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Mehrwertsteuer auf Sprit: 23 Cent Entlastung möglich – aber nicht sicher

Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Sprit könnte Autofahrer entlasten – doch die Umsetzung ist kompliziert.

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Mehrwertsteuer auf Sprit: 23 Cent Entlastung möglich – aber nicht sicher

Die Diskussion um eine Entlastung an der Zapfsäule gewinnt an Fahrt. Im Raum steht eine Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Kraftstoffe von derzeit 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent. Für Autofahrer könnte das eine spürbare Erleichterung bedeuten – doch die Umsetzung ist politisch komplex.

Der Steuerexperte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat durchgerechnet, was eine solche Maßnahme bringen würde. Bei einem aktuellen Spritpreis von 2,30 Euro pro Liter ergäbe sich rechnerisch eine Preissenkung von 23,2 Cent. Das wäre eine deutlich stärkere Entlastung als der sogenannte Tankrabatt im Frühjahr.

Tankrabatt im Vergleich: 17 Cent gegen 23 Cent

Zum Vergleich: Der Tankrabatt im Mai und Juni war eine befristete Senkung der Energiesteuer um gut 14 Cent pro Liter. Da die Mehrwertsteuer auch auf den Energiesteueranteil erhoben wird, ergab sich damals eine Gesamtentlastung von knapp 17 Cent. Eine reine Mehrwertsteuersenkung würde mit rund 23 Cent also deutlich höher ausfallen.

Doch die Maßnahme hat eine entscheidende Schlagseite: Sie entlastet vor allem Privathaushalte, nicht aber Unternehmen. Verbände wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) oder der Deutsche Bauernverband kritisieren bereits, dass Betriebe von einer Mehrwertsteuersenkung auf Sprit kaum profitieren würden. Der Grund liegt im System der Umsatzsteuer: Unternehmen können die gezahlte Mehrwertsteuer über den Vorsteuerabzug vom Finanzamt zurückfordern. Sie zahlen am Ende ohnehin nur den Nettopreis – und der bleibt von der Steuersenkung unberührt.

Politische Hürden: Bund und Länder müssen zustimmen

Die Mehrwertsteuersenkung ist politisch heikel. Anders als die Energiesteuer ist die Umsatzsteuer eine sogenannte Gemeinschaftssteuer. Laut Bundesfinanzministerium entfielen 2025 knapp die Hälfte der Einnahmen (48,3 Prozent) auf den Bund, ein leicht größerer Anteil (48,8 Prozent) auf die Länder und ein kleiner Teil (2,8 Prozent) auf die Gemeinden. Eine Senkung benötigt daher die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat. Angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Länder und Kommunen gilt das derzeit als keineswegs sicher.

Für den Staat hätte die Maßnahme erhebliche finanzielle Folgen. Der DIW-Experte Bach beziffert die Mindereinnahmen auf 7,7 Milliarden Euro pro Jahr. Auf zwei Monate gerechnet wären das rechnerisch 1,3 Milliarden Euro weniger für den Fiskus. Allerdings hat der Staat zuvor von den stark gestiegenen Spritpreisen über höhere Mehrwertsteuereinnahmen profitiert. Die Absenkung würde diesen Effekt teilweise wieder zunichte machen.

Weitergabe an der Zapfsäule: Ein Risiko bleibt

Ein weiteres Problem: Ob die Mineralölkonzerne und Tankstellen die Steuersenkung vollständig an die Kunden weitergeben, ist nicht garantiert. Ähnlich wie beim Tankrabatt könnte die Entlastung an der Zapfsäule teilweise verpuffen, weil die Mineralölwirtschaft an anderer Stelle am Preis dreht. Allerdings zeigen Untersuchungen des Bundeskartellamts, dass beim Tankrabatt zumindest rund 80 Prozent der Steuersenkung tatsächlich bei den Autofahrern ankamen. Ein gewisser Grad an Wirksamkeit ist also wahrscheinlich – eine vollständige Weitergabe jedoch nicht.

Für Anleger bleibt die Lage an den Tankstellen ein wichtiger Indikator. Die Mineralölkonzerne stehen unter genauer Beobachtung der Wettbewerbshüter, und jede politische Entlastungsmaßnahme könnte die Margenentwicklung in diesem Sektor beeinflussen. Die Diskussion um die Mehrwertsteuersenkung zeigt einmal mehr, wie stark die Energiepreise die politische Agenda bestimmen – und wie komplex die Instrumente sind, mit denen die Politik gegenzusteuern versucht.

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