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Brasilien senkt Wachstumsprognosen: Wirtschaftsausblick bleibt verhalten

Finanzministerium senkt BIP-Prognose für 2026 von 2,3 auf 2,0 Prozent

2 Min
Brasilien senkt Wachstumsprognosen: Wirtschaftsausblick bleibt verhalten

Das brasilianische Finanzministerium hat seine Konjunkturprognosen für das laufende und das kommende Jahr nach unten korrigiert. Wie das Wirtschaftssekretariat am Dienstag mitteilte, wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2026 nun auf 2,0 Prozent geschätzt – nachdem die Behörde im Juli noch von 2,3 Prozent ausgegangen war. Auch für das Jahr 2027 senkte das Ministerium die Erwartung von 2,5 auf 2,3 Prozent.

Zur Begründung führte das Ministerium an, dass die positiven Impulse aus dem Agrarsektor nicht ausreichen, um die schwächeren Erwartungen in den Bereichen Dienstleistungen und Industrieproduktion auszugleichen. Die Abwärtskorrektur für das kommende Jahr spiegelt zudem einen vorsichtigeren Zyklus der geldpolitischen Lockerung wider, der einen Teil der wirtschaftlichen Erholung in spätere Jahre verschiebt. Für den Zeitraum zwischen 2028 und 2030 prognostiziert das Ministerium ein durchschnittliches Wachstum von 2,6 Prozent.

Geldpolitik bleibt restriktiv

Die brasilianische Zentralbank hatte im März mit einem vorsichtigen Lockerungszyklus begonnen und den Leitzins seither um insgesamt 125 Basispunkte auf 13,75 Prozent gesenkt. Dennoch verbleiben die Realzinsen im internationalen Vergleich auf einem hohen Niveau. Die Währungshüter verfolgen das Ziel, die jährliche Inflation, die derzeit bei etwa 4,2 Prozent liegt, wieder in Richtung des offiziellen Ziels von drei Prozent zu führen.

Auch bei der Inflationsprognose nahm das Ministerium Anpassungen vor: Die Schätzung für das laufende Jahr wurde von 5,1 auf 4,9 Prozent gesenkt. Für das nächste Jahr hob die Behörde die Prognose hingegen von 3,6 auf 3,8 Prozent an. Laut Angaben des Ministeriums ist dies auf die Auswirkungen des El-Niño-Wetterphänomens auf die kommende Ernte zurückzuführen.

Markterwartungen bleiben pessimistischer

Trotz der Herabstufungen bleiben die offiziellen Wachstumsprognosen der Regierung optimistischer als die Einschätzungen des Marktes. Laut einer wöchentlichen Umfrage der Zentralbank unter mehr als 100 Ökonomen wird für das laufende Jahr lediglich ein Wachstum von knapp unter 1,9 Prozent erwartet. Für das kommende Jahr rechnen die Marktteilnehmer mit einer weiteren Abschwächung auf etwas mehr als 1,4 Prozent.

Die aktualisierten Prognosen bilden die Grundlage für den Bericht zu den jährlichen Einnahmen und Ausgaben der Regierung, der im Laufe dieser Woche erwartet wird. Für Anleger und Marktbeobachter bleibt Brasilien damit ein volatiles Umfeld: Hohe Zinsen, eine schleppende Industrieproduktion und die Folgen von Wetterextremen belasten die Konjunkturaussichten der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas.

Die Entwicklung ist auch für deutsche Unternehmen von Bedeutung, die in Brasilien engagiert sind. Die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt ist ein wichtiger Handelspartner und Standort für zahlreiche deutsche Industrie- und Automobilkonzerne. Ein schwächeres Wachstum und eine restriktive Geldpolitik dämpfen die Nachfrage nach Investitionsgütern und Konsumprodukten gleichermaßen.

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