Norsk Hydro drohen bis zu 210 Millionen Dollar durch Gasunterbrechung bei Alunorte
Gaslieferant CELBA unterbrach die Versorgung der brasilianischen Alunorte-Raffinerie – Hydro kauft seitdem teuer am Spotmarkt ein.

Norsk Hydro sieht sich mit einer erheblichen finanziellen Belastung konfrontiert: Das norwegische Aluminium- und Energieunternehmen rechnet mit Kosten von bis zu 210 Millionen US-Dollar, weil seine brasilianische Aluminiumoxid-Raffinerie Alunorte nach Unterbrechungen der Erdgaslieferungen weiterhin Gas zu Spotmarktpreisen beziehen muss. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt.
Auslöser der Krise ist der Gaslieferant CELBA, der Alunorte im August darüber informierte, dass die Gasverfügbarkeit unterbrochen sei. Seitdem erhält die Raffinerie ihre vertraglich vereinbarten Mengen nicht mehr und ist gezwungen, den Fehlbedarf über den teuren Spotmarkt zu decken. Die Raffinerie liegt im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará.
Die Produktionsanlage hatte infolge der Unterbrechungen die Aluminiumoxidproduktion Anfang des Monats auf 50 Prozent der Kapazität gedrosselt. Nachdem im August eine vorübergehende Vereinbarung mit CELBA getroffen worden war, hatte Alunorte begonnen, die Produktion wieder auf volle Kapazität hochzufahren.
Die Details
Hydro schlüsselt die erwarteten Belastungen nach Quartalen auf: Für das dritte Quartal schätzt das Unternehmen die Auswirkungen auf sein Bauxit- und Aluminiumoxidgeschäft auf 75 Millionen bis 100 Millionen US-Dollar. Ursache sind sowohl eine geringere Produktion als auch der Zukauf von Gas zu Preisen oberhalb der vertraglich vereinbarten Konditionen.
Für das vierte Quartal erwartet Hydro eine weitere Belastung von 90 Millionen bis 110 Millionen US-Dollar, die ausschließlich auf Gas-Arbitragekosten bei Alunorte zurückzuführen ist. Damit ergibt sich in der Summe eine Gesamtbelastung von bis zu 210 Millionen US-Dollar über beide Quartale.
Das Unternehmen betont, dass die endgültigen finanziellen Auswirkungen ungewiss bleiben. Sie hängen laut Hydro von den künftigen Gaspreisen, den vertraglichen Entwicklungen und den Fortschritten bei einer langfristigen Lösung ab. Alunorte erwartet keine weiteren Versorgungsunterbrechungen aufgrund der aktuellen Situation und arbeitet eng mit CELBA zusammen, wie Hydro mitteilte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Norsk Hydro ist in den vergangenen Monaten bereits mehrfach durch Versorgungsunterbrechungen in Schwierigkeiten geraten. Bereits am 13. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass Hydro eine zweite Erklärung über Höhere Gewalt (Force Majeure) für Aluminiumverkäufe abgegeben hatte. Auslöser war damals die Kündigung einer langjährigen Vermarktungsvereinbarung durch das Joint Venture Qatalum in Katar. Diese Entwicklung schürte Bedenken hinsichtlich der Fähigkeit des Konzerns, seine Lieferverpflichtungen gegenüber Kunden zu erfüllen.
Zuvor, am 4. März 2026, hatte aktien.news über eine Gasversorgungskrise im Zusammenhang mit dem Golfregion-Konflikt berichtet. Iranische Vergeltungsschläge hatten die Produktion von QatarEnergy lahmgelegt und die wichtigste LNG-Anlage des Unternehmens getroffen. Das Joint Venture Qatalum, das Norsk Hydro gemeinsam mit dem staatlichen katarischen Aluminiumproduzenten betreibt, war unmittelbar betroffen und leitete eine kontrollierte Produktionsunterbrechung ein. Die Golfregion verantwortet laut ING Research rund 8 Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion.
Am 30. März 2026 berichtete aktien.news, dass die Aluminiumpreise auf 3.440,25 US-Dollar pro Tonne gestiegen waren und sich damit ihren Vierjahreshochs näherten. Hintergrund waren iranische Angriffe auf Aluminiumanlagen in der Golfregion, die rund 9 Prozent der weltweiten Produktion verantworten. Betroffen waren Emirates Global Aluminium und Aluminium Bahrain. Bereits am 1. April 2026 hatte aktien.news gemeldet, dass die Aluminiumpreise seit Jahresbeginn um 18 Prozent gestiegen waren, nachdem Angriffe den Betrieb großer Schmelzhütten im Nahen Osten zum Erliegen gebracht hatten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die Norsk Hydro im Depot halten oder beobachten, sind die nun kommunizierten Belastungen ein wichtiges Signal. Die Gesamtbelastung von bis zu 210 Millionen US-Dollar trifft das Unternehmen in einem ohnehin angespannten Umfeld: Hydro hat in den vergangenen Monaten mehrere Force-Majeure-Erklärungen abgegeben und kämpft an verschiedenen Fronten mit Versorgungsengpässen.
Besonders relevant ist die Unsicherheit über die endgültige Höhe der Kosten. Da die Belastung von den künftigen Gaspreisen am Spotmarkt abhängt, bleibt das Ausmaß des Schadens variabel. Steigen die Spotpreise weiter, könnten die tatsächlichen Kosten am oberen Ende der genannten Spanne oder darüber liegen. Anleger sollten die Entwicklungen rund um die Verhandlungen mit CELBA und eine mögliche langfristige Lösung aufmerksam verfolgen.
Die Situation bei Alunorte ist dabei nur ein Teil eines größeren Bildes: Hydro ist als integrierter Aluminiumproduzent von der gesamten Wertschöpfungskette abhängig – von der Bauxitförderung über die Aluminiumoxidproduktion bis zur Aluminiumschmelze. Störungen auf einer Stufe wirken sich auf die gesamte Kette aus.
Ausblick
Alunorte arbeitet laut Hydro eng mit CELBA zusammen und erwartet keine weiteren Versorgungsunterbrechungen aufgrund der aktuellen Situation. Das Unternehmen strebt eine langfristige Lösung an, ohne jedoch konkrete Termine oder Details zu nennen. Die endgültigen finanziellen Auswirkungen für das dritte und vierte Quartal werden maßgeblich davon abhängen, wie sich die Gaspreise am Spotmarkt entwickeln und ob eine vertragliche Einigung mit CELBA erzielt werden kann.
Kurz erklärt
- Spotmarktpreis: Der aktuelle Marktpreis für eine Ware, der bei sofortiger Lieferung gezahlt wird, im Gegensatz zu einem vertraglich festgelegten Preis.
- Aluminiumoxid (Tonerde): Ein Zwischenprodukt bei der Aluminiumherstellung, das aus Bauxit gewonnen und anschließend zu Aluminium weiterverarbeitet wird.
- Gas-Arbitrage: Die Nutzung von Preisunterschieden zwischen vertraglich vereinbarten Gaspreisen und aktuellen Marktpreisen, die zu zusätzlichen Kosten führt, wenn Spotpreise höher liegen.
