Fed hebt Leitzins an: Diese KI-Aktien profitieren laut Morgan Stanley
Die Fed hebt den Leitzins an – welche KI-Unternehmen profitieren und welche nicht.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am 16. September einstimmig beschlossen, den Leitzins für Übernachtegeldgeschäfte um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Es ist die erste Zinserhöhung seit über drei Jahren. Fed-Chef Kevin Warsh begründete den Schritt mit der anhaltend hohen Inflation. Die Märkte reagierten am Tag der Ankündigung mit Kursverlusten.
„Seit mehr als fünf Jahren liegt die Inflation über dem Zielwert“, betonte Warsh. „Unser vorrangiger Fokus liegt daher auf der Preisstabilität innerhalb unseres Auftrags. Die einfache Tatsache ist, dass die Inflation zu hoch ist und dies schon seit zu langer Zeit der Fall ist.“ In einer Reihe von quartalsweisen Projektionen signalisierte die Fed zudem, dass ihr zinspolitisches Gremium weitere Zinserhöhungen noch in diesem Jahr erwartet. Für das Jahr 2027 werden derzeit jedoch keine Änderungen der Zinssätze erwartet.
Die Zinswende kommt nicht überraschend, hat aber bereits spürbare Auswirkungen auf verschiedene Märkte. Der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Hypothek liegt nun nahe bei sieben Prozent und damit auf Mehrmonatshöchstständen. Auch für Anleger im Bereich der Künstlichen Intelligenz ergeben sich weitreichende Konsequenzen.
KI-Investitionen unter Druck – aber nicht alle sind betroffen
McKinsey & Co. prognostiziert bis zum Jahr 2030 Ausgaben in Höhe von sieben Billionen US-Dollar für die Infrastruktur von Rechenzentren. Steigende Kreditkosten könnten Umfang und Tempo dieser Ausgaben jedoch bremsen. Allerdings könnten höhere Kreditkosten einigen KI-Unternehmen auch zugutekommen. Die Investmentbank Morgan Stanley hat in einem Bericht detailliert dargelegt, wie sich KI-Aktien in diesem Umfeld entwickeln werden.
„Höhere Zinsen und eine schärfere Überprüfung von KI-Investitionen erhöhen die Hürden für Unternehmen und belohnen anspruchsvolle Anleger“, betont Morgan Stanley. „In einem solchen Umfeld kommt es auf Selektivität an.“ Der Rat der Bank ist eindeutig: Anleger sollten sich auf Unternehmen konzentrieren, die stabile Cashflows generieren und klarere Wege haben, von der KI zu profitieren – etwa ausgewählte Hyperscaler und Unternehmen, die KI zur Steigerung der Produktivität einsetzen. Gleichzeitig warnt Morgan Stanley davor, bei unprofitablen Technologieunternehmen und kleineren Firmen vorsichtig zu bleiben.
Profitabilität als entscheidender Faktor
Der Ratschlag von Morgan Stanley ergibt Sinn, wenn man die Wachstumsbeschränkungen der KI-Branche betrachtet. Um zu wachsen, benötigen KI-Unternehmen mehr Rechenleistung. Dies erfordert den Bau weiterer Rechenzentren – ein sehr kapitalintensives Unterfangen. Höhere Kreditkosten verringern den Zugang der Branche zu Kapital. Unternehmen mit hohen bestehenden Cashflows und Gewinnen werden es leichter haben, ihre Investitionen in das Wachstumskapital zu finanzieren. Unprofitable Unternehmen hingegen müssen weiterhin auf die Kapitalmärkte zurückgreifen, um zusätzliche Mittel zu beschaffen – diesmal jedoch zu höheren Zinssätzen.
Ein Blick auf zwei Unternehmen verdeutlicht den Unterschied: <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, plant, in diesem Jahr rund 200 Milliarden US-Dollar für Investitionsausgaben auszugeben, wobei der Schwerpunkt größtenteils auf dem Ausbau der KI-Infrastruktur liegt. Im vergangenen Jahr generierte Alphabet satte 73 Milliarden US-Dollar an freiem Cashflow, während der Nettogewinn 132 Milliarden US-Dollar erreichte.
C3.ai Inc. verzeichnete im vergangenen Jahr hingegen einen Nettoverlust von 288 Millionen US-Dollar bei negativen freien Cashflows. Die Frage, welches Unternehmen es jetzt, da die Zinssätze gestiegen sind, leichter haben wird, seine Investitionsausgaben zu skalieren, beantwortet sich von selbst: Alphabet.
Hyperscaler als Gewinner des Zinsumfelds
Langfristig könnten Hyperscaler wie Alphabet von steigenden Kreditzinsen sogar profitieren. Denn kleinere, weniger profitable Wettbewerber werden wahrscheinlich gezwungen sein, ihre Ausgaben zurückzufahren, während größere, profitablere Firmen wie Alphabet ihre aggressiven Ausgaben weitgehend ungebremst fortsetzen können. Für Anleger bedeutet dies: In einem Umfeld höherer Zinsen kommt es auf die Qualität der Unternehmen an. Wer stabile Cashflows und klare Profitabilität vorweisen kann, hat die besseren Karten – sowohl beim Zugang zu Kapital als auch bei der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit im KI-Sektor.
