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Nektar Therapeutics: 90-Millionen-Urteil gegen Eli Lilly stützt Aktie

Ein Jury-Urteil über 90 Millionen US-Dollar gegen Eli Lilly treibt die Nektar-Aktie im Vormarkt um 1,5 Prozent nach oben.

• 4 Min
Nektar Therapeutics: 90-Millionen-Urteil gegen Eli Lilly stützt Aktie

Die Aktie von Nektar Therapeutics (NKTR) hat im vorbörslichen Handel um 1,5 Prozent zugelegt. Auslöser ist ein Urteil einer Bundesjury in Kalifornien, das dem Biotechunternehmen am Vorabend 90 Millionen US-Dollar gegen Eli Lilly zusprach. Die Geschworenen stellten fest, dass Lilly den impliziten Vertragsschluss zur Wahrung von Treu und Glauben sowie fairer Geschäftsbedingungen in der Lizenzvereinbarung verletzt habe. Diese Vereinbarung betraf die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung des Wirkstoffs Rezpegaldesleukin.

Der Rechtsstreit reicht bis in den August 2023 zurück. Damals leitete Nektar das Verfahren ein, das vor dem US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien verhandelt wurde. Ursprünglich hatte das Unternehmen Schadensersatzansprüche in Höhe von bis zu 1 Milliarde US-Dollar geltend gemacht. Mit 90 Millionen US-Dollar fällt das Urteil damit deutlich niedriger aus als gefordert – aus Sicht von Nektar aber dennoch ein teilweiser und erheblicher rechtlicher Sieg.

Ganz abgeschlossen ist der Fall jedoch nicht. Die Jury entschied, dass die zusätzlichen Zinsen vom Gericht festzulegen sind. Das Urteil bleibt zudem Gegenstand von Anträgen nach Prozessende sowie möglichen Berufungen. Nektar hat nach eigenen Angaben außerdem ein Form 8-K an die Aufsichtsbehörden übermittelt, um den Offenlegungspflichten im Zusammenhang mit dem Urteil nachzukommen.

Die Details

Neben dem Urteil selbst gab es einen dämpfenden Faktor für die Aktie. Das Analystenhaus Wedbush senkte sein Kursziel für Nektar am 24. September 2026 von 80 auf 50 US-Dollar. Damit spiegelt das Institut eine vorsichtigere Einschätzung der kurzfristigen Umsatzperspektiven des Unternehmens wider. Ein Teil der positiven Kursimpulse aus dem Urteil wurde dadurch wieder aufgezehrt.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt der Zeitpunkt der Berichterstattung. Nektar befindet sich seit dem 8. September 2026 in einer Berichtsruhephase. Hintergrund ist die erwartete Vorlage von Daten aus dem 24-wöchigen Follow-up nach Behandlungsende der Phase-2b-Studie REZOLVE-AA. Diese Studie untersucht Rezpegaldesleukin bei Patienten mit schwerer Alopecia areata. Es handelt sich um ein binäres klinisches Ereignis, das weiterhin für Stimmungsschwankungen an der Börse sorgt.

Der übergeordnete Marktkontext fiel leicht konstruktiv aus. Der S&P 500 legte im Vormarkt um 0,3 Prozent zu, der Dow Jones ebenfalls um 0,3 Prozent und der Nasdaq um 0,4 Prozent. Das bot insgesamt einen unterstützenden Hintergrund für Risikokapitalanlagen – einschließlich Biotech-Titeln.

Das Pipeline-Portfolio von Nektar konzentriert sich weiterhin auf Rezpegaldesleukin. Der Wirkstoff schreitet im Rahmen des ZENITH-AD-Programms in Phase-3-Zulassungsstudien bei atopischer Dermatitis voran. Zum Mitte 2026 verfügte das Unternehmen über liquide Mittel und Investments in Höhe von mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Das sichert eine mehrjährige operative Laufzeit.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 21.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie von Nektar Therapeutics einen Kurssprung von mehr als 18 Prozent verzeichnete. Auslöser war die Veröffentlichung vielversprechender Studiendaten für das immunologische Prüfpräparat Rezpegaldesleukin bei Alopecia areata. Vor Börsenöffnung präsentierte das Unternehmen Ergebnisse einer Phase-2b-Studie bei Patienten mit schwerer bis sehr schwerer Alopecia areata. Die Studie zeigte, dass Patienten, die bereits auf die Behandlung angesprochen hatten, im Laufe der Zeit einen verstärkten Haarwuchs verzeichneten.

Auch Eli Lilly stand in diesem Jahr mehrfach im Fokus von aktien.news. Am 23.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Lilly-Aktie im vorbörslichen Handel um 2,8 Prozent auf 1.037 US-Dollar zulegte. Hintergrund war eine enttäuschende Studienmeldung des dänischen Konkurrenten Novo Nordisk, dessen experimentelles Adipositas-Medikament CagriSema den primären Endpunkt einer klinischen Studie nicht erreichte. Am 04.05.2026 meldete aktien.news einen Kursrückgang von rund 3 Prozent bei Eli Lilly, nachdem ein Hinweis auf einen Eintrag in der FDA-Datenbank für unerwünschte Ereignisse zu einem Fall von Leberversagen im Zusammenhang mit dem oralen GLP-1-Medikament Foundayo bekannt geworden war. Beide Meldungen betreffen andere Geschäftsbereiche und stehen nicht mit dem aktuellen Rechtsstreit um Rezpegaldesleukin in Verbindung.

Am 28.05.2026 berichtete aktien.news zudem über Apogee Therapeutics. Deren Aktie gab nach gemischten Studiendaten für den experimentellen Ekzem-Wirkstoff Zumilokibart nach und fiel unter ihre 50-Tage-Linie. Der Fall illustriert, wie empfindlich Biotech-Titel auf einzelne klinische Datenpunkte reagieren.

Was das für Anleger bedeutet

Das Urteil über 90 Millionen US-Dollar stellt einen konkreten kurzfristigen finanziellen Katalysator dar, der die Aktie im Vormarkt gestützt hat. Gleichzeitig dämpfen zwei Faktoren die Rallye: die Senkung des Kursziels durch Wedbush und die ausstehenden Daten zur REZOLVE-AA-Studie. In der Folge notiert NKTR weiterhin deutlich innerhalb der 52-Wochen-Spanne von 33,40 bis 109,00 US-Dollar.

Für deutsche Privatanleger ist wichtig, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Anträge nach Prozessende und mögliche Berufungen können den Ausgang verändern. Der zugesprochene Betrag von 90 Millionen US-Dollar liegt zudem weit unter den ursprünglich geforderten bis zu 1 Milliarde US-Dollar. Die finanzielle Ausstattung von mehr als 1 Milliarde US-Dollar an liquiden Mitteln und Investments zum Mitte 2026 gibt dem Unternehmen dagegen einen Puffer, der die operative Laufzeit über mehrere Jahre sichert. Diese Einordnung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Die nächsten relevanten Termine stehen bereits fest. Nektar befindet sich seit dem 8. September 2026 in einer Berichtsruhephase, bevor die Daten aus dem 24-wöchigen Follow-up nach Behandlungsende der Phase-2b-Studie REZOLVE-AA erwartet werden. Parallel bleibt das Urteil Gegenstand von Anträgen nach Prozessende und möglichen Berufungen; die zusätzlichen Zinsen legt das Gericht fest. Im Pipeline-Portfolio schreitet Rezpegaldesleukin im ZENITH-AD-Programm in Phase-3-Zulassungsstudien bei atopischer Dermatitis voran.

Kurz erklärt

  • Rezpegaldesleukin: ein immunologisches Prüfpräparat, das in klinischen Studien bei Autoimmunerkrankungen untersucht wird.
  • Alopecia areata: eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu Haarausfall kommt.
  • Form 8-K: ein Berichtsformular, mit dem börsennotierte US-Unternehmen der Aufsichtsbehörde wichtige Ereignisse melden.
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