Hanf-THC-Getränke: Herb Light schickt Kongress 6er-Pack gegen Verbot
Die Kampagne „Cheers Against Prohibition" startet am Mittwoch: Kunden können zu einem 12er-Pack THC-Getränke einen 6er-Pack für ihre Abgeordneten hinzufügen.

Herb Light, ein Anbieter cannabisinfundierter Getränke, geht mit einer ungewöhnlichen Kampagne gegen die drohende bundesweite Wiederstrafstellung von Hanf-THC-Produkten vor. Die am Mittwoch startende Aktion „Cheers Against Prohibition" (Anstoßen gegen das Verbot) ermöglicht es Kunden, die einen 12er-Pack THC-Getränke erwerben, einen 6er-Pack für ihre Abgeordneten im US-Kongress hinzuzufügen. Die Lieferung an die Gesetzgeber übernimmt nach Angaben des Unternehmens Herb Light selbst – beigefügt wird ein Brief, der zur Unterstützung eines laufenden Gesetzentwurfs im Kongress drängt, um Hanf-THC-Getränke unter einem neuen Regulierungssystem weiterhin bundesrechtlich legal zu halten.
Hintergrund ist ein Termin, der die gesamte Branche betrifft: Nach den derzeitigen Plänen wird es am 12. Dezember illegal, Getränke mit mehr als 0,4 Milligramm THC in Einzelhandelsgeschäften oder online zu kaufen. Herb Light verweist in seiner Werbung darauf, dass dies „eine gesamte Branche und Hunderttausende von Arbeitsplätzen beseitigen würde".
Flankiert wird die Kampagne von einer neuen Werbekampagne im Stil der 1980er Jahre, die sich auf Ronald Reagans berühmten Spot „Morning in America" bezieht. „Es ist wieder Morgen in Amerika. Heute werden mehr Männer und Frauen ohne Kater oder Reue aufwachen, weil sie gestern Abend ein alkoholfreies Getränk mit einer verantwortungsvollen Menge an Hanf-abgeleitetem THC trinken konnten", heißt es in der Anzeige. Weiter heißt es dort: „Morgen könnte sich alles ändern, denn am 12. Dezember wird es illegal sein, Getränke mit mehr als 0,4 Milligramm THC in Einzelhandelsgeschäften oder online zu kaufen."
Die Details
Die rechtliche Grundlage des heutigen Marktes ist das Farm Bill von 2018, das Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit unterzeichnete. Es legalisierte Hanfderivate mit weniger als 0,3 Prozent Delta-9-THC auf Trockenbasis bundesweit. Ende letzten Jahres unterzeichnete der Präsident jedoch neue Gesetzgebungsmaßnahmen, die Bestimmungen enthalten, die Hanf neu definieren: Danach würden nur Produkte mit 0,4 Milligramm Gesamt-THC pro Behälter nach dem 12. November legal bleiben.
Unter den Bestimmungen eines Finanzierungsgesetzes, das Trump letzten Monat unterzeichnete, wird das Inkraftdatum des Verbots für die meisten Produkte jedoch auf den 11. Dezember verschoben, um den Gesetzgebern mehr Zeit zur Ausarbeitung von Vorschriften für Hanfderivate zu geben. Eine Ausnahme erlaubt allerdings die Wiederstrafstellung synthetischer Cannabinoide zum 12. November – also solcher Stoffe, „die nicht natürlich von einer Cannabis sativa L.-Pflanze produziert werden können".
Für Herb Light selbst wäre die Anpassung nach eigener Darstellung „relativ einfach". Die Getränke des Unternehmens enthalten derzeit nur 1 Milligramm THC, während die Getränke anderer Unternehmen typischerweise 5–10 Milligramm oder mehr enthalten. Sollte die geplante Politik ohne weitere Änderungen in Kraft treten, will Herb Light eine Version seines Getränks mit 0,4 Milligramm herstellen, um konform zu bleiben. „Die meisten Verbraucher wissen nicht einmal, dass ein bundesweites Verbot in Vorbereitung ist – geschweige denn, dass es in wenigen Wochen in Kraft tritt – daher wollten wir die Aufmerksamkeit auf die gesamte Kategorie lenken", sagte Gordy Sang, Mitgründer von Herb Light, in einer Pressemitteilung. „Es ist, als würden wir ein Verbot-Fortsetzungsdrama drehen, obwohl der erste Verbot-Film schrecklich war. Null Sterne."
Mitgründer Jon Schiff ergänzte: „Während es sinnvoll ist, dass ein Getränk mit extrem niedriger Dosierung wie Herb Light eine noch niedrigere 0,4-MG-Version anbietet, ergibt dies für Marken mit höheren Dosen weniger Sinn." Sein Plädoyer: „Anstatt es vollständig zu verbieten und eine gesamte Milliarden-Dollar-Branche zu beseitigen, die Hunderttausende von Arbeitsplätzen schafft und Erwachsenen eine sicherere/gesündere Alternative zum sozialen Konsum bietet, sollte man es einfach verantwortungsvoll regulieren."
Die Kampagne, bei der Kunden THC-Getränke für Gesetzgeber kaufen können, wird landesweit in Staaten verfügbar sein, in denen derzeit der Kauf von THC-Getränken erlaubt ist. Sie fällt in eine Phase, in der der Kongress darüber debattiert, wie und ob die Derivate der Pflanze als Alternative zum Verbot reguliert werden sollten. Mehrere republikanische Gesetzgeber sprachen kürzlich mit Marijuana Moment über die Art von Regeln, die sie verabschiedet sehen möchten. Eine wachsende Zahl von Gesetzentwürfen aus beiden Kammern und beiden Parteien soll die geplante Wiederstrafstellung verhindern – bei den Führern des Kongresses hat bislang jedoch keiner dieser Vorschläge Anklang gefunden.
Zu den Vorstößen zählt ein Gesetzentwurf der Abgeordneten Beth Van Duyne (R-TX) und Greg Landsman (D-OH), um Hanf-THC-Getränke legal zu halten und sie wie Alkohol zu besteuern und zu regulieren. Der Abgeordnete James Comer (R-KY), Vorsitzender des Ausschusses für Aufsicht und Regierungsreform des Repräsentantenhauses, verbreitet Gesetzesvorschläge, die ein geplantes bundesweites Verbot verzögern und einige Regulierungen einführen würden – einschließlich Verpackungsanforderungen, Testvorschriften und Altersgrenzen. Der Abgeordnete Andy Barr (R-KY) reichte unabhängig davon einen längeren Vorschlag ein, der die Wiederstrafstellung verhindern und Vorschriften für Herstellung, Kennzeichnung, Verkauf und Besteuerung von Hanf-abgeleiteten Produkten einführen würde, einschließlich einer Altersgrenze von 21 Jahren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.08.2026 berichtete aktien.news, dass im US-Kongress zwei Abgeordnete aus unterschiedlichen Parteien einen neuen Gesetzentwurf eingebracht hatten, der Hanfgetränke mit THC-Gehalt vor einem drohenden bundesweiten Verbot schützen soll. Der sogenannte „Beverage Regulatory Parity Act" wurde am Montag von Beth Van Duyne (Republikanerin aus Texas) und Greg Landsman (Demokrat aus Ohio) gemeinsam vorgestellt. Das Gesetz würde Hanfgetränke aus dem Anwendungsbereich einer geplanten Rekriminalisierung von THC-Produkten herausnehmen und sieht vor, sie analog zu Alkohol zu regulieren – konkret über ein dreistufiges Vertriebssystem, ein Modell, das in der US-amerikanischen Alkoholbranche seit Jahrzehnten etabliert ist.
Am 04.08.2026 meldete aktien.news, dass der US-Senat den auf 28 Milliarden US-Dollar geschätzten Markt für aus Hanf gewonnene THC-Produkte mit einem ungewöhnlichen Manöver retten könnte. Ein wichtiger Ausschuss des Senats hatte am Sonntag eine Bestimmung in die Haushaltsgesetzgebung aufgenommen, die das drohende Verbot um mindestens einen Monat verschieben würde. Die Maßnahme war Teil einer sogenannten Continuing Resolution – einer kurzfristigen Überbrückungsfinanzierung, die einen Government Shutdown verhindern soll. Damit wurde zumindest teilweise einer Forderung von Präsident Donald Trump nachgekommen, die im November in Kraft tretenden Beschränkungen für aus Hanf gewonnene Cannabinoide zu überprüfen.
Am 25.07.2026 berichtete aktien.news über den regulatorischen Scheideweg im Hanfmarkt: Ab dem 12. November drohten die meisten Hanfprodukte unter US-Bundesrecht illegal zu werden, sofern der Kongress nicht eingreife. Das Weiße Haus forderte den Kongress auf, das bevorstehende Verbot zu verschieben oder zu stoppen, wie aus einer Durchführungsverordnung vom 18. Dezember hervorging. Sollte der Kongress untätig bleiben, könnten Hanfprodukte dennoch weiter verfügbar bleiben – reguliert und besteuert auf Ebene der Bundesstaaten, ähnlich wie staatlich legalisiertes Cannabis. Genau das plante Minnesota, wie Eric Taubel, Direktor des staatlichen Office of Cannabis Management, erklärte.
Am 27.09.2026 schließlich berichtete aktien.news über den erbitterten Streit in North Carolina. Im Zentrum stand der Gesetzentwurf HB 328, der ein nahezu totales Verbot aller Hemp-Getränke festschreiben würde – selbst dann, wenn auf föderaler Ebene eine sinnvolle Regulierung eingeführt wird. Im August beschloss die General Assembly, die Anhörung des Gesetzentwurfs auf Eis zu legen und bis November zu verschieben. Melissa Johnston, Vizepräsidentin für strategische Entwicklung beim Großhändler Tryon Distributing, warnte in einem Gastbeitrag für das Carolina Journal eindringlich vor den Folgen eines Verbots.
Was das für Anleger bedeutet
Der Quelltext nennt keine börsennotierten Unternehmen, deren Aktien direkt an der Kampagne von Herb Light hängen. Relevant für den Markt ist jedoch die Breite der betroffenen Interessengruppen: Neben Getränkeherstellern positionieren sich auch der National Restaurant Association, der die Kongressführung in einem Brief aufforderte, die Wiederstrafstellung zu verzögern und durch einen Regulierungsrahmen zu ersetzen, der „die Verbrauchersicherheit gewährleistet und gleichzeitig der wachsenden Marktnachfrage" nach diesen Produkten als Alternative zu Alkohol gerecht wird. Der große Einzelhändler Target hat kürzlich begonnen, den Verkauf von Hanf-THC-Getränken in mehr Bundesstaaten auszuweiten.
Bemerkenswert ist die Uneinigkeit innerhalb der Cannabis-Reformbewegung. Die Marijuana Policy Project (MPP) sendete letzte Woche einen Aktionsaufruf, der Unterstützer auffordert, Druck auf den Kongress auszuüben, um das geplante Verbot rückgängig zu machen und ein System der Regulierung für alle Cannabinoide als Alternative zur Kriminalisierung einzuführen. Ein ehemaliger MPP-Mitarbeiter, der nun für die American Trade Association for Cannabis and Hemp (ATACH) arbeitet, widersprach jedoch in einem Meinungsbeitrag für Marijuana Moment und argumentierte, dass „das Schauspiel von Hanf-Rauschmitteln beendet werden muss" und dass das „Schleichweg-Einkommen mit synthetischen Drogen, die niemand verlangt hat, nicht der Weg zur Legalisierung ist".
Ausblick
Trump und Beamte des Weißen Hauses drängten den Kongress in den letzten Monaten wiederholt, das Verbot zu verzögern, zu ändern oder rückgängig zu machen. In einem Brief an den Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson (R-LA), im Juni erklärte der Direktor des Büros für Management und Haushalt des Weißen Hauses (OMB), Russell Vought, die Trump-Administration wolle, dass die Gesetzgeber „für die faire Behandlung von Hanfprodukten sorgen" – wobei er spezifisch Barrs früheren Änderungsantrag zitierte, um viele Hanfprodukte legal zu halten und gleichzeitig Regulierungen und Steuern hinzuzufügen. Die Administration „begrüßt die Gelegenheit, mit dem Kongress zusammenzuarbeiten, um zumindest die gesetzliche Definition von Endprodukten aus Hanf-abgeleiteten Cannabinoiden zu aktualisieren, damit Amerikaner Zugang zu geeigneten Full-Spectrum-CBD-Produkten erhalten", hieß es im Juni separat, „während die Absicht des Kongresses gewahrt bleibt, den Verkauf von Produkten zu beschränken, die ernsthafte Gesundheitsrisiken darstellen."
Auch im April forderte der Präsident selbst die Gesetzgeber auf, Hanf erneut neu zu definieren, um die Wiederstrafstellung von Full-Spectrum-CBD-Produkten zu vermeiden. „Ich rufe den Kongress auf, das Gesetz zu aktualisieren, um sicherzustellen, dass Amerikaner weiterhin Zugang zu den Full-Spectrum-CBD-Produkten haben können, auf die sie vertrauen und die ihnen helfen, während die Absicht des Kongresses gewahrt bleibt, den Verkauf von Produkten zu beschränken, die Gesundheitsrisiken darstellen", sagte Trump in einem Beitrag auf Truth Social. „Wir müssen dies RICHTIG und SCHNELL erledigen, insbesondere für diejenigen, die gesehen haben, dass CBD ihnen hilft", so der Präsident weiter. „Außerdem wird mir gesagt, dass es auch unseren GROßEN LANDWIRTE hilft, die wir lieben und immer unterstützen werden."
Kurz erklärt
- THC: Der psychoaktive Hauptwirkstoff der Cannabispflanze, dessen Gehalt in Getränken und anderen Produkten regulatorisch begrenzt wird.
- Delta-9-THC: Eine bestimmte THC-Variante, die als Maßstab für die Legalität von Hanfderivaten auf Trockenbasis dient.
- Farm Bill: Ein US-Landwirtschaftsgesetz, das 2018 die bundesweite Legalisierung von Hanfderivaten unterhalb bestimmter THC-Grenzen regelte.
- Continuing Resolution: Eine kurzfristige Überbrückungsfinanzierung des US-Haushalts, mit der ein Government Shutdown verhindert werden soll.
- Full-Spectrum-CBD: Ein aus der Hanfpflanze gewonnenes Produkt, das neben CBD weitere natürliche Pflanzenstoffe enthält.
