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Fed hebt Zinsen an: Was die Geschichte für den Aktienmarkt verrät

Die Fed hebt erstmals seit 2023 die Zinsen an. Was Anleger jetzt wissen müssen.

3 Min
Fed hebt Zinsen an: Was die Geschichte für den Aktienmarkt verrät

Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Zinssätze erstmals seit 2023 wieder angehoben. Unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh erhöhte der Federal Open Market Committee (FOMC) den Leitzins um einen Viertelpunkt. Es ist die erste Zinserhöhung seit Anfang 2022 und markiert den Beginn eines neuen Zinserhöhungszyklus.

Der Federal-Funds-Satz, der Overnight-Zinssatz für Banken untereinander, beeinflusst die meisten Zinssätze am Markt. Mit dem Schritt reagiert die Fed auf die weiter steigende Inflation, die sich immer weiter von ihrem Ziel von zwei Prozent annualisierten Preiserhöhungen entfernt. Warsh hatte seit seiner Ernennung im Mai unmissverständlich klargestellt, dass er die Preisstabilität gewährleisten werde. Nun folgte die dritte Sitzung unter seiner Leitung – und die erste mit einer Zinserhöhung.

Die Wirkung höherer Zinsen auf den Aktienmarkt

Theoretisch haben höhere Zinssätze mehrere Auswirkungen auf Aktien. Höhere Renditen bei risikolosen Anleihen könnten Anleger dazu bewegen, Aktien zugunsten sichererer Anlagen zu verkaufen. Allerdings preisen die Finanzmärkte bereits Erwartungen ein. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen waren bereits im Vorfeld gestiegen und erreichten kürzlich ihren höchsten Stand seit 2007. Die unmittelbare Auswirkung auf die Aktienkurse blieb daher relativ gedämpft.

Ein weiterer Effekt: Anleger bewerten künftige Unternehmensgewinne mit einem höheren risikofreien Zinssatz. Dies trifft besonders Wachstumswerte, bei denen weit in die Zukunft reichende Gewinnerwartungen einen großen Einfluss auf den Aktienkurs haben. Zudem können höhere Zinsen die Finanzen von Unternehmen belasten, die auf Kapitalaufnahme angewiesen sind. Dies betrifft sowohl Small-Cap-Aktien mit zinsvariablen Schulden als auch große Technologiekonzerne, die den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz zunehmend über Fremdkapital finanzieren.

Historische Erfahrungen mit Zinserhöhungszyklen

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Federal Reserve 18 Zinserhöhungszyklen durchgeführt. Die Mehrheit dieser Zyklen löste innerhalb von zwölf Monaten einen signifikanten Rückgang des S&P 500 in das Korrekturgebiet aus. Laut Recherchen von Charles Schwab beträgt der durchschnittliche Rückgang des Index nach der ersten Zinserhöhung eines Verschärfungszyklus 14 Prozent.

Wichtig ist: Der Rückgang muss nicht unmittelbar nach der ersten Zinserhöhung eintreten. Er kann zu jedem Zeitpunkt innerhalb der ersten zwölf Monate des Zyklus auftreten, wenn die Wirkung der Zinserhöhungen vollständig verarbeitet wurde.

Vorbereitung auf volatile Zeiten

Ein Verschärfungszyklus der Fed könnte die Aktienkurse nach unten drücken, aber dies muss nicht lange anhalten. Während der Markt die Auswirkungen höherer Zinsen auf Unternehmensgewinne und Inflation verdaut, gewinnt er ein klareres Bild davon, wie hoch die Zinsen steigen können und wie lange sie auf hohem Niveau bleiben könnten. Unsicherheit wirkt sich negativ auf Aktienkurse aus, da Anleger tendenziell zu sichereren Anlagen wechseln.

Der sogenannte „Dot-Plot“ der Fed, der die Zinsprojektionen der Gouverneure zeigt, bietet derzeit die beste Orientierung. Die FOMC-Projektionen deuten auf eine weitere Zinserhöhung vor Jahresende hin. Für 2027 wird kaum oder gar kein weiterer Anstieg erwartet. Ab 2028 sehen die Projektionen eine schrittweise Senkung bis 2029 vor. Allerdings sind die Prognosen jenseits dieses Jahres relativ stark gestreut, was auf ein hohes Maß an Unsicherheit hinweist.

Das beste Szenario für Aktien wäre, wenn es nur wenige Zinserhöhungen gibt, bevor eine Pause eintritt. Historisch führten diese sogenannten „Nicht-Zyklen“ zu den geringsten Rückgängen. Dennoch erholen sich Aktien typischerweise relativ schnell. Die durchschnittliche Rendite zwölf Monate nach einer ersten Zinserhöhung liegt bei etwa sechs Prozent.

Zinserhöhungen allein verwandeln also keinen Bullenmarkt in einen Bärenmarkt. Solange das fundamentale Gewinnwachstum, das die Aktienkurse antreibt, nicht nachlässt, können Anleger damit rechnen, dass die Kurse langfristig wieder steigen – auch wenn der Aufwärtstrend turbulenter verläuft.

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