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Klage gegen Trump-Regierung wegen zurückgehaltener CDFI-Bundeszuschüsse

Fast 300 Millionen Dollar an Gemeindekrediten drohen zum Monatsende zu verfallen.

4 Min
Klage gegen Trump-Regierung wegen zurückgehaltener CDFI-Bundeszuschüsse

Eine Wirtschaftsvertretungsgruppe hat das US-Finanzministerium verklagt, um die Freigabe von fast 300 Millionen Dollar an Bundeszuschüssen für gemeindenahe Kreditgeber zu erzwingen. Die Freedom Economy Business Association reichte die Klage am Montag vor dem US-Bezirksgericht für den Distrikt von Columbia ein. Die Mittel aus dem Haushaltsjahr 2025 drohen zum 30. September zu verfallen, falls sie nicht bis dahin ausgezahlt werden.

Die Klageschrift wirft dem Finanzministerium vor, die vom Kongress genehmigten Mittel für Development Financial Institutions (CDFIs) unrechtmäßig zurückzuhalten. Da der Kongress die Gelder bereitgestellt und die CDFIs diese rechtmäßig beantragt hätten, müssten sie ausgezahlt werden, heißt es in dem Dokument. Das Finanzministerium reagierte bislang nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.

CDFIs sind spezialisierte Kreditgeber, die kleine Unternehmen, bezahlbare Wohnbauprojekte, Gesundheitskliniken und andere gemeinnützige Initiativen finanzieren. Sie richten sich an Projekte, die oft keinen Zugang zu traditionellen Kapitalquellen haben. Das Finanzministerium zertifiziert diese Institute und schüttet jährlich die vom Kongress autorisierten Zuschüsse aus.

Die Details

Im Zentrum des Rechtsstreits stehen knapp 300 Millionen Dollar an Bundeszuschüssen des Haushaltsjahres 2025. Das Finanzministerium veröffentlichte am 15. September zwar die Vergabebekanntgaben, benannte jedoch die Empfänger nicht und band die Mittel nicht fest. Damit läuft das Geld Gefahr, beim Ende des Haushaltsjahres am 30. September zu verfallen, so die Klägerin.

Die Freedom Economy Business Association fordert das Gericht auf, das Finanzministerium und das Office of Management and Budget (OMB) anzuweisen, die Mittel vor Ablauf der Frist auszuschütten. Zudem soll mit einer zusätzlichen Summe von 289 Millionen Dollar fortgefahren werden, die der Kongress für das Haushaltsjahr 2026 bereits bereitgestellt hat.

Die Gruppe beantragte zudem eine einstweilige Verfügung, um das Finanzministerium sofort daran zu hindern, „die Zeit ablaufen zu lassen", wie Alphonso David, CEO des Global Black Economic Forum und führender Anwalt im Fall, erklärte. Die überwiegende Mehrheit der CDFIs nimmt keine Einlagen entgegen, was staatliche Fördermittel zu einem kritischen Überlebensnetz macht.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 13. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) zehn Kreditgeber aus seinem OneRD-Garantiekreditprogramm für ländliche Entwicklung ausgeschlossen hatte. Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins begründete den Schritt mit unverantwortlichen und nicht regelkonformen Handlungen der betroffenen Institute. Die Trump-Administration untersagte diesen Kreditgebern damit die weitere Teilnahme an sämtlichen USDA-Garantiekreditprogrammen.

Am 21. Juli 2026 folgte eine weitere Klage: Die American Civil Liberties Union (ACLU), das National Women's Law Center und das National Center for Law and Economic Justice reichten gemeinsam Klage gegen das US-Gesundheitsministerium (HHS) ein. Im Mittelpunkt stand der Versuch der Trump-Regierung, Bundesmittel für Kinderbetreuung und Familienhilfe in mehreren demokratisch geführten Bundesstaaten einzuschränken.

Bereits am 14. Februar 2026 hatten die Bundesstaaten New York und New Jersey eine dringliche Anhörung vor Gericht beantragt, nachdem die Trump-Administration trotz richterlicher Anordnung eingefrorene Bundesmittel in Höhe von 205 Millionen Dollar für das Hudson-Tunnel-Projekt nicht freigegeben hatte. Das Mammutprojekt mit einem Gesamtvolumen von 16 Milliarden Dollar lag damit weiterhin auf Eis.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall, wie politische Richtungsentscheidungen der US-Regierung direkte Auswirkungen auf die Kapitalversorgung der Realwirtschaft haben können. CDFIs finanzieren Projekte, die ohne staatliche Förderung oft keine Kredite von traditionellen Banken erhalten würden. Die Verzögerung der Mittelbereitstellung habe bereits dazu geführt, dass eine CDFI ihre Türen schließen musste, und weitere Verzögerungen könnten weitere Schließungen nach sich ziehen.

CDFIs hätten Personal abgebaut, Operationen reduziert und Schulden angehäuft, sagte Tynesia Boyea-Robinson, Vorsitzende von Freedom Economy, bei einer Pressekonferenz. „Viele unserer Mitglieder können die Millionen Menschen, die auf sie angewiesen sind, nicht mehr bedienen", erklärte sie. „All dies liegt daran, dass die Bundesregierung sich weigert, dem Gesetz zu folgen und ihre gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen."

Anleger in US-Staatsanleihen oder Fonds mit Bezug zu kommunaler Infrastruktur sollten die Entwicklung im Auge behalten. Die wiederholten Rechtsstreitigkeiten um eingefrorene Bundesmittel könnten auf ein strukturelles Risiko hindeuten, wenn die Exekutive vom Kongress bewilligte Gelder nicht oder verspätet auszahlt.

Ausblick

Die Gruppe erwartet innerhalb von 48 Stunden eine Antwort der Gerichte, so Alphonso David. Sollte das Gericht die einstweilige Verfügung erlassen, könnte das Finanzministerium noch vor dem 30. September zur Auszahlung gezwungen werden. Andernfalls verfallen die fast 300 Millionen Dollar aus dem Haushaltsjahr 2025. Für das Haushaltsjahr 2026 stehen weitere 289 Millionen Dollar bereit, deren Auszahlung ebenfalls Gegenstand des Verfahrens ist.

Kurz erklärt

  • CDFI (Community Development Financial Institution): Ein spezialisierter Kreditgeber, der von der US-Regierung zertifiziert wird und Projekte in wirtschaftlich benachteiligten Gemeinden finanziert.

  • Einstweilige Verfügung: Eine gerichtliche Anordnung, die einen bestimmten Zustand vorläufig sichert, bis in der Hauptsache entschieden ist.

  • Haushaltsverfall (Appropriations Expiration): Ein Mechanismus im US-Haushaltsrecht, wonach nicht ausgegebene Mittel eines Haushaltsjahres verfallen, wenn sie nicht bis zum Fristende gebunden wurden.

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