Rentner machen diesen Fehler bei ihrer Sparstrategie
Vanguard-Studie zeigt: Viele Ruheständler greifen zu spät auf Erspartes zurück.

Viele Ruheständler in den USA begehen einen systematischen Fehler bei der Verwaltung ihrer Altersvorsorge: Sie greifen jahrelang nicht auf ihre Ersparnisse zu und schränken sich im Lebensstandard unnötig ein. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht von Vanguard, einem der größten Verwalter von Ruhestands-Konten weltweit.
Laut der Studie greifen Rentner ein Jahrzehnt oder länger nicht auf ihre IRAs und 401(k)-Konten zurück und entnehmen diesen nur sparsam Geld. Dies führt dazu, dass sich Menschen in den frühen Jahren des Ruhestands bei ihren Budgets einschränken und am Ende sogar mehr Vermögen hinterlassen als sie zu Beginn des Ruhestands besaßen.
Die richtige Reihenfolge der Ausgaben
Im Idealfall stehen Ruheständlern verschiedene „Gelder“ zur Verfügung, aus denen sie schöpfen können – etwa vorsteuerliche Konten, Roth-Konten, Bargeld und Sozialversicherungsleistungen (Social Security). Dies hilft dabei, die Einkommensquellen zu diversifizieren und die Steuerlast besser zu steuern.
Die Reihenfolge der Ausgaben hat dabei erhebliche Auswirkungen auf die Steuersituation – und den Lebensgenuss im Ruhestand. Wer strategisch vorgeht, kann seine Steuerlast minimieren und gleichzeitig mehr finanziellen Spielraum für Reisen, Hobbys oder andere Aktivitäten gewinnen.
Viele Ruheständler verhalten sich jedoch zu vorsichtig. Statt ihre angesparten Vermögen gezielt zu verbrauchen, lassen sie diese unangetastet und leben von einem geringeren Budget als nötig. Die Folge: Sie hinterlassen am Ende mehr Vermögen, als sie zu Beginn des Ruhestands besaßen – ein Paradox, das auf eine suboptimale Planung hindeutet.
Hintergrund für deutsche Leser
Auch wenn die Studie von Vanguard speziell das US-amerikanische System mit IRAs und 401(k)-Plänen sowie der Social Security betrachtet, ist das Problem auch für deutsche Anleger relevant. In Deutschland stehen Ruheständlern ähnliche Einkommensquellen zur Verfügung: die gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge, private Rentenversicherungen sowie Kapitalanlagen in Aktien, ETFs oder Immobilien.
Auch hierzulande neigen viele Rentner dazu, ihr angespartes Vermögen möglichst zu schonen und stattdessen von der gesetzlichen Rente zu leben. Dabei übersehen sie oft, dass ein gezielter Verzehr des Vermögens in den ersten Jahren des Ruhestands den Lebensstandard deutlich erhöhen kann – ohne dass am Ende eine Altersarmut droht.
Strategische Entnahmeplanung
Eine durchdachte Entnahmestrategie berücksichtigt verschiedene Aspekte: die steuerliche Behandlung der einzelnen Konten, die persönliche Lebenserwartung, die Entwicklung der Kapitalmärkte und die individuelle Risikobereitschaft. Wer frühzeitig plant und regelmäßig überprüft, kann Fehler vermeiden und den Ruhestand finanziell sorgenfreier genießen.
Der Vanguard-Bericht zeigt, dass viele Ruheständler ihre finanzielle Situation falsch einschätzen. Statt sich unnötig einzuschränken, sollten sie ihre Ersparnisse gezielt und planvoll einsetzen – immer mit Blick auf die steuerlichen Konsequenzen und die langfristige Sicherung des Lebensstandards.
