US-Dollar profitiert von Ölpreisanstieg und Fed-Zinserwartungen
Grüner US-Dollar nahe Zwei-Wochen-Hoch dank Ölpreisrally und nahezu sicherer Fed-Zinsanhebung.

Der US-Dollar notiert derzeit nahe einem Zwei-Wochen-Hoch und profitiert von mehreren Faktoren gleichzeitig. Ein deutlicher Anstieg der Ölpreise, steigende Renditen für US-Staatsanleihen und die wachsende Erwartung einer bevorstehenden Zinsanhebung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) treiben den Greenback an. Der Markt betrachtet eine Zinswende am Mittwoch als nahezu sicher: Das FedWatch-Tool der CME beziffert die Wahrscheinlichkeit auf rund 93 Prozent.
Belastend kommt hinzu, dass die allgemeine Risikoaversion die globalen Märkte erfasst hat. Ein Ausverkauf bei Technologiewerten, befeuert durch Bedenken hinsichtlich der Entwicklung Künstlicher Intelligenz, verstärkt die Nachfrage nach dem Dollar als „sicherem Hafen“. Anleger flüchten in die Weltleitwährung, was den Kurs zusätzlich stützt.
Ölpreise treiben Inflationssorgen an
Die Ölpreise sind aufgrund von Versorgungsengpässen und geopolitischen Spannungen im Nahen Osten auf über 108 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Insbesondere Angriffe der Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien heizen die Lage an. Dies treibt die Inflationssorgen weiter an und hat dazu geführt, dass die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen erstmals seit Oktober 2023 die psychologisch wichtige Marke von fünf Prozent durchbrochen haben.
Analysten wie Christopher Wong von der OCBC betonen, dass diese Kombination aus teurer Energie, höheren Renditen und schwacher Risikobereitschaft den Dollar breitflächig stützt. Die Entwicklung dürfte sich fortsetzen, solange die geopolitischen Spannungen anhalten und die Energiepreise hoch bleiben.
Kanadischer Dollar unter Druck
Der kanadische Dollar (Loonie) steht unterdessen unter Druck und näherte sich einem 12-Tage-Tief bei 1,3929 CAD pro US-Dollar. Obwohl Kanada mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent im August die Erwartungen erfüllte, lieferten die Daten kaum Impulse. Die zugrunde liegenden Preisdruckmaße der Bank of Canada blieben stabil. Der Anstieg der Ölpreise, der Kanada als Rohstoffexporteur normalerweise stützen würde, wird derzeit durch die Erwartung einer strafferen US-Geldpolitik überlagert.
Auch andere Währungen zeigen Schwäche gegenüber dem Greenback. Der Euro notierte zuletzt bei 1,1538 USD, das Britische Pfund bei 1,3494 USD. Der japanische Yen gab ebenfalls nach, während der Markt auf die erwartete Zinsentscheidung der Bank of Japan am Freitag blickt. Der Offshore-Yuan blieb hingegen stabil nahe einem Dreijahreshoch.
Experten warnen vor begrenztem Aufwärtspotenzial
Experten von BCA Research geben jedoch zu bedenken, dass das Aufwärtspotenzial des Dollars begrenzt sein könnte. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Fed nach der erwarteten Anhebung keine weiteren aggressiven Schritte signalisiert. Der Markt preist derzeit mindestens eine weitere Zinserhöhung bis März ein. Die weitere Entwicklung bleibt stark von der Volatilität der Energiepreise abhängig.
Für deutsche Anleger bedeutet dies: Der starke Dollar macht US-Investments attraktiver, belastet aber gleichzeitig Exporteure und Importeure, die in Dollar fakturieren. Die anhaltende Unsicherheit an den Energiemärkten und die geldpolitischen Entscheidungen der Fed bleiben die entscheidenden Treiber für die weitere Entwicklung des Devisenmarktes.
