Nektar Therapeutics: Aktie steigt nach 90-Millionen-Urteil gegen Eli Lilly
Eine Jury spricht Nektar Therapeutics 90 Millionen Dollar Schadensersatz im Vertragsstreit mit Eli Lilly zu.

Die Aktien von Nektar Therapeutics (Nasdaq:NKTR) sind am Freitag im Vorhandel um 3,6 Prozent gestiegen. Auslöser war ein Jury-Urteil, das dem Biotech-Unternehmen im Vertragsstreit mit Eli Lilly and Company (NYSE:LLY) Schadensersatz in Höhe von 90 Millionen Dollar zusprach. Der Kursanstieg spiegelt die Hoffnung der Anleger wider, dass Nektar in dem seit längerem schwelenden Rechtsstreit einen wichtigen Teilerfolg erzielt hat.
Nach Angaben des Unternehmens stellte die Jury fest, dass Lilly gegen den stillschweigenden Vertragsschlussgrundsatz der guten Treue und des fairen Umgangs verstoßen hat. Dieser Grundsatz war Bestandteil einer Lizenzvereinbarung, die die frühere Zusammenarbeit der beiden Unternehmen zur Entwicklung und Vermarktung von Rezpegaldesleukin regelte. Der Begriff des stillschweigenden Grundsatzes der guten Treue und des fairen Umgangs (im englischen Recht als "implied covenant of good faith and fair dealing" bekannt) verpflichtet Vertragsparteien, ihre Rechte nicht in einer Weise auszuüben, die den berechtigten Erwartungen der Gegenseite zuwiderläuft.
Hintergrund des Rechtsstreits
Nektar hatte im August 2023 Klage gegen Lilly eingereicht. In der Klage machte das Unternehmen sowohl Vertragsbruch als auch einen Verstoß gegen den stillschweigenden Grundsatz der guten Treue und des fairen Umgangs im Zusammenhang mit der Lizenzvereinbarung geltend. Der Streit dreht sich damit um die Frage, wie Lilly seine Verpflichtungen aus der gemeinsamen Vereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung von Rezpegaldesleukin erfüllt hat.
Für deutsche Anleger ist der Fall insofern relevant, als er zeigt, wie stark Biotech-Aktien von juristischen Entwicklungen abhängen können. Nektar ist ein vergleichsweise kleines Unternehmen, für das ein Urteil in dieser Größenordnung spürbare finanzielle Bedeutung haben kann. Ein Zuschlag von 90 Millionen Dollar kann bei einem Unternehmen dieser Größenklasse die Bilanz und die Finanzierungsspielräume deutlich beeinflussen.
Urteil noch nicht rechtskräftig
Das Unternehmen wies in seiner Einreichung ausdrücklich darauf hin, dass das Jury-Urteil weiterhin Nachverfahren nach der Hauptverhandlung unterliegt. Ein daraus resultierendes Urteil kann zudem Gegenstand einer Berufung sein. Der Ausgang des Verfahrens ist damit noch nicht endgültig besiegelt, und es besteht die Möglichkeit, dass sich der zugesprochene Betrag im weiteren Verfahrensverlauf noch ändert oder das Urteil angefochten wird.
Diese rechtliche Unsicherheit erklärt, warum der Kursanstieg mit 3,6 Prozent im Vorhandel moderat ausfiel. Anleger reagierten positiv auf die Nachricht, preisten aber zugleich das Risiko weiterer Verfahrensschritte ein. Derartige Nachverfahren und mögliche Berufungen sind im US-Rechtssystem üblich und können sich über Monate oder Jahre hinziehen.
Für die Aktionäre von Nektar Therapeutics bleibt die weitere Entwicklung des Verfahrens ein wichtiger Faktor. Neben operativen Fortschritten in der Medikamentenentwicklung gehört der Rechtsstreit mit Eli Lilly zu den zentralen Themen, die den Kurs der Aktie beeinflussen können. Marktbeobachter dürften die kommenden Verfahrensschritte aufmerksam verfolgen, da sie Aufschluss darüber geben, ob und in welcher Höhe Nektar tatsächlich von dem Urteil profitieren wird.
Der Fall unterstreicht zugleich die Bedeutung von Lizenzvereinbarungen in der Pharmabranche. Solche Kooperationen regeln, wie Partnerunternehmen gemeinsam Wirkstoffe entwickeln und vermarkten und wie Erträge und Risiken verteilt werden. Kommt es zum Streit, können die finanziellen Folgen erheblich sein – wie das aktuelle Urteil zeigt.
