US-Versicherer drängen im Kongress auf Freigabe für Cannabis-Policen
Neun Branchenverbände fordern das CLAIM-Gesetz, um Versicherer vor Bundesstrafen bei Cannabis-Kunden zu schützen.

Die etablierte US-Versicherungsbranche verstärkt ihre Bemühungen, Cannabis-Unternehmen versichern zu können, ohne sich dabei bundesrechtlichen Sanktionen auszusetzen. Eine Koalition aus neun Versicherungsverbänden will den Kongress dazu bringen, das Gesetz „Clarifying Law Around Insurance of Marijuana Act“ (CLAIM) zu verabschieden. Das berichtet das Fachmagazin Insurance Business.
Der Gesetzesentwurf wurde am 16. September von der demokratischen US-Repräsentantin Nydia Velazquez aus New York und dem republikanischen US-Repräsentanten Warren Davidson aus Ohio eingebracht. Er „würde Versicherer, Makler und Vertreter vor bundesrechtlichen Strafen schützen, wenn sie staatlich lizenzierte Cannabis-Unternehmen bedienen“, erklärten die beiden Abgeordneten in einer Pressemitteilung. Damit könnte sich die Landschaft für die Branche grundlegend verändern.
Denn bislang sind staatlich lizenzierte Versicherungsunternehmen kaum bereit, Policen für Cannabis-Betriebe anzubieten. Cannabis-Betreiber sind deshalb größtenteils auf Hochrisiko-Nicht-Zulassungsanbieter angewiesen – also auf Versicherer, die nicht im Rahmen der staatlichen Zulassung tätig sind. Diese sogenannten non-admitted carriers bieten Deckung an, wo reguläre Anbieter sich zurückhalten.
Breite Unterstützung aus der Versicherungswirtschaft
Zu den Verbänden, die das Gesetz unterstützen, gehören die American Property Casualty Insurance Association, das Council of Insurance Agents & Brokers, die Independent Insurance Agents & Brokers of America, die National Association of Mutual Insurance Companies sowie die Wholesale & Specialty Insurance Association. Die Koalition argumentiert mit der widersprüchlichen Rechtslage zwischen Bundes- und Staatenebene.
„Durch die Beseitigung der rechtlichen Unsicherheit, die durch die widersprüchliche Behandlung von Marihuana auf Bundes- und Staatenebene entsteht, kann die Versicherungsbranche sowohl legitime cannabisbezogene Unternehmen als auch andere Verbraucher im gewerblichen Versicherungsbereich sowie Privatpersonen mit direkter oder indirekter Beziehung zu staatlich legalisiertem Cannabis bedienen und dabei gleichzeitig gesetzeskonform bleiben“, zitierten die Verbände laut Insurance Business.
Ähnlich wie bei den Bemühungen um eine Reform des Marihuana-Bankwesens würde CLAIM jedoch keine Versicherungsgesellschaft verpflichten, Policen für Cannabis abzuschließen. Der Entwurf würde lediglich das bundesrechtliche Risiko beseitigen, das die meisten Anbieter davon abhält, solche Verträge überhaupt zu zeichnen.
Ein zentraler Knackpunkt ist der Preis. Die meiste Cannabis-Versicherung läuft derzeit über den Nicht-Zulassungsmarkt (non-admitted) oder den Markt für überschüssige und spezielle Risiken (excess and surplus). Der Grund dafür ist die Furcht zugelassener Anbieter mit staatlicher Lizenz vor bundesrechtlichen Haftungsrisiken. Überschusspolicen seien teurer als diejenigen, die von zugelassenen Anbietern angeboten werden, betonen Versicherungsexperten. Eine Freigabe könnte damit auch die Kosten für die Betriebe senken.
Parallelen zum Cannabis-Bankwesen
Das Versicherungs-Dilemma ähnelt der Situation im Bereich des Cannabis-Bankwesens. Seit Jahren drängen sowohl die Cannabis-Branche als auch die Lobbygruppen der Banken auf Bundesgesetze, die mehr kommerzielle Banken dazu ermutigen würden, die Branche zu bedienen. Bemühungen, ein solches Gesetz zu verabschieden, sind jedoch ins Stocken geraten.
Im Sommer führten Abgeordnete den SAFER Banking Act erneut ein. Diese Initiative fällt mit den Fortschritten bei der bundesweiten Neuklassifizierung von Marihuana zusammen. Das Justizministerium unter der Trump-Administration stufte medizinisches Cannabis im April als Wirkstoff der Kategorie 3 (Schedule 3) neu ein. Die meisten Betreiber stammen aus dem Adult-Use-Sektor, und Adult-Use-Marihuana bleibt weiterhin in der Kategorie 1 (Schedule 1) eingestuft.
Für deutsche Leser ist die Entwicklung vor allem als Gradmesser für die Reife des US-Cannabis-Marktes interessant. Solange Versicherungsschutz nur über teure Nischenanbieter zu bekommen ist, bleiben die Betriebskosten hoch und die Branche fragmentiert. Ein Bundesgesetz wie CLAIM könnte dagegen den Weg für reguläre Versicherungsprodukte ebnen und damit ein weiteres Hindernis für die Professionalisierung des Sektors beseitigen. Ob der Entwurf im Kongress Mehrheiten findet, ist allerdings offen – die Erfahrungen mit der Bankreform zeigen, wie zäh solche Vorhaben vorankommen.
