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Fiscal Drag: OBR-Prognosen belasten britische Steuerzahler deutlich stärker

Höhere Inflationsprognosen des OBR verschärfen den fiscal drag in Großbritannien und treiben die Einkommensteuerlast für Arbeitnehmer weiter nach oben.

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Fiscal Drag: OBR-Prognosen belasten britische Steuerzahler deutlich stärker

Die Steuerlast für britische Arbeitnehmer dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Das Office for Budget Responsibility (OBR), die unabhängige fiskalische Kontrollbehörde der britischen Regierung, hat am Mittwoch überarbeitete Inflationsprognosen veröffentlicht. Diese haben unmittelbare Folgen für alle, die in Großbritannien Einkommensteuer zahlen.

Konkret erwartet das OBR nun, dass die Verbraucherpreisinflation (CPI) im Finanzjahr 2027/28 bei 3,1 Prozent liegen wird. In seiner März-Prognose war die Behörde noch von 1,9 Prozent ausgegangen. Diese Anhebung mag auf den ersten Blick technisch wirken, hat aber spürbare Auswirkungen auf die Geldbeutel von Millionen Beschäftigten.

Hintergrund ist die fortgesetzte Einfrierung der Einkommensteuerfreibeträge. Weil die Schwellenwerte für die Besteuerung nominal unverändert bleiben, während die Löhne mit der Inflation steigen, rutschen immer mehr Arbeitnehmer in höhere Steuerklassen. Dieses Phänomen ist als „fiscal drag" bekannt – eine schleichende Steuererhöhung durch inflationsbedingte Lohnsteigerungen.

Fiscal Drag: 30 Prozent mehr Steuerlast

Die Auswirkungen lassen sich an einem konkreten Beispiel verdeutlichen. Jemand mit einem Jahreseinkommen von 99.000 Pfund konnte bislang damit rechnen, infolge des fiscal drag zusätzliche 5.269 Pfund an Einkommensteuer zu zahlen. Nach den heutigen Ankündigungen wird diese Summe für den Zeitraum bis zum Ende des Jahrzehnts nun mit 6.835 Pfund veranschlagt. Das entspricht einem Anstieg von 1.566 Pfund beziehungsweise 30 Prozent.

Für deutsche Privatanleger und Expats in Großbritannien ist diese Entwicklung besonders relevant, da sie die Nettorendite von Gehaltseinkommen und damit auch die verfügbaren Mittel für Spar- und Anlageentscheidungen schmälert. Wer sein Einkommen langfristig plant, muss die höhere Abgabenlast in die Kalkulation einbeziehen.

Arbeitsangebot sinkt um 215.000 Arbeitskräfte

Die steigenden Grenzsteuersätze haben offenbar bereits messbare Effekte auf den Arbeitsmarkt. Die Financial Times hatte in der vergangenen Woche enthüllt, dass Tausende von Arbeitnehmern ihre Arbeitskraft zurückhalten, um strafenden marginalen Steuersätzen zu entgehen. Am Mittwoch schätzte das OBR, dass die Einfrierungen der Freibeträge bei der Einkommensteuer und den National Insurance Contributions (NICs) von 2022/23 bis 2030/31 das gesamte Arbeitsangebot reduzieren könnten.

Dieser Rückgang entspräche bis zum Jahr 2030/31 der Arbeitskraft von 215.000 Personen mit durchschnittlichen Arbeitszeiten. Das zeigt, dass fiscal drag nicht nur die Steuerlast erhöht, sondern auch das Wachstumspotenzial der Wirtschaft bremsen kann – ein Effekt, der über die reine Steuerdiskussion hinausgeht.

Aktualisierter Rechner der FT

Um die persönlichen Folgen abzuschätzen, stellt die Financial Times einen aktualisierten fiscal drag-Rechner bereit. Dieser wurde mit den heutigen Inflationsprognosen versehen und erlaubt es Arbeitnehmern, die mögliche zusätzliche Steuerlast für das eigene Einkommen zu ermitteln. Der Newsletter wird von Roula Khalaf, Chefredakteurin der FT, kuratiert, die darin wöchentlich ihre favorisierten Geschichten auswählt.

Die Kombination aus höheren Inflationsprognosen, eingefrorenen Freibeträgen und zurückhaltendem Arbeitsangebot verdeutlicht, wie stark steuerpolitische Rahmenbedingungen die wirtschaftliche Realität der Haushalte prägen. Wer in Großbritannien Steuern zahlt, sollte die eigenen Belastungen daher genau im Blick behalten.

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