DAX vor Fed-Entscheidung: Leichte Erholung zum Handelsstart erwartet
Vor dem US-Zinsentscheid zeigt sich der DAX stabil – der Broker IG taxiert den Leitindex 0,2 Prozent höher.

Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich vor dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) leicht erholt. Der Broker IG erwartet den DAX zum Handelsstart 0,2 Prozent höher bei knapp 25.445 Punkten. Damit setzt sich die Stabilisierung fort, nachdem der Leitindex am Dienstag die Verluste vom Wochenbeginn teilweise wettgemacht hatte.
"Der DAX hat gestern eine erstaunliche Wende vollzogen: Schnäppchenjäger sind vor der Sitzung der amerikanischen Notenbank offenbar wieder bereit, einzusteigen", kommentiert Jochen Stanzl, Analyst bei der Consorsbank. "Viele setzen wohl darauf, dass ein möglicher neuer Preisdeckel für Energie und die Zinsentscheidung die Ruhe zurück auf das Parkett bringen werden."
Entspannung bei den Ölpreisen stützt die Kurse
Eine leichte Entspannung bei den Ölpreisen gibt den Anlegern zusätzlich Rückenwind – auch wenn eine Lösung der Konflikte im Nahen Osten weiterhin ausbleibt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich am Morgen um 0,6 Prozent auf 108,14 Dollar. Das US-Öl WTI notierte 0,9 Prozent schwächer bei 104,85 Dollar. Am Dienstag waren die Preise noch um fast drei Prozent gestiegen.
Für weitere Beruhigung sorgt die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, angesichts der hohen Spritpreise für Entlastungen zu sorgen. Das "genaue Instrumentarium" stehe allerdings noch nicht fest. Diskutiert werden derzeit ein Preisdeckel, eine Übergewinnsteuer, ein sogenannter Direktauszahlungsmechanismus oder ein erneuter Tankrabatt.
Fed-Sitzung im Fokus der Anleger
Die Gewinne an der Börse dürften jedoch vor den Ergebnissen der Fed-Sitzung begrenzt bleiben. Angesichts eines robusten Arbeitsmarktes und der durch den Krieg im Nahen Osten angeheizten Inflation rechnen Investoren fest mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Das FedWatch-Tool der CME Group beziffert die Wahrscheinlichkeit dafür auf 92,4 Prozent.
Auf seiner dritten Zinssitzung könnte der neue Vorsitzende Kevin Warsh erstmals die Leitzinsen anheben. "Ob Kevin Warsh unbehelligt oder mit verbalen Blessuren vom Weißen Haus aus der Pressekonferenz heraustreten wird, das ist die eigentlich spannende Frage", heißt es in einem Kommentar der NordLB. US-Präsident Donald Trump setzt sich seit langem für Leitzinssenkungen ein.
Höhere Zinsen belasten tendenziell den Aktienmarkt und dämpfen die Konjunktur. Es wäre die erste Anhebung in den USA seit mehr als drei Jahren. Im Vorfeld kletterte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen über die Marke von fünf Prozent und erreichte den höchsten Stand seit 2007.
US-Börsen geben nach – Asien uneinheitlich
Die New Yorker Aktienmärkte zeigten sich am Dienstag bereits schwächer. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 52.093 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 verlor 0,4 Prozent auf 7.586 Zähler, und der technologielastige Nasdaq gab 0,8 Prozent auf 25.982 Stellen nach.
Auch in Asien hielten sich die Anleger zurück. Die Märkte zeigten sich uneinheitlich, nachdem sie vier Tage in Folge nachgegeben hatten. Der Nikkei-Index in Tokio gab 0,1 Prozent nach, die Börse in Shanghai verlor ebenfalls 0,1 Prozent. Dagegen legte die Börse in Südkorea um 0,8 Prozent zu.
Bitcoin unter Druck – Rückschlag für Krypto-Regulierung
Der Bitcoin geriet unter Druck. Steigende Renditen für US-Staatsanleihen und eine für die Branche negative Entscheidung des US-Senats belasteten die Digitalwährung. Der Kurs fiel am Abend um bis zu fünf Prozent auf weniger als 75.000 Dollar – den tiefsten Stand seit dem 21. August. Zuletzt konnte sich der Kurs etwas erholen, lag mit rund 75.600 Dollar aber weiterhin deutlich unter dem Niveau vom Montagabend.
US-Präsident Donald Trump und seine Republikaner erlitten im Kongress eine empfindliche Niederlage. Der Senat blockierte ein umfassendes Gesetz zur Regulierung von Kryptowährungen. Das Vorhaben liegt damit faktisch auf Eis. Das Gesetz sollte einen rechtlichen Rahmen für digitale Vermögenswerte schaffen.
Audi-Chef kündigt Neuaufstellung an
Audi-Chef Gernot Döllner will den Ingolstädter Autobauer angesichts der Branchenkrise und des Spardrucks im Volkswagen-Konzern intern neu aufstellen. "Wir werden kompaktere Organisationen brauchen, schnellere Prozesse und schnellere Entscheidungen", sagte der Manager der Augsburger Allgemeinen. Mit Sparen allein lasse sich die Zukunft nicht gestalten. "Wir erleben eine grundlegende Disruption unserer Industrie", fügte er hinzu. Audi befinde sich in einer Phase, in der die Effizienz deutlich gesteigert und zugleich das Geschäftsmodell weiterentwickelt werden müsse.
