Ölpreise fallen weiter: Hoffnung auf Iran-Diplomatie und mehr Angebot
Brent und WTI auf Zweiwochentief – diplomatische Signale und steigende US-Lagerbestände belasten.

Die Ölpreise setzen ihren Abwärtstrend fort und verzeichneten am Mittwoch den sechsten Handelstag in Folge Verluste. Sowohl die Sorte Brent als auch West Texas Intermediate (WTI) fielen auf den tiefsten Stand seit rund zwei Wochen. Brent-Futures notierten zuletzt bei 98,16 US-Dollar, während WTI auf 89,01 US-Dollar nachgab. Bereits am Dienstag war der Brent-Preis erstmals seit dem 8. September unter die Marke von 100 US-Dollar gefallen.
Der Preisrückgang wird maßgeblich durch zwei Faktoren getrieben: die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des US-Iran-Konflikts sowie eine Entspannung bei den globalen Lieferketten. US-Präsident Donald Trump äußerte sich zwar gewohnt scharf und drohte mit der „Vernichtung“ Irans, betonte jedoch gleichzeitig, dass seine Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner „sehr gute“ und produktive Gespräche mit iranischen Vertretern in New York geführt hätten. Diese erste direkte Kontaktaufnahme seit Juni schürt bei Marktteilnehmern die Hoffnung auf ein Ende der siebenmonatigen Auseinandersetzung.
Berichten zufolge signalisierte Teheran Gesprächsbereitschaft zur Wiederöffnung der Straße von Hormus, sofern die USA den militärischen Druck verringern und die Blockade iranischer Häfen aufheben. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten für den globalen Öltransport.
Positive Signale aus Saudi-Arabien und dem Irak
Parallel dazu verbessert sich die Versorgungslage im Nahen Osten. Saudi-Arabien hat den Betrieb seiner strategisch wichtigen Ost-West-Pipeline zum Roten Meer wieder aufgenommen. Die Pipeline war nach einem Drohnenangriff am 11. September vorübergehend stillgelegt worden. Obwohl die Rückkehr zur vollen Kapazität aufgrund notwendiger Reparaturen an Pumpstationen noch sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen könnte, wertet der Markt die Wiederinbetriebnahme als positives Signal.
Über diese Route kann Saudi-Arabien rund 4 Millionen Barrel pro Tag unter Umgehung der Straße von Hormus zum Hafen Yanbu transportieren. Zudem bietet das Königreich asiatischen Raffinerien vermehrt Rohöl an, das außerhalb der kritischen Meerenge verladen wird.
Auch der Irak trägt zur Entspannung bei: Ölminister Basim Mohammed kündigte an, die Exporte steigern zu wollen. Während offizielle Daten von Schiffsverfolgern wie Vortexa und Kpler für August noch unter den Werten vor Kriegsbeginn lagen, plant Bagdad nun, die Exporte über die Türkei auf über 600.000 Barrel pro Tag auszuweiten.
US-Lagerbestände überraschen positiv
Zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Preise übten unerwartete US-Lagerbestandsdaten aus. Branchenberichte zeigten einen Anstieg der US-Rohölvorräte um 1,8 Millionen Barrel in der Woche zum 18. September, während Analysten im Vorfeld mit einem Rückgang gerechnet hatten.
Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade, fasste die Stimmung zusammen: „Der Markt bewertet die globale Ölversorgungslage derzeit konstruktiver als noch vor wenigen Wochen.“ Trotz der anhaltend harten Rhetorik entscheide sich der Markt, die Möglichkeit diplomatischer Fortschritte in die Preise einzupreisen.
Für Anleger bleibt die Lage an den Ölmärkten damit weiterhin von geopolitischen Risiken und Angebotsfaktoren geprägt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die diplomatischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran tatsächlich zu einer Entspannung führen und ob Saudi-Arabien seine Pipeline-Reparaturen wie geplant abschließen kann.
