mündet.
Fazit für Anleger
Für deutsche Privatanleger gilt: Stop-Loss-Orders können sinnvoll sein, um Verluste zu begrenzen. Doch die Forschung von Trivariate Research zeigt, dass pauschale Verkaufsreaktionen nicht immer die optimale Strategie sind. Die Unterscheidung zwischen einer temporären Panikreaktion und einem strukturellen Abwärtstrend bleibt eine der größten Herausforderungen im Aktienhandel.
