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Spritpreise in Europa: Warum Deutchland teurer als Polen und Schweden ist

Hohe Spritpreise in Deutschland im EU-Vergleich: Steurn, Marktversagen und politische Reaktionen

3 Min
Spritpreise in Europa: Warum Deutchland teurer als Polen und Schweden ist

Die Debatte um hohe Spritpreise in Deutschland erreicht eine neue Eskalationsstufe. Während die Preise an den Tankstellen hierzulande auf Rekordniveau klettern, zeigt der Blick ins europäische Ausland eklatante Unterschiede. Besonders der Vergleich mit Polen und Schweden sorgt bei Autofahrern für Frust – und bei Politikern für Forderungen nach Steuersenkungen.

Deutschland gehört im EU-weiten Vergleich zu den Ländern mit den höchsten Benzinpreisen. In der Woche vom 3. bis 10. September kostete ein Liter Super-Benzin hierzulande durchschnittlich 2,33 Euro. Teurer war es nur in Dänemark (2,63 Euro) und den Niederlanden (2,47 Euro). Besonders günstig tanken Autofahrer hingegen in Malta (1,34 Euro), Bulgarien (1,57 Euro) und Schweden (1,59 Euro).

Die Gründe für die Preisunterschiede sind vielfältig, wie ein Blick in das „Oil Bulletin“ der Europäischen Kommission zeigt. Den größten Einflussfaktor bilden die Steuern und Abgaben. In Deutschland sind auf einen Liter Super-Benzin rund 1,17 Euro an Steuern fällig – das entspricht einem Anteil von rund 50 Prozent am Gesamtpreis. Höhere Abgaben verlangen nur Finnland (1,19 Euro), die Niederlande (1,24 Euro) und Dänemark (1,28 Euro).

Die wahre Steuerlast im EU-Vergleich

Um die Steuerbelastung fair zu vergleichen, lohnt eine relative Betrachtung. Auch hier schneiden deutsche Autofahrer nur mittelmäßig ab: Sechs EU-Länder erheben einen noch höheren Steueranteil am Benzinpreis, Spitzenreiter ist Malta mit 56 Prozent. Deutlich niedriger liegen Bulgarien (40 Prozent), Spanien (41 Prozent) und Polen (42 Prozent). Mit Abstand am günstigsten fahren die Autofahrer in Schweden: Lediglich 29 Prozent Steuern sind dort im Literpreis enthalten.

Diese Zahlen zeigen, dass die Steuerlast einen erheblichen Teil der Preisunterschiede erklärt. Allerdings sind die Steuern nicht allein verantwortlich. Selbst ohne Berücksichtigung der Abgaben variieren die Preise massiv: In Malta kostet ein Liter ohne Steuern nur 59 Cent, in Deutschland 1,16 Euro, in Dänemark 1,39 Euro. Die Unterschiede sind also auch steuerunabhängig beträchtlich.

Warum Sprit auch ohne Steuern teurer ist

Der europäische Kraftstoffmarkt ist nicht homogen. Experten unterscheiden mindestens drei relevante Preisräume: Nordwesteuropa, den Mittelmeerraum und den Ostseeraum. Deutschland gehört gemeinsam mit den Niederlanden und Belgien zum teuersten Teilmarkt. Diese Länder orientieren sich stark an den Rotterdamer Notierungen, während sich Italien und Spanien eher am Mittelmeerraum orientieren, wie Tomaso Duso, Ölmarktforscher am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), erläutert.

In Antwerpen und Rotterdam wird zudem viel Öl umgeschlagen, das für andere Weltregionen bestimmt ist. Dies hat zur Folge, dass die Preise in dieser Region stärker globalen Spitzen folgen – und die Verbraucher entsprechend mehr bezahlen müssen.

Ein weiterer Kostentreiber ist die Niedrigwasser-Situation am Rhein. Der Transport auf dem Wasserweg verteuert sich erheblich, was sich direkt auf die Spritpreise auswirkt. Auch die Distanz zur nächsten Raffenerie spielt eine Rolle: Je aufwändiger der Transport, desto teurer der Spritt.

Marktversagen und Kartellamtsermittlungen

DIW-Ökonom Duso erkennt in den Preisunterschieden zudem Anzeichen für Marktversagen. „Kostensteigerungen werden schneller weitergegeben als Kostensenkungen“, erklärt er. Dieses Phänomen sei europaweit zu beobachten, in Deutschland sei es aber besonders ausgeprägt.

Das Bundeskartellamt hat deshalb bereits im Frühjahr Ermittlungen gegen die zwölf Raffinerien in Deutschland eingeleitet, so der Artikel. Sie sollen ihre Kalkulationsgrundlagen für Kraftsstoffpreise offenlegen. Mehrere Raffinerien haben jedoch Einsprüche gegen die Offenlegung eingelegt.

Politische Reaktionen und Ausblick

Die hohen Preise haben nun auch die Bundespolitik erreicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte mit Verweis auf die höchsten steuerlichen Belastungen in Europa Steuersenkungn. „Deswegen haben wir eigentlich auch den Spielraum, dort einen Ausgleich vorzunehmen. Wie, muss die Regierung überlegen“, so Söder.

Und auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte Handlungsbereitschaft. „Für viele Menschen, die täglich das Auto brauchen, ist eine Belastungsgrenze erreicht“, sagte Merz bei einer Veranstaltung des Außenhandelsverbands BGA. „Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen.“ Das genaue Instrumentarium stehe noch nicht fest, aber: „Sie können aber davon ausgehen, dass wir sehr bald einen Vorschlag dazu vorlegen werden.“

Bis dahin dürfte der Tankfrust anhalten. Die Ausweichoptionen für deutsche Autofahrer werden zudem knapper: Nach dem Ende der Sonderförderung in Polen läuft auch in Schweden die radikale Senkung der Kraftstoffsteuer Ende September aus. Die Zeiten günstigen Tankens im nahen Ausland könnten sich damit vorerst erledigen – und der Blick auf die heimischen Preise bleibt für viele Autofahrer schmerzhaft.

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