Ofcom untersucht Pornhub: Altersverifikation über Apple unter Verdacht
Britische Aufsichtsbehörde prüft, ob Aylo mit dem Apple-basierten Verfahren Kinder nicht wirksam von Pornografie fernhält.

Die britische Kommunikationsaufsichtsbehörde Ofcom hat eine Untersuchung gegen den Diensteanbieter von Pornhub eingeleitet. Im Zentrum steht die Frage, ob die Adult-Site ihrer Pflicht nach dem Online Safety Act nicht nachgekommen ist, Kindern den Zugang zu Pornografie zu untersagen. Betroffen ist das in Kanada ansässige Unternehmen Aylo, das die Plattform betreibt.
Ofcom gab am Mittwoch bekannt, dass sie eine Prüfung eingeleitet hat, um zu klären, ob Aylo sein Altersverifikationssystem wirksam implementiert und die erforderlichen Sorgfaltspflichten vor der Einführung erfüllt hat. Der Schritt folgt auf die Einführung strenger Auflagen für Adult-Sites durch die britische Regierung im vergangenen Jahr, um Kinder vor dem Zugriff auf Pornografie und andere schädliche Inhalte zu schützen.
Zu den zur Überprüfung des Alters eingesetzten Methoden zählen Gesichtsscans und Kreditkartenprüfungen. Im Mai 2026 führte Pornhub für einige Nutzer neue Tools zur Altersverifikation ein, die auf Signalen des iPhone-Herstellers Apple basierten, um festzustellen, ob die betreffende Person über 18 Jahre alt ist. Die Aufsichtsbehörde erklärte jedoch, sie sei besorgt, dass das Verfahren möglicherweise vor der Implementierung nicht ausreichend getestet wurde und daher unwirksam sein könnte, um Kinder vom Konsum von Pornografie abzuhalten.
Die Details
Die Untersuchung richtet sich ausschließlich gegen Aylo. Apple wird von Ofcom nicht untersucht, wie die Behörde klarstellte. Der iPhone-Hersteller liefert mit seinen Gerätesignalen lediglich die technische Grundlage, auf die sich das umstrittene Verifikationsverfahren stützt.
Die zeitliche Abfolge ist für die Behörde von Bedeutung: Die strengen Auflagen für Adult-Sites traten im vergangenen Jahr in Kraft, das Apple-basierte Verifikationsverfahren folgte im Mai 2026. Ofcom prüft nun, ob Aylo zwischen diesen Schritten die gebotenen Sorgfaltspflichten eingehalten hat. Der Vorwurf lautet nicht, dass gar keine Altersprüfung existiert, sondern dass das eingesetzte Verfahren nicht ausreichend getestet und damit möglicherweise unwirksam ist.
Aylo reagierte mit einer Stellungnahme. Alex Kekesi, Vice President of Brand and Community bei Aylo, sagte, das Unternehmen sei „bestrebt, konstruktiv mit Ofcom und Apple zusammenzuarbeiten, geteilt durch unser Engagement für den Kinderschutz", und werde die Untersuchung „vollumfänglich kooperieren". Weiter erklärte Kekesi: „Wir sind zuversichtlich, dass die Untersuchung zeigen wird, dass das Update zur altersbasierten Verifikation auf Geräteebene von Apple im Vereinigten Königreich... einen der stärksten und schwer zu umgehenden Schutzmechanismen bietet, die derzeit verfügbar sind, um Minderjährige vom Zugriff auf altersunangemessene Inhalte abzuhalten."
Sollte festgestellt werden, dass Aylo gegen das Gesetz verstoßen hat, drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 18 Millionen Pfund oder 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Diese Sanktionsdrohung unterstreicht den Ernst, mit dem die britische Aufsicht die Einhaltung des Online Safety Act verfolgt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Untersuchung ist Teil einer längeren Auseinandersetzung um den Kinderschutz im britischen Internet. Bereits am 16.07.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Nutzung von Virtual Private Networks (VPN) im Vereinigten Königreich nahezu verdoppelt hat, seit die verpflichtenden Altersprüfungen auf Pornografieseiten in Kraft traten. Laut einem Bericht von Ofcom nutzten damals täglich geschätzte 2,2 Millionen Briten ein VPN – gegenüber 1,2 Millionen vor Inkrafttreten der neuen Regeln im Juli 2025.
Auch andere Plattformen gerieten ins Visier der Aufsicht. Am 21.05.2026 berichtete aktien.news, dass Ofcom TikTok und YouTube scharf kritisierte, weil beide Plattformen keine wirksamen Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor schädlichen Online-Inhalten eingeleitet hatten. Untersuchungen der Behörde ergaben damals, dass 73 Prozent der 11- bis 17-Jährigen innerhalb von vier Wochen schädlichen Inhalten ausgesetzt waren – überwiegend über personalisierte Algorithmus-Feeds.
Der regulatorische Druck auf die Branche wächst auch international. Am 16.01.2026 meldete aktien.news, dass TikTok unter dem Druck europäischer Regulierungsbehörden ein neues System zur Altersfeststellung europaweit einführt, das auf künstlicher Intelligenz basiert. Am 13.02.2026 berichtete aktien.news zudem, dass Portugal einen Gesetzentwurf zur Regulierung des Social-Media-Zugangs für Kinder verabschiedete; das Parlament stimmte mit 148 zu 69 Stimmen bei 13 Enthaltungen zu.
Im Fall von Pornhub hatte Aylo zuletzt selbst auf die Folgen der Regulierung hingewiesen. Das Unternehmen schrieb im vergangenen Monat etwa 300 Abgeordnete an, um darzulegen, dass die Regierung anerkennen sollte, dass das Gesetz „gescheitert" sei, Kinder zu schützen, und Nutzer stattdessen zu Sites gedrängt habe, die nicht den neuen Vorschriften entsprächen. Neue, nicht konforme Sites – die keine Altersüberprüfungen der Nutzer durchführen – erschienen nun regelmäßig prominent in Suchergebnissen, so das Argument, und der Verkehr zu diesen Sites sei gestiegen. Im vergangenen Jahr gab Aylo an, der Traffic auf seiner Pornhub-Website sei seit der Einführung des Online Safety Act um 77 Prozent gefallen. Diese Zahlen berücksichtigen allerdings nicht Personen, die VPNs nutzen, um ihren Internetzugang in andere Länder umzuleiten und damit den gesetzlichen Beschränkungen im Vereinigten Königreich zu entgehen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Untersuchung vor allem ein Signal über die regulatorischen Risiken im Digital- und Plattformgeschäft. Der Online Safety Act zeigt, dass britische Behörden bereit sind, empfindliche Geldstrafen zu verhängen – bis zu 18 Millionen Pfund oder 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Solche Sanktionsrahmen können die Ertragslage betroffener Unternehmen erheblich belasten.
Bemerkenswert ist zudem die Rolle von Apple. Der iPhone-Hersteller wird zwar nicht untersucht, doch die Untersuchung dreht sich um ein Verfahren, das auf Signalen seiner Geräte basiert. Für Anleger, die in Technologieunternehmen investiert sind, verdeutlicht dies, wie stark Plattformregulierung und Gerätehersteller inzwischen miteinander verzahnt sind. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Regulierungswellen, die von Großbritannien über die EU bis nach Portugal reichen und den gesamten Sektor betreffen.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Wirksamkeit von Regulierung insgesamt. Die von Ofcom dokumentierte nahezu verdoppelte VPN-Nutzung zeigt, dass Nutzer Beschränkungen technisch umgehen können. Für Investoren bedeutet das: Regulatorische Maßnahmen mögen den Traffic legaler Anbieter senken, ohne den Konsum insgesamt zu reduzieren – ein Risiko für Geschäftsmodelle, die auf Werbeeinnahmen und Nutzerzahlen basieren.
Ausblick
Ofcom hat die Prüfung eingeleitet, ein Ergebnis steht noch aus. Aylo hat angekündigt, vollumfänglich zu kooperieren, und zeigt sich zuversichtlich, dass die Untersuchung die Wirksamkeit des Apple-basierten Verfahrens bestätigen wird. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass das Unternehmen gegen das Gesetz verstoßen hat, drohen die genannten Bußgelder. Ob und wann Ofcom eine Entscheidung trifft, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.
Kurz erklärt
- Online Safety Act: Britisches Gesetz, das Online-Plattformen verpflichtet, Kinder vor schädlichen Inhalten zu schützen.
- Altersverifikation: Verfahren, mit dem das Alter eines Nutzers überprüft wird, etwa per Gesichtsscan oder Kreditkartenprüfung.
- VPN: Virtuelles privates Netzwerk, das den Internetzugang über einen anderen Standort leitet und so nationale Beschränkungen umgehen kann.
