Steigende Anleiherenditen: Wann kippt der Aktienmarkt?
Bislang schützt starkes Gewinnwachstum die Börse vor steigenden Renditen – doch die Gefahr wächst.

Die Renditen für US-Staatsanleihen ziehen an, doch die Aktienmärkte zeigen sich bislang unbeeindruckt. Diese scheinbare Sorglosigkeit verunsichert Anleger zunehmend. Viele fragen sich, wie hoch die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe steigen muss, bevor der Aktienmarkt schließlich nachgibt.
Doch eine magische Zahl, ab der es kippt, gibt es vermutlich nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob die steigenden Zinsen beginnen, die beiden Kräfte zu überlagern, die den Aktienmarkt bisher geschützt haben: das starke Gewinnwachstum der Unternehmen und die niedrige Volatilität am Anleihemarkt.
Das schützende Fundament bröckelt
Bislang hat das kräftige Gewinnwachstum die Aktienkurse gestützt und die negativen Effekte der höheren Anleiherenditen mehr als ausgeglichen. Solange die Unternehmensgewinne weiter steigen, bleiben Aktien für Anleger attraktiv – selbst wenn die Renditen von Staatsanleihen ebenfalls zulegen.
Doch dieser Schutzmechanismus könnte brüchig werden. Sollten die Anleiherenditen weiter ansteigen, drohen sie langfristig ihre Spuren zu hinterlassen. Die entscheidende Frage ist, ab wann die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe so hoch liegt, dass sie die positive Wirkung des Gewinnwachstums neutralisiert.
Kein einfacher Schwellenwert
Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Experten betonen, dass es keinen festen Schwellenwert gibt, ab dem der Aktienmarkt zwangsläufig einbricht. Die Dynamik ist komplexer. Neben der absoluten Höhe der Renditen spielt auch die Geschwindigkeit des Renditeanstiegs eine Rolle.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Volatilität am Anleihemarkt. Bislang war diese niedrig, was den Aktienmarkt zusätzlich stützte. Sollte jedoch die Volatilität zunehmen, könnte dies die Unsicherheit an den Märkten verstärken und die Aktienkurse belasten.
Ausblick für Anleger
Für Anleger bedeutet dies, dass sie die Entwicklung am Anleihemarkt genau im Auge behalten sollten. Nicht nur die absolute Höhe der Renditen ist relevant, sondern auch die Frage, ob das Gewinnwachstum der Unternehmen weiterhin stark genug bleibt, um die steigenden Zinsen zu kompensieren.
Sollte sich das Gewinnwachstum abschwächen oder die Volatilität am Anleihemarkt zunehmen, könnte dies der Wendepunkt sein. Bis dahin bleibt die Lage angespannt – und die Frage, wann der Aktienmarkt auf die steigenden Renditen reagiert, unbeantwortet.
