Goldpreis steigt wegen neuer Zollandrohungen
Inflationsdaten und Zinserwartungen rücken zusätzlich in den Fokus der Anleger

Die anhaltenden globalen Handelskonflikte haben den Goldpreis am Dienstag steigen lassen. Investoren suchten angesichts zunehmender Spannungen zwischen den USA, Mexiko und der Europäischen Union verstärkt nach sicheren Anlageformen. Das Edelmetall notierte zuletzt bei 3.360,35 US-Dollar pro Feinunze, was einem Anstieg von 0,5 Prozent entspricht. Auch die US-Gold-Futures legten um 0,3 Prozent auf 3.369,50 Dollar zu. Die Entwicklung erfolgte wenige Stunden vor der Veröffentlichung wichtiger US-Inflationsdaten, die Hinweise auf die weitere Zinspolitik der Notenbank geben könnten.
Analysten verweisen darauf, dass Gold typischerweise in Zeiten erhöhter Zölle und Handelsunsicherheit als bevorzugtes Anlagegut gilt. Die aktuelle Kursbewegung in Richtung 3.350 Dollar werde als Beleg für diese bewährte Reaktion auf geopolitische Spannungen gewertet. Gleichzeitig wirke der starke US-Dollar sowie steigende Renditen von Staatsanleihen dem Aufwärtspotenzial von Gold entgegen. Ein nachhaltiger Sprung in Richtung der Marke von 3.400 Dollar sei daher nur bei rückläufigen Renditen oder einem schwächeren Dollar zu erwarten – sofern es nicht zu weiteren geopolitischen Zuspitzungen komme.
Hintergrund der aktuellen Nervosität an den Märkten ist eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, der am Wochenende neue Strafzölle ins Spiel gebracht hatte. Sollte es bis zum 1. August keine Einigung in den laufenden Gesprächen mit Mexiko und der EU geben, droht er mit einem Einfuhrzoll von 30 Prozent auf deren Waren. Parallel dazu erneuerte Trump am Montag seine Kritik an Notenbankchef Jerome Powell und forderte eine deutliche Senkung des Leitzinses auf ein Prozent oder weniger.
Die für Dienstagmittag erwarteten Inflationszahlen aus den USA dürften darüber Aufschluss geben, wie wahrscheinlich eine solche Zinssenkung tatsächlich ist. Ökonomen rechnen mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Kerninflation könnte laut Prognosen auf 3,0 Prozent klettern. Der Markt preist derzeit Zinssenkungen um insgesamt 50 Basispunkte bis zum Jahresende ein, wobei die erste Maßnahme im September erwartet wird.
Auch andere Edelmetalle zeigten sich fest. Silber bewegte sich kaum und notierte zuletzt bei 38,15 Dollar pro Feinunze – nur knapp unter dem Höchststand seit September 2011. Die Nachfrage sei unter anderem durch industrielle Anwendungen und Angebotsengpässe gestützt, so Marktbeobachter. Zudem sei der Preisanstieg bei Gold in den vergangenen eineinhalb Jahren ein Auslöser dafür gewesen, dass Investoren verstärkt auf Silber ausgewichen seien. Platin verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 1.374 Dollar, während Palladium leicht um 0,2 Prozent auf 1.196,10 Dollar zulegte.
