Unternehmensanleihen trotz Fed-Zinserhöhungen nicht meiden
Warum Unternehmensanleihen diesmal besser abschneiden könnten als im Jahr 2022.

Das letzte Mal, als die Federal Reserve die Zinsen anheben musste, wurden Unternehmensanleihen stark unter Druck gesetzt. Diesmal könnten sie deutlich besser abschneiden. Anleger sollten daher nicht vorschnell auf Unternehmensanleihen verzichten, nur weil die Fed die Zinsen erhöht.
Im Jahr 2022, als die Fed ihren Leitzins im Laufe des Jahres um mehr als 4 Prozentpunkte erhöhte, verzeichneten hochbewertete Unternehmensanleihen insgesamt eine Rendite von etwa minus 15 Prozent, wie aus dem ICE BofA U.S. Corporate Index hervorgeht. Unternehmensanleihen schnitten damit sogar schlechter ab als der ICE BofA-Index für Staatsanleihen, der Verluste von rund 13 Prozent verbuchen musste.
Alle festverzinslichen Wertpapiere können an Wert verlieren, wenn die Zinsen steigen, da sie zunehmend weniger abwerfen als die neuen marktüblichen Zinssätze. Doch Unternehmensanleihen können zusätzlich betroffen sein, wenn sich auch die Credit Spreads – also die Kompensation, die Anleger für das Ausfallrisiko gegenüber Staatsanleihen fordern – weiter aufweiten.
Die Situation 2022 als Lehrstück
Genau das geschah 2022: Der Spread im Corporate-Bond-Index von ICE BofA stieg vom Ende 2021 bei rund einem Prozentpunkt auf einen Höchststand von etwa 1,7 Prozentpunkten im Jahr 2022. Unternehmensanleihen sehen sich erneut der Gefahr einer solchen Aufweitung gegenüber, nachdem sich ihre Spreads zu Staatsanleihen seit 2022 verengt und unter das Niveau am Beginn dieses Zyklus gesunken sind.
Dennoch gibt es mehrere Faktoren, die dazu beitragen können, dass die Spreads diesmal stabil bleiben. Zum einen wird die Geschwindigkeit und das Ausmaß der weiteren Zinsverschärfung durch die Fed voraussichtlich weit geringer ausfallen als die Bewegung, die 2022 begann.
Unterschiedliche Ausgangslage für Unternehmen
Darüber hinaus hatten sich Unternehmen damals daran gewöhnt, nahezu kostenlos zu leihen. Da sie in den vergangenen Jahren bereits in einer Welt mit höheren Zinsen gelebt haben, wird eine weitere Erhöhung nicht so schmerzhaft sein. Viele Unternehmen haben neue Anleihen zu Renditen emittiert, die näher an den aktuellen marktüblichen Zinsen liegen.
Tatsächlich handelten sich Unternehmensanleihen historisch gesehen während anderer Phasen hoher Renditen mit engeren Spreads. Die Fed erhöhte die Zinsen Ende der 1990er-Jahre von noch höheren Niveaus als heute. Im Jahr 1997 fielen die Spreads im ICE BofA High-Grade-Corporate-Index unter 0,6 Prozentpunkt. In jenem Jahr hob die Fed ihren Leitzins von 5,25 Prozent auf 5,5 Prozent an.
Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung ebenfalls relevant, da der US-amerikanische Anleihemarkt als Leitmarkt für globale Rentenmärkte gilt. Die Entwicklung der Credit Spreads in den USA hat direkte Auswirkungen auf die Bewertung von Unternehmensanleihen in Europa und damit auch auf deutsche Portfolios.
Die aktuell engen Spreads mögen auf den ersten Blick riskant erscheinen. Doch die historische Erfahrung zeigt, dass eine moderate Zinserhöhung nicht zwangsläufig zu einer massiven Spread-Ausweitung führen muss – insbesondere dann nicht, wenn die Unternehmen bereits an ein höheres Zinsniveau angepasst sind.
