US-Justizministerium ermittelt gegen Binance wegen Iran-Ölzahlungen
Kryptobörse Binance soll für illegale Öltransaktionen mit dem Iran genutzt worden sein.

Das US-Justizministerium hat die Kryptobörse Binance ins Visier seiner Ermittlungen genommen. Laut einer am Montag eingereichten Klage zur Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von 61 Millionen US-Dollar wurde die Plattform von verschiedenen Unternehmen genutzt, um Zahlungen für iranisches Öl auf dem Schwarzmarkt abzuwickeln. Die Gelder stammten von chinesischen Käufern und dienten dazu, das iranische Militär unter Umgehung bestehender Sanktionen zu finanzieren.
Bundesstaatsanwälte in Manhattan bezifferten die Gesamtsumme, die über ein Netzwerk miteinander verbundener digitaler Wallets in den Iran geflossen sein soll, auf rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Dies verdeutlicht das enorme Volumen der mutmaßlich sanktionswidrigen Transaktionen, die über die weltweit größte Kryptobörse abgewickelt wurden.
Ein Sprecher von Binance betonte, dass sich das Zivilverfahren nicht gegen die Börse selbst richte und ihr kein Fehlverhalten vorgeworfen werde. Die Klage zielt vielmehr auf die Einziehung der Vermögenswerte ab, die im Zusammenhang mit den illegalen Zahlungen stehen.
Hintergrund der Ermittlungen
Wie das Wall Street Journal bereits im Februar berichtete, hatten interne Untersuchungen bei Binance ergeben, dass zwei in Hongkong ansässige Unternehmen – „Hexa Whale“ und „Blessed Trust“ – im Zeitraum von 2024 bis 2025 erhebliche Summen über die Plattform bewegten. Diese Gelder flossen an ein Netzwerk, das die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) unterstützte und es chinesischen Firmen ermöglichte, sanktioniertes iranisches Öl diskret zu bezahlen.
Die Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York stellte in der Klageschrift fest, dass die beiden Firmen zwar als gewöhnliche Krypto-Dienstleister auftraten, jedoch kooperiert hätten, um Gelder für chinesische Unternehmen aus dem Erdölsektor zu transferieren. Ein Teil dieser Transaktionen soll dabei über das US-Finanzsystem abgewickelt worden sein.
Binance erklärte, nach der Identifizierung der verdächtigen Aktivitäten entsprechende Compliance-Maßnahmen ergriffen zu haben. Die beiden Kunden wurden von der Plattform entfernt: Hexa Whale im August 2025 und Blessed Trust, ein ehemaliger Geschäftspartner von Binance für Zahlungsdienstleistungen, im Januar dieses Jahres.
Bedeutung für den Kryptomarkt
Der Fall zeigt einmal mehr, wie Kryptobörsen zunehmend unter Druck geraten, ihre Compliance-Systeme zu verschärfen. Für deutsche Anleger ist dies ein wichtiges Signal: Die Regulierung von Kryptoplattformen wird weltweit strenger, und Sanktionsverstöße können weitreichende Konsequenzen haben.
Binance hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach mit US-Behörden zu kämpfen. Im Jahr 2023 zahlte die Börse eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden US-Dollar an das US-Justizministerium und die Finanzaufsichtsbehörden, um Vorwürfe der Geldwäsche und Sanktionsverstöße beizulegen. Der aktuelle Fall zeigt, dass die Behörden die Einhaltung der Sanktionen weiterhin mit hoher Priorität verfolgen.
Die Ermittlungen gegen die beiden Hongkonger Unternehmen und die damit verbundenen Vermögenswerte in Höhe von 61 Millionen US-Dollar sind ein weiterer Schritt in den laufenden Bemühungen der US-Behörden, illegale Finanzströme über Kryptoplattformen zu unterbinden. Ob weitere rechtliche Schritte gegen Binance selbst folgen, bleibt abzuwarten.
