Umfrage: US-Veteranen unterstützen mehrheitlich Legalisierung von Marihuana
Eine IAVA-Umfrage unter 470 Veteranen zeigt breite Zustimmung zu Freizeit- und medizinischer Cannabisnutzung sowie zur Neuklassifizierung.

Eine deutliche Mehrheit der US-Militärveteranen befürwortet die Legalisierung von Marihuana – sowohl für den Freizeitkonsum als auch für medizinische Anwendungen. Das geht aus einer neuen Umfrage der Organisation Iraq and Afghanistan Veterans of America (IAVA) hervor. Die Erhebung unter 470 Mitgliedern zeigt eine breite Unterstützung für cannabisbezogene Reformen auf Bundesebene.
Konkret sprachen sich 61 Prozent der befragten Veteranen dafür aus, den Freizeitkonsum von Cannabis zu legalisieren. Noch deutlicher fiel die Zustimmung bei der medizinischen Nutzung aus: 87 Prozent möchten, dass Marihuana zu medizinischen Zwecken erlaubt wird. Die Umfrage liefert damit ein klares Stimmungsbild aus einer Wählergruppe, die in den USA traditionell hohes Ansehen genießt.
Aufschlussreich ist auch die Haltung der Veteranen zur laufenden Neuklassifizierung von medizinischem Marihuana. Fast drei Viertel der Befragten gaben an, über die bundesweite Umstufung von Schedule I in Schedule III des Controlled Substances Act (CSA) informiert zu sein. Insgesamt 69 Prozent unterstützen diese Reform. Der Wert deutet darauf hin, dass die Debatte um die Drogeneinstufung in der Veteranen-Community bereits angekommen ist.
Die Details
Besonders klar positionieren sich die Veteranen bei der Forschung. 91 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Cannabis hinsichtlich seines medizinischen Potenzials erforscht werden sollte. 88 Prozent wünschen sich, dass das Department of Veterans Affairs (VA) selbst Forschungen zu Marihuana als Behandlungsoption zulässt. Die Zustimmung zu wissenschaftlicher Untersuchung liegt damit noch über der Zustimmung zur Legalisierung selbst.
Deutlich zurückhaltender ist die Praxis: Zwar gaben 70 Prozent der Befragten an, sich wohl zu fühlen, wenn sie medizinisches Cannabis mit ihrem Hausarzt besprechen würden. Tatsächlich getan haben dies jedoch nur 29 Prozent. Diese Lücke zwischen Bereitschaft und tatsächlichem Gespräch dürfte ein zentraler Grund für die Einordnung der Organisation sein.
Die IAVA-Analyse der Umfragenergebnisse kommt zu dem Schluss, dass die Ergebnisse „ein konsistentes Muster“ zeigen. Demnach unterstützten „die Befragten Forschung und medizinische Anwendungen besonders“ und es bestehe „möglicherweise ein ungedeckter Bedarf an klareren Informationen, stärkeren Beweisen und angenehmeren Gesprächen mit Anbietern“.
Vor diesem Hintergrund richtet die Gruppe klare Forderungen an den Kongress. Sie rief die Abgeordneten dazu auf, sich auf die Verabschiedung von Gesetzen zu konzentrieren, die „eine Priorisierung erhöhter federaler Investitionen in rigorose, veteranenspezifische Forschung zur besseren Verständnis der Sicherheit, Wirksamkeit und potenziellen langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von cannabisbasierten Behandlungen“ zum Ziel haben. Die Forschung solle zudem die Beziehung zwischen dem Konsum von medizinischem Cannabis und der Abhängigkeit von anderen Substanzen untersuchen – „einschließlich verschreibungspflichtiger Opioide, Benzodiazepine und Alkohol“ – sowie „potenzielle Auswirkungen auf suizidgefährdende Risikofaktoren und die allgemeine Lebensqualität“.
Namentlich verwies IAVA auf einen spezifischen Gesetzentwurf: den VA Medicinal Cannabis Research Act. Dieser würde das VA anweisen, Studien über das therapeutische Potenzial von Marihuana für Militärveteranen mit bestimmten Erkrankungen durchzuführen. „IAVA unterstützt Bestrebungen, die Evidenzbasis durch Forschung zu stärken, die sowohl potenzielle therapeutische Vorteile als auch negative Folgen berücksichtigt“, so die Gruppe. Ziel sei, dass „Veteranen und ihre Gesundheitsdienstleister fundiertere Entscheidungen über verfügbare Behandlungsoptionen treffen können“.
Weitere von der Organisation hervorgehobene Gesetzentwürfe sind der Veterans Equal Access Act, der VA-Ärzten gestatten würde, ihren Patienten medizinische Cannabis-Empfehlungen auszustellen, sowie der Veterans Cannabis Use for Safe Healing Act. Letzterer würde Veteranen davor schützen, aufgrund des Konsums von medizinischem Marihuana von ihren Bundesleistungen ausgeschlossen zu werden. „IAVA unterstützt legislative Bemühungen, die transparente, evidenzinformierte Gespräche zwischen Veteranen und ihren Anbietern erleichtern, die Kontinuität der Versorgung schützen und sicherstellen, dass Veteranen nicht davon abgehalten werden, den Cannabiskonsum offenzulegen oder legal verfügbare Behandlungsoptionen zu erkunden“, sagte die Gruppe. Diese Bemühungen sollten „von der Entwicklung und Verbreitung von vom VA validierten, evidenzbasierten klinischen Ressourcen begleitet werden“, um Anbietern zu helfen, „die potenziellen Vorteile, Risiken, Arzneimittelwechselwirkungen und Einschränkungen von medizinischem Cannabis und anderen Cannabinoiden mit ihren Veteran-Patienten zu diskutieren“.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Umfrage fügt sich in eine Reihe von Entwicklungen ein, über die aktien.news bereits berichtet hat. Bereits am 10.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Abgeordneten Brian Mast (R-FL), Dave Joyce (R-OH) und Dina Titus (D-NV) im US-Kongress einen Änderungsantrag eingebracht hatten, der Militärveteranen den Zugang zu medizinischen Cannabis-Empfehlungen über ihre VA-Ärzte ermöglichen sollte. Ebenfalls Teil dieses Berichts: Eine Koalition aus 32 Kongressmitgliedern richtete einen Brief an die US-amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA mit der Forderung, die Zulassung psychedelischer Therapien voranzutreiben.
Am 18.05.2026 meldete aktien.news, dass das US-Repräsentantenhaus wichtige Gesetzesänderungen verabschiedet hatte, die den therapeutischen Zugang zu Cannabis und Psychedelika für Militärveteranen deutlich erweitern sollen. Der Bericht ordnete dies in einen breiteren Wandel der US-Drogenpolitik ein, zu dem auch die Neueinstufung von Marihuana in Schedule III sowie Maßnahmen der Trump-Regierung zur Beschleunigung der Psychedelika-Forschung gehören.
Am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass Militärveteranen im US-Bundesstaat Massachusetts künftig medizinisches Marihuana erhalten könnten, ohne zuvor eine ärztliche Empfehlung einholen zu müssen. Gouverneurin Maura Healey (Demokraten) hatte den Gesetzgebern einen ergänzenden Haushaltsrechnungsentwurf vorgelegt, der eine entsprechende Bestimmung enthält. Hintergrund ist, dass das VA seine Anbieter weiterhin daran hindert, Formulare für medizinische Marihuana-Empfehlungen auszufüllen.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass im US-Kongress überparteiliche Abgeordnete einen Gesetzentwurf eingebracht hatten, der das VA dazu verpflichten würde, Studien zum therapeutischen Potenzial von Marihuana bei Militärveteranen mit bestimmten Erkrankungen durchzuführen. Der Vorschlag wurde demnach von den Abgeordneten Lou Correa (D-CA) und Jack Bergman (R-MI) erneut eingereicht. Kern des Vorhabens ist die Erforschung der Auswirkungen von Cannabis auf Veteranen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und chronischen Schmerzen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Signale aus den USA vor allem als langfristige regulatorische Wegweiser relevant. Die Veteranen-Community gilt als politisch einflussreiche Gruppe, und ihre breite Zustimmung zur Legalisierung sowie zur Umsetzung von Schedule III stützt die Erwartung einer schrittweisen Annäherung der US-Drogenpolitik an medizinische Anwendungen. Allerdings handelt es sich bei der IAVA-Erhebung um eine Mitgliederbefragung mit 470 Teilnehmern – sie ist damit ein Stimmungsbild und keine repräsentative Wahlprognose.
Auffällig ist die Kluft zwischen Befürwortung und tatsächlicher Nutzung: Während 70 Prozent der Veteranen ein Gespräch über medizinisches Cannabis mit dem Hausarzt als angenehm empfinden würden, haben nur 29 Prozent ein solches Gespräch geführt. Für Unternehmen und Anbieter, die auf den medizinischen Markt setzen, bedeutet das, dass regulatorische Freiräume allein nicht ausreichen – es fehlt an klinischen Leitlinien und an der Bereitschaft von Ärzten, das Thema aktiv anzusprechen. Die Forderung nach „vom VA validierten, evidenzbasierten klinischen Ressourcen“ zielt genau auf diese Lücke.
Die von IAVA unterstützten Gesetzentwürfe betreffen unmittelbar die Rolle des VA als Leistungsträger und Empfehlungsgeber. Sollte sich die Linie durchsetzen, könnte dies die Nachfrage nach medizinischen Cannabisprodukten in einem bislang stark regulierten Kundensegment erhöhen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die Organisation hat den Kongress in ihrer Stellungnahme ausdrücklich dazu aufgerufen, sich auf die Verabschiedung von Gesetzen zu konzentrieren, die erhöhte föderale Investitionen in veteranenspezifische Forschung priorisieren. Im Zentrum stehen dabei der VA Medicinal Cannabis Research Act, der Veterans Equal Access Act und der Veterans Cannabis Use for Safe Healing Act. Konkrete Termine für Abstimmungen oder Anhörungen nennt die Quelle nicht.
Klar ist aus Sicht der Organisation nur die Richtung: Weitere gesetzgeberische Bemühungen sollen transparente, evidenzinformierte Gespräche zwischen Veteranen und ihren Anbietern erleichtern, die Kontinuität der Versorgung schützen und sicherstellen, dass Veteranen den Cannabiskonsum offenlegen und legal verfügbare Behandlungsoptionen erkunden können. Begleitet werden sollen diese Schritte ausdrücklich durch klinische Ressourcen, die das VA validiert.
Kurz erklärt
- Schedule I: strengste Einstufung des US-amerikanischen Betäubungsmittelrechts für Substanzen ohne anerkannten medizinischen Nutzen und hohem Missbrauchspotenzial.
- Schedule III: weniger restriktive Einstufung für Substanzen mit anerkanntem medizinischem Nutzen und moderatem Missbrauchspotenzial.
- Controlled Substances Act: das US-Bundesgesetz, das die Einstufung und Kontrolle von Betäubungsmitteln regelt.
- IAVA: Interessenvertretung von Veteranen der Kriege im Irak und in Afghanistan.
- VA: das US-Veteranenministerium, das Gesundheitsleistungen für Militärveteranen bereitstellt.
