US-Flüssiggas könnte Wettbewerbsvorteil verlieren, warnt Fulcrum-CEO
Steigende US-Gaspreise machen die LNG-Produktion teurer und könnten die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Exporteure gefährden.

US-amerikanische Flüssigerdgas-Projekte (LNG) stehen vor einer wachsenden Wettbewerbsherausforderung. Denn die inländischen Erdgaspreise steigen weiter, warnte Jesus Bronchalo, CEO von Fulcrum LNG. Er äußerte sich am Dienstag während einer Podiumsdiskussion am Baker Institute der Rice University. Nach seiner Einschätzung dürften die Erdgaspreise in den USA auch künftig anziehen.
Bereits heute zählen die Vereinigten Staaten laut Bronchalo zu den teuersten Standorten weltweit für die LNG-Produktion. „Henry Hub wird an einen Punkt kommen, an dem es zu teuer wird oder Sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind", sagte der Fulcrum-CEO mit Blick auf den US-Erdgaspreis-Benchmark Henry Hub. Der Henry Hub in Louisiana ist der maßgebliche Referenzpreis für den amerikanischen Erdgasmarkt und damit eine zentrale Größe für die Kalkulation von LNG-Exportprojekten.
Stabilität als Gegenargument
Auf derselben Konferenz relativierte Joshua Lubarsky, Präsident der Schifffahrtsgesellschaft Seapath Group, die Kostenproblematik. Zwar gehörten die USA zu den LNG-Produzenten mit den höchsten Kosten der Welt, so Lubarsky. Allerdings biete die US-Gaspreisdynamik eine Stabilität, die Käufer anspreche. Damit deutet sich ein Zielkonflikt an: Hohe Kosten auf der einen Seite, planbare Lieferbedingungen auf der anderen.
Für deutsche und europäische Abnehmer ist diese Entwicklung relevant, weil US-LNG seit dem Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen zu einer wichtigen Säule der Gasversorgung geworden ist. Sollten die amerikanischen Produktionskosten weiter steigen, könnte sich das auf die Preise und die Attraktivität langfristiger Abnahmeverträge auswirken.
Finanzierung verschiebt sich zu Private Equity
Neben den Preisen verändert sich auch die Finanzierungsstruktur für US-LNG-Projekte. Die Abhängigkeit von Private Equity nehme zu, unterstützt durch staatlich gestützte Sovereign Wealth Funds, sagte Julie Mayo, General Counsel bei Sempra Infrastructure. Mayo verwies auf Sempras Nutzung von Private-Equity-Fonds für die Expansion als Beispiel für diesen neuen Finanzierungsansatz.
Damit entferne sich die Branche von traditionellen externen Krediten. Der Wandel der Kapitalstruktur ist insofern bemerkenswert, als LNG-Projekte traditionell als kapitalintensiv und langfristig angelegt gelten. Sempra operiert als einer der größten US-LNG-Exporteure über seine Cameron-LNG-Anlage sowie die Port-Arthur-Entwicklung.
Die Diskussion am Baker Institute macht deutlich, dass die US-LNG-Industrie vor einer doppelten Aufgabe steht: Sie muss steigende Rohstoffkosten verkraften und zugleich neue Geldgeber für milliardenschwere Projekte gewinnen. Ob der Kostenanstieg die Wettbewerbsfähigkeit tatsächlich nachhaltig schwächt oder ob die Stabilität des US-Marktes den Nachteil ausgleicht, dürfte sich in den kommenden Jahren an den globalen LNG-Märkten entscheiden.
