PayPal-CEO plant Alleingang statt Milliarden-Übernahme
Enrique Lores will den Zahlungsriesen umkrempeln – trotz Skepsis der Wall Street.

Die Aktie von PayPal (PYPL) ist zuletzt um 0,58 Prozent gestiegen. Ein aufwärts gerichtetes Dreieckschart im Handel deutet darauf hin, dass der neue Chief Executive Officer Enrique Lores seine Pläne für einen Alleingang ausarbeitet. Statt das Unternehmen für mehr als 50 Milliarden Dollar zu verkaufen, setzt Lores auf eine umfassende interne Reform.
Der CEO, der seit etwas mehr als sechs Monaten im Amt ist, will Teile des Geschäfts neu aufstellen, die seit Jahren blass dahindümpeln. Gleichzeitig plant er, neue Funktionen einzuführen und Milliarden an Kosten zu kürzen. Dies muss er inmitten eines harten Wettbewerbs in einer sich rasant wandelnden Zahlungsbranche tun. PayPal hat zwar lange Zeit Pionierarbeit geleistet, aber in jüngster Zeit versäumt, die Chancen des Marktes zu nutzen.
Venmo als zentraler Baustein der Strategie
Im Zentrum seines Plans steht die Verwandlung von Venmo, der beliebten Payment-App, die bislang nur geringe Gewinne abwirft. Lores will sie in eine All-in-One-Geldverwaltungs-App umwandeln. Verbraucher sollen dort künftig Budgets verwalten und investieren können. Für den klassischen PayPal-Kaufknopf, mit dem Kunden online Waren bezahlen, strebt der CEO bessere Prämien und eine verbesserte Benutzererfahrung an.
Die Nutzung des Kaufknopfes war ins Stocken geraten, seitdem Apple Pay und Google Wallet zu den dominierenden digitalen Geldbörsen aufgestiegen sind. Lores will diesen Trend mit seinem Reformplan umkehren.
Aktionäre hatten auf Verkauf gehofft
Der Plan des CEO wird jedoch unter Druck geraten von Aktionären, die im Frühsommer noch die Möglichkeit einer Ausstiegsstrategie prüften. Der Rivale Stripe und die Private-Equity-Firma Advent International hatten ein Angebot zur Übernahme von PayPal in Höhe von rund 60,50 Dollar pro Aktie vorgelegt. Die Aktienkurse sprangen auf diese Nachricht hin an, und mehrere Analysten der Wall Street hielten den Deal angesichts der jüngsten Ergebnisse von PayPal und des gebeutelten Aktienkurses für attraktiv.
Ein Deal ist jedoch nicht zustande gekommen, da sich die Seiten bezüglich des Preises weiterhin weit voneinander entfernt positionierten. Die Aktie, die zuvor über 62 Dollar gehandelt hatte, ist wieder auf rund 53 Dollar pro Aktie gefallen. Es ist jederzeit möglich, dass die Verhandlungen über einen Deal wieder aufgenommen werden.
Herausforderungen in einem umkämpften Markt
PayPal steht vor der Herausforderung, in einem von Apple, Google und Stripe dominierten Markt wieder Boden gutzumachen. Lores muss beweisen, dass sein Sanierungskurs ohne externen Käufer aufgeht. Die Wall Street reagiert bislang eher skeptisch auf die Pläne des CEO. Ob der Alleingang gelingt oder doch noch ein Verkauf folgt, bleibt abzuwarten. Für Anleger bleibt PayPal damit ein spannendes, aber risikoreiches Investment.
