Südkorea informiert Parlament über 350-Milliarden-US-Investitionspaket
Seoul unterrichtet Abgeordnete über Milliarden-Deal – Profitabilitätsbedenken wachsen

Die südkoreanische Regierung wird die Abgeordneten am Dienstag über die Pläne für ein 350 Milliarden US-Dollar schweres Investitionspaket in den USA informieren. Das Briefing des Wirtschaftsministeriums vor dem Handelsausschuss der Nationalversammlung ist ein wichtiger Schritt, während Seoul und Washington versuchen, die Umsetzung eines Handelsabkommens abzuschließen. Das Abkommen senkte die US-Zölle auf südkoreanische Waren auf 15 Prozent.
Das Briefing war in der vergangenen Woche verschoben worden, während die Verhandlungspartner versuchten, Unterschiede zwischen den Forderungen der USA und Südkoreas zu überbrücken. Ein parlamentarischer Zeitplan zeigt, dass die Abgeordneten am Dienstag um 9:30 Uhr (00:30 GMT) informiert werden sollen. Abgeordnete haben das Briefing als einen der letzten Schritte bezeichnet, bevor die beiden Verbündeten die Bedingungen vereinbaren und eine offizielle Bekanntgabe machen können.
Die Investitionsverpflichtung wurde im Rahmen eines Handelsabkommens eingegangen, das im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Seoul verpflichtete sich, in die US-Industrie zu investieren, im Austausch gegen niedrigere Zölle auf Importe aus Südkorea. Von dem 350 Milliarden Dollar schweren Paket sind 150 Milliarden Dollar für den Schiffbau vorgesehen. Die Einzelheiten zu den verbleibenden 200 Milliarden Dollar an strategischen Investitionen müssen noch finalisiert werden.
Die Details
Zu den diskutierten Projekten gehört ein 22,3 Milliarden Dollar großes, 6,3-Gigawatt-Gaskraftwerk in Encinal, Texas. Dieses soll Strom für KI-Rechenzentren und Chipfabriken liefern, wie südkoreanische Medien berichten. Seoul und Washington diskutieren zudem den Bau von bis zu acht großen Kernreaktoren in den Vereinigten Staaten.
Südkorea hat außerdem den Kauf einer Minderheitsbeteiligung am US-Kernkraftunternehmen Westinghouse geprüft. Auch die Möglichkeit einer Beteiligung an einem lang verzögerten Flüssigerdgasprojekt in Alaska wurde angesprochen. Die Bandbreite der Projekte zeigt, wie tief die wirtschaftliche Verflechtung zwischen beiden Ländern in strategischen Sektoren reicht.
Präsident Lee Jae Myung sagte am Freitag, dass die kommerzielle Rentabilität zu einem kritischen Punkt geworden sei. Die Verhandlungspartner seien von einer breiten Einigung zu den Details einzelner Projekte übergegangen. Lee erklärte, Seoul habe versucht sicherzustellen, dass das Abkommen „kommerziell angemessene" Investitionen erwähnt, angesichts von Fragen zu Renditen, Gewinnbeteiligungen und der Handhabung von Verlusten aus unrentablen Projekten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18. September 2026 berichtete aktien.news, dass Südkorea und die USA die Umsetzung des milliardenschweren Investitionspakets vorantreiben. Damals standen neben dem Gaskraftwerk in Texas der Bau von Kernreaktoren und eine mögliche Beteiligung am US-Atomkonzern Westinghouse im Fokus.
Am 27. Januar 2026 hatte US-Präsident Donald Trump Südkorea mit höheren Zöllen gedroht. Der Grund: Seoul komme seiner Seite der Vereinbarung nicht nach. Trump hatte im Juli des Vorjahres mit Präsident Lee Jae Myung eine grundsätzliche Einigung erzielt, doch die Umsetzung verzögerte sich.
Bereits am 16. Januar 2026 hatte Finanzminister Choi Sang-mok erklärt, dass ein Start der Investitionen in der ersten Jahreshälfte 2026 unwahrscheinlich sei. Der schwache Won bereitete den Behörden damals erhebliche Sorgen. Die Währung notierte nahe 16-Jahres-Tiefs bei 1.473,8 zum Dollar.
Am 19. September 2026 berichtete aktien.news, dass die Verhandlungen zwischen Seoul und Washington kurz vor dem Abschluss stünden. Das Paket wurde als Eckpfeiler des Handelsabkommens aus dem vergangenen Jahr beschrieben.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall, wie geopolitische Handelsabkommen direkte Auswirkungen auf Großprojekte und damit verbundene Unternehmen haben können. Die Verzögerungen bei der Umsetzung und die wachsenden Profitabilitätsbedenken sind ein Signal, dass selbst milliardenschwere Staatsabkommen nicht reibungslos verlaufen.
Oppositionsabgeordnete in Südkorea haben eine engere parlamentarische Kontrolle gefordert und gewarnt, dass Seoul unverhältnismäßigen finanziellen Risiken in Energieprojekten ausgesetzt sein könnte. Kim Sung-won, Vorsitzender des Handelsausschusses, sagte am Montag, dass die Bedenken bezüglich der Konditionen für Kernkraft- und Stromerzeugungsinvestitionen gewachsen seien.
Anleger sollten die Entwicklung im Auge behalten, da weitere Verzögerungen bei der Umsetzung des Handelsabkommens erneute Reibereien mit Washington riskieren. US-Präsident Donald Trump hatte Südkorea Anfang dieses Jahres bereits mit höheren Zöllen gedroht, aufgrund des Tempos bei der Umsetzung des Abkommens.
Ausblick
Präsident Lee Jae Myung reiste am Montag in die USA, um an der Generalversammlung der Vereinten Nationen teilzunehmen. Dort sucht er Treffen mit Trump und anderen Führungspersönlichkeiten. Das Briefing der Abgeordneten am Dienstag gilt als einer der letzten Schritte vor einer offiziellen Bekanntgabe.
Ob und wann die finalen Details zu den verbleibenden 200 Milliarden Dollar an strategischen Investitionen vereinbart werden, bleibt abzuwarten. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Profitabilitätsbedenken ausgeräumt werden können oder ob weitere Verzögerungen drohen.
Kurz erklärt
- Handelsabkommen: Ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen zwei oder mehr Staaten, der den Austausch von Waren und Dienstleistungen regelt und Zölle sowie Handelshemmnisse reduziert.
- Zölle: Abgaben, die auf importierte Waren erhoben werden und den Preis für ausländische Produkte im Inland erhöhen, um heimische Industrien zu schützen.
- Kommerzielle Rentabilität: Das Verhältnis von Gewinn zu eingesetztem Kapital bei einem Investitionsprojekt, das bestimmt, ob sich eine Investition wirtschaftlich lohnt.
