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EZB-Chefvolkswirt Lane warnt vor längerer Inflation durch Energieschock

EZB-Chefvolkswirt rechnet mit länger anhaltender Teuerung durch neue Energiepreiswelle

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EZB-Chefvolkswirt Lane warnt vor längerer Inflation durch Energieschock

Die Europäische Zentralbank muss ihre Inflationsprognosen nach oben korrigieren. Grund ist ein neuer Energieschock, der die Teuerung im Euroraum länger auf hohem Niveau halten wird als bislang angenommen. Das erklärte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane in einem Interview mit der Schweizer Zeitung Le Temps.

„Wir sind derzeit Zeuge einer zweiten Preiserwelle, die nicht nur Öl, sondern auch Gas betrifft“, sagte Lane dem Blatt in einem am Dienstag veröffentlichten Gespräch. Die Aussage ist bemerkenswert, denn sie signalisiert, dass die Währungshüter selbst mit einer längeren Phase erhöhter Inflation rechnen, als noch in ihren offiziellen Projektionen abgebildet.

Längerer Inflationsdruck als erwartet

Die Kernaussage von Lane ist eindeutig: Die zweite Welle steigender Energiepreise werde zu einer höheren und beständigeren Inflation führen. Erst ab Mitte 2027, so der Chefvolkswirt, könnten sich die Preise wieder dem EZB-Ziel von zwei Prozent annähern. Das ist ein deutlich späterer Zeitpunkt als von vielen Marktteilnehmern bislang erwartet.

Für deutsche Anleger und Sparer bedeutet dies, dass die Geldpolitik der EZB voraussichtlich länger restriktiv bleiben wird. Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen dürfte sich damit zumindest vorerst zerschlagen. Die Inflation frisst weiterhin Kaufkraft, und die EZB sieht sich gezwungen, dagegenzuhalten.

Energiepreise als Treiber

Anders als in der ersten Inflationswelle, die vor allem durch die Folgen des Ukraine-Kriegs und Lieferkettenprobleme ausgelöst wurde, handelt es sich diesmal um einen breiter angelegten Preisschub. Lane spricht explizit von Öl und Gas als Treiber. Beide Energieträger sind für die europäische Wirtschaft von zentraler Bedeutung.

Die gestiegenen Energiepreise wirken sich auf nahezu alle Wirtschaftsbereiche aus – von der Produktion über den Transport bis hin zu den Heizkosten der privaten Haushalte. Unternehmen geben die höheren Kosten in der Regel an ihre Kunden weiter, was die Inflation zusätzlich anheizt.

Ausblick bis Mitte 2027

Der Zeithorizont, den Lane nennt, ist für die Finanzmärkte von großer Bedeutung. Bis Mitte 2027 werde es dauern, bis die Inflationsrate wieder in die Nähe des EZB-Ziels von zwei Prozent komme. Das ist ein langer Atem, den die Notenbank wird beweisen müssen.

Für Anleger bedeutet dies: Die Phase hoher Inflation und damit einhergehend hoher Zinsen wird den Markt noch über Jahre begleiten. Anleihen mit kurzen Laufzeiten könnten in diesem Umfeld attraktiv bleiben, während langlaufende Papiere weiter unter Druck stehen dürften. Auch Aktien aus Sektoren, die von steigenden Energiepreisen besonders betroffen sind, könnten unter Druck bleiben.

Die EZB steht vor der Herausforderung, die Inflation zu bekämpfen, ohne die ohnehin schwächelnde Konjunktur im Euroraum übermäßig abzuwürgen. Lanes Aussagen deuten darauf hin, dass die Notenbank bereit ist, diesen Spagat über einen längeren Zeitraum durchzustehen.

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