Frankreichs Bond-Risikoprämie steigt auf Niveau der Euro-Krise
Erstmals seit 2012 verlangen Anleger über 100 Basispunkte Aufschlag für französische Staatsanleihen.

Die Prämie, die Frankreich auf dem Anleihemarkt im Vergleich zu Deutschland zahlen muss, ist am Freitag erstmals seit der Euro-Zonen-Schuldenkrise auf mehr als einen ganzen Prozentpunkt gestiegen. Mit 104 Basispunkten erreichte der Spread ein Niveau, das zuletzt 2012 zu beobachten war, als die Zukunft der Gemeinschaftswährung infrage stand.
Die Entwicklung unterstreicht die wachsende Sorge der Anleger angesichts der angespannten Finanzlage Frankreichs vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr. Die Zinskosten für zehnjährige französische Anleihen sind in einem globalen Ausverkauf von Staatsanleihen, der durch steigende Energiepreise getrieben wird, deutlich schneller gestiegen als bei jeder anderen entwickelten Volkswirtschaft.
Haushaltsdefizit und politische Unsicherheit belasten
Im Kern der Krise steht Frankreichs hohes Haushaltsdefizit, das mit 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu den höchsten in der Euro-Zone zählt. Die Regierung versucht, das Defizit durch Sparmaßnahmen in Höhe von 54 Milliarden Euro im kommenden Jahr auf 5 Prozent zu senken. Oppositionsparteien werden diese Pläne in den kommenden Monaten voraussichtlich anfechten, was die Regierung möglicherweise zum Sturz bringen könnte.
Die Differenz zwischen französischen und deutschen Renditen hat sich seit der vorgezogenen Neuwahl im Jahr 2024 verdoppelt, die ein gespaltenes Parlament hervorbrachte. Dies hat es erheblich schwieriger gemacht, das Defizit zu senken. Zusätzlich wird Frankreich das ursprüngliche Ziel von 5 Prozent für dieses Jahr aufgrund eines niedrigeren als erwarteten Wachstums verfehlen.
Steigende Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten, die Anleger auf weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank wetten lassen, könnten das Wachstum weiter dämpfen. Auch die bevorstehende Präsidentschaftswahl verunsichert die Märkte: Marine Le Pen von der rechtsextremen Partei und Jean-Luc Mélenchon von der linksextremen Partei gelten als Favoriten.
Auswirkungen auf die Staatsfinanzen
Die steigende Risikoprämie macht neue Kreditaufnahmen für Frankreich teurer und erhöht die bereits steigenden Schuldendienstkosten. Diese sind bereits zur größten Ausgabenposition des französischen Haushalts geworden, da Hunderte Milliarden Euro an Schulden aus der COVID-Ära, die zu extrem niedrigen Zinssätzen aufgenommen wurden, refinanziert werden müssen.
Die Regierung geht bereits davon aus, dass die Schuldendienstkosten in diesem Jahr wegen der höheren Zinssätze um 4,5 Milliarden Euro höher liegen werden als erwartet. Im nächsten Jahr sollen sie um weitere 10 Milliarden Euro steigen. Ökonomen befürchten einen Schneeballeffekt, bei dem sich die Kreditkosten spiralförmig erhöhen, es sei denn, der Regierung gelingt ein Primärüberschuss – wovon sie weit entfernt ist.
Signal für die Märkte
Der Anstieg des Spreads ist ein besonders aussagekräftiges Zeichen dafür, dass der französische Anleihemarkt, der größte der Euro-Zone und traditionell als relativ sicherer Anlagewert angesehen, diesen Status verliert. Frankreich zahlt derzeit sogar eine höhere Prämie als Italien, ein Land mit höherer Verschuldung und deutlich schlechteren Kreditratings.
David Zahn, Leiter European Fixed Income bei Franklin Templeton, sagte: „Eine Spanne von 100 Basispunkten über Deutschland hinaus zeigt, dass Frankreich echte Probleme hat und dass diese nicht bald gelöst werden.“
Weiteres Potenzial nach oben
Angesichts des bereits eingetretenen Ausmaßes sehen einige Analysten begrenzte Spielräume für eine signifikante weitere Erhöhung in naher Zukunft. Chris Jeffery, Leiter der Makrostrategie bei L&G, der kürzlich eine Position gegen französische Anleihen geschlossen hat, erklärte: „Irgendwann muss man, sofern man nicht annimmt, dass sie auf dem Weg in etwas wirklich Schlimmes sind, zu dem Urteil kommen, dass die Kompensation für die Übernahme des Staatsrisikos ausreichend ist.“
Analysten warnen jedoch, dass weitere politische Unsicherheiten den Spread weiter verbreitern könnten – etwa wenn die Regierung fällt und Frankreich ohne Haushalt dasteht oder Mélenchon und Le Pen im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl aufeinandertreffen. Die Societe Generale hat einen Anstieg auf 120 Basispunkte nicht ausgeschlossen.
