Türkische Zentralbank: Disinflation setzt sich trotz Angebotsschocks fort
Notenbankchef Karahan zeigt sich in New York vorsichtig zuversichtlich zur Inflationsentwicklung.

Der Gouverneur der türkischen Zentralbank, Fatih Karahan, hat am Dienstag in New York eine vorsichtig zuversichtliche Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage der Türkei abgegeben. Aktuelle Daten deuteten darauf hin, dass der Disinflationsprozess trotz zunehmender Schwierigkeiten bei den Angebotsbedingungen weiter anhalte, so Karahan.
Der Notenbankchef räumte ein, dass Angebotsschocks einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtinflation hätten. Besonders die Inflation im Dienstleistungssektor bleibe weiterhin hartnäckig. Dennoch habe sich der zugrunde liegende Inflationstrend in jüngster Zeit verlangsamt. Angesichts dieser Gemengelage mahnte Karahan, dass die Inflationserwartungen weiterhin mit Vorsicht zu betrachten seien.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung stellte der Gouverneur fest, dass sich das Wachstum aufgrund einer schwächeren Binnennachfrage verlangsamt habe. Hochfrequenzindikatoren deuteten darauf hin, dass sich diese Mäßigung der Nachfrage auch im dritten Quartal fortsetzen werde. Für die künftige Entwicklung der Teuerungsrate seien insbesondere externe Schocks sowie die inländischen Transmissionskanäle entscheidend.
Die Details
Fatih Karahan äußerte sich am Dienstag in New York vor internationalen Investoren und Analysten zur aktuellen wirtschaftlichen Lage der Türkei. Im Zentrum seiner Ausführungen stand die Entwicklung der Inflation. Der Gouverneur betonte, dass die Angebotsbedingungen zunehmend schwieriger würden und diese Angebotsschocks einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtinflation hätten.
Ein besonderes Problem bleibe die Inflation im Dienstleistungssektor, die sich als hartnäckig erweise. Positiv wertete Karahan hingegen, dass sich der zugrunde liegende Inflationstrend in jüngster Zeit verlangsamt habe. Die Inflationserwartungen müssten jedoch weiterhin mit Vorsicht betrachtet werden.
Zur konjunkturellen Entwicklung erklärte der Gouverneur, dass sich das Wachstum aufgrund einer schwächeren Binnennachfrage verlangsamt habe. Hochfrequenzindikatoren würden darauf hindeuten, dass sich diese Mäßigung der Nachfrage auch im dritten Quartal fortsetzen werde. Als entscheidende Faktoren für die künftige Entwicklung der Teuerungsrate nannte Karahan externe Schocks sowie die inländischen Transmissionskanäle.
Abschließend unterstrich der Gouverneur die Stabilität des Finanzsystems. Die internationalen Reservepuffer der Zentralbank blieben nach seinen Angaben weiterhin stark.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 22. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass die türkische Zentralbank ihren Leitzins von 38 auf 37 Prozent gesenkt hatte. Damals hieß es, der zugrunde liegende Inflationstrend sei im Dezember zurückgegangen, während Frühindikatoren auf eine Festigung der monatlichen Verbraucherinflation im Januar hindeuteten.
Am 28. Februar 2026 thematisierte aktien.news den beispiellosen Goldboom in der Türkei, der die Inflationsbekämpfung der Notenbank massiv erschwere. Der Wert türkischer Privathaushalte hatte sich durch den globalen Goldpreisanstieg im vergangenen Jahr um geschätzte 300 Milliarden Dollar erhöht. Der Gesamtwert des türkischen Goldbestands überstieg damals 750 Milliarden Dollar – fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts von 1,57 Billionen Dollar.
Am 3. März 2026 berichtete aktien.news über die monatliche Inflationsrate von nahe 3 Prozent, die die Zentralbank unter Druck setzte. Die anhaltend hohe monatliche Teuerungsrate erschwere es der Zentralbank erheblich, ihren Zinssenkungskurs fortzusetzen, hieß es damals.
Am 13. Juli 2026 prognostizierte JPMorgan in einem Bericht von Ökonom Fatih Akcelik eine türkische Inflation von 29 Prozent bis Ende 2026. Die US-Großbank sprach sich für maßvolle Zinssenkungen und die Beibehaltung hoher Realzinsen aus, um die Inflationsbekämpfung nicht zu gefährden.
Was das für Anleger bedeutet
Die Aussagen von Gouverneur Karahan signalisieren, dass die türkische Zentralbank weiterhin auf ihrem straffen geldpolitischen Kurs bleibt. Die Betonung der anhaltenden Schwierigkeiten bei den Angebotsbedingungen und der hartnäckigen Inflation im Dienstleistungssektor deutet darauf hin, dass die Währungshüter keine übereilten Zinssenkungen planen.
Für deutsche Privatanleger, die in türkische Anleihen oder Aktien investiert sind, bedeutet dies ein Umfeld anhaltender Unsicherheit. Die schwächere Binnennachfrage und die sich abschwächende Konjunktur könnten die Gewinnaussichten türkischer Unternehmen belasten. Gleichzeitig bieten die starken internationalen Reservepuffer der Zentralbank eine gewisse Stabilität für das Finanzsystem.
Die Prognose von JPMorgan, die die Inflation bis Ende 2026 bei 29 Prozent sieht, unterstreicht, dass der Disinflationsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Anleger sollten die monatlichen Inflationsdaten des türkischen Statistikamts TÜIK sowie die Zinsentscheidungen der Zentralbank genau im Auge behalten.
Ausblick
Die weitere Entwicklung der Teuerungsrate wird nach Einschätzung von Gouverneur Karahan maßgeblich von externen Schocks sowie den inländischen Transmissionskanälen abhängen. Hochfrequenzindikatoren deuten darauf hin, dass sich die Mäßigung der Nachfrage auch im dritten Quartal fortsetzen wird. Die Zentralbank wird ihre Geldpolitik weiterhin an den Inflationsdaten ausrichten müssen, wobei JPMorgan für Ende 2026 eine Inflation von 29 Prozent prognostiziert.
Kurz erklärt
- Disinflation: Ein Prozess, bei dem die Inflationsrate zurückgeht, die Preise aber weiterhin steigen – nur langsamer als zuvor.
- Angebotsschocks: Plötzliche Ereignisse, die das Angebot an Gütern und Dienstleistungen beeinträchtigen und dadurch Preise und Produktion verändern können.
- Transmissionskanäle: Die Wege, über die geldpolitische Entscheidungen der Zentralbank auf die reale Wirtschaft und die Inflation wirken.
