Gouverneurin von Massachusetts fordert schnellere Prüfung der Erdgaspipeline
Gouverneurin Maura Healey drängt auf schnellere Genehmigung des RARE-Projekts von Enbridge in Neuengland.

Die Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump aufgefordert, die föderale Prüfung einer Erdgaspipeline zu beschleunigen, die eine Tochtergesellschaft des kanadischen Energiekonzerns Enbridge in Neuengland entwickelt. Wie Reuters am Donnerstag berichtete, richtet sich der Appell auf die Erweiterung der Algonquin Gas Transmission-Pipeline, die unter dem Namen Reliable Affordable Resilient Enhancement (RARE) läuft. Healey bezeichnete das Vorhaben ausdrücklich als ein Projekt, das zuvor vom US-Präsidenten unterstützt worden sei.
Hintergrund der Forderung ist ein bemerkenswerter Kurswechsel im Nordosten der USA. Nachdem mehrere Bundesstaaten der Region in den vergangenen rund zehn Jahren die meisten neuen fossilen Energieprojekte abgelehnt hatten, zeigen sie sich in jüngster Zeit offener für solche Vorhaben. Grund dafür sind die stark gestiegenen Energiekosten, die die Verbraucher belasten und den Druck auf die Politik erhöhen.
Projekt soll 600.000 Kunden versorgen
Nach Angaben der Gouverneurin soll das RARE-Projekt voraussichtlich 600.000 Kunden mit Gas versorgen und die Gasrechnungen jährlich um 40 Millionen US-Dollar senken. Zusätzlich soll die erweiterte Gasversorgung die Abhängigkeit von teurerem importiertem Flüssigerdgas (LNG) verringern, das über das Everett-LNG-Importterminal der US-Energiefirma Constellation Energy in Massachusetts ankommt.
„Ich habe klar dargelegt, dass wir mehr Energieversorgung nach Massachusetts bringen müssen, und zwar mit einem umfassenden Ansatz, der Solarenergie, Windkraft, Speicher, Kernenergie, Geothermie, Wasserkraft und Gas einschließt", sagte Healey. Die Gouverneurin positioniert das Gasprojekt damit ausdrücklich als Teil eines breiteren Energiemixes und nicht als Ersatz für erneuerbare Energien.
Enbridge gab auf seiner Website an, dass es ein Inbetriebnahmejahr 2028 für das RARE-Projekt anstrebe. Die Erweiterung soll die Kapazität um etwa 75 Millionen Kubikfuß pro Tag erhöhen. Zum Vergleich: Algonquin transportiert derzeit täglich rund 3,1 Milliarden Kubikfuß (bcfd) Gas durch 1.131 Meilen (1.820 Kilometer) Rohrleitung in New Jersey, New York und Neuengland. Eine Milliarde Kubikfuß Gas können etwa 5 Millionen US-Haushalte einen Tag lang versorgen.
Genehmigungen und laufendes Verfahren
Bereits im Januar hatte das Massachusetts Department of Public Utilities (DPU) zwei zehnjährige Vereinbarungen zwischen Tochtergesellschaften des neuenglischen Energieunternehmens Eversource Energy und Algonquin genehmigt, um neue Gaslieferungen an Kunden bereitzustellen. Das RARE-Projekt unterliegt derzeit der föderalen Umweltprüfung durch die US-Bundesbehörde Federal Energy Regulatory Commission (FERC), wie die Gouverneurin mitteilte.
Für deutsche Anleger ist der Vorgang vor allem mit Blick auf die beiden beteiligten Konzerne interessant. Enbridge zählt zu den größten Pipeline-Betreibern Nordamerikas, während Constellation Energy mit seinem LNG-Importterminal in Massachusetts von einer möglichen Verdrängung teurerer Importe betroffen wäre. Der Ausgang der FERC-Prüfung dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob das Projekt den angestrebten Zeitplan bis 2028 einhalten kann.
Die Entwicklung illustriert zugleich einen breiteren Trend in der US-Energiepolitik: Regionen, die fossile Projekte lange blockierten, öffnen sich angesichts hoher Verbraucherpreise wieder für Gasinfrastruktur. Ob sich dieser Kurswechsel verstetigt, hängt nicht zuletzt von den regulatorischen Hürden auf Bundesebene ab.
