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Europa kann mehr Aktienhandel anziehen – durch weniger, aber bessere Börsen

Fragmentierte Märkte bremsen den Aktienhandel – Fusionen könnten die Lösung sein.

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Europa kann mehr Aktienhandel anziehen – durch weniger, aber bessere Börsen

Europas Aktienmärkte haben ein strukturelles Problem: Die Aktien von Unternehmen in der Region werden etwa halb so häufig gehandelt wie die vergleichbarer US-Größen. Weniger Käufer und Verkäufer bedeuten langsamere Transaktionen, weniger Händler, die den Wert eines Wertpapiers bestimmen, und einen geringeren Wettbewerb unter Market Makern um das beste Angebot. Die Folge sind breitere Spreads zwischen Geld- und Briefkurs (Bid-Ask-Spread), was Investoren abschreckt und Unternehmen davon abhält, sich überhaupt an europäischen Börsen notieren zu lassen.

Doch es gibt einen Ausweg aus dieser Misere. Ein vielversprechender Ansatz wäre, die Anzahl der Börsen in Europa drastisch zu reduzieren. Derzeit können sich europäische Unternehmen an 35 Börsen notieren lassen und an mehr als 40 handeln. Zwar können professionelle Händler über einen einzigen Bildschirm auf alle zugreifen, doch die Fragmentierung bringt weiterhin erhebliche Kosten und Komplexität mit sich.

Die Idee einer europäischen Börsenkonsolidierung

Es spricht viel dafür, europäische Aktienbörsen zusammenzulegen. Diese Idee wurde jüngst von Euronext-Chef Stéphane Boujnah aufgegriffen, der erklärte, er sei offen für ein „Big-Bang“-Deal mit dem Konkurrenten Deutsche Börse. Eine Fusion zweier Börsen – etwa Paris und Amsterdam – schafft zwar nicht am ersten Tag neue Liquidität. Sie bündelt lediglich den gesamten Handel, der bereits zuvor stattfand.

Doch eine solche Konsolidierung erweitert den Horizont von Analysten und Investoren, die es gewohnt sind, sich auf ihren Heimatmarkt zu konzentrieren. Dies könnte wiederum mehr Investitionen und mehr Börsengänge anziehen. Das Potenzial ist enorm: US-Haushalte investieren mehr als das 2,5-fache ihres Vermögens an den Aktienmarkt im Vergleich zu Europa.

Technologie und Wettbewerbsfähigkeit

Größere Börsen können zudem in bessere Technologie investieren. Das würde ihnen helfen, effektiver mit alternativen Handelsplätzen wie Cboe Europe oder sogar privaten Geschäften zwischen Banken und ihren Kunden zu konkurrieren. In Europa machen diese Alternativen, die niedrigere Gebühren und Spreads bieten sowie einfachere Großblockgeschäfte ermöglichen, mittlerweile 70 Prozent des gesamten Aktienhandels aus. In den USA liegt dieser Anteil bei 45 Prozent, wie die Beratungsfirma Oliver Wyman schätzt.

Ein weiterer Vorteil: Eine größere europäische Börse könnte US-Investoren besser anziehen, die versuchen, ihr Portfolio von der technologiezentrierten Ausrichtung ihrer eigenen Märkte zu diversifizieren. Die sogenannten Magnificent 7 machen derzeit etwa ein Drittel des S&P-500-Index aus. Müsste ein US-Investor nur eine neue Reihe von Handelsregeln und Konventionen kennenlernen, um Zugang zu vielen europäischen Unternehmen zu erhalten, wäre das ein starkes Argument für mehr Engagement.

Die Hürden auf dem Weg zur Integration

Damit eine solche Konsolidierung funktioniert, muss der Aktienhandel über die fusionierten Börsen hinweg wirklich nahtlos sein. Das bedeutet nicht nur den Handel, sondern auch die Clearing- und Abrechnungssysteme zusammenzuführen, die sicherstellen, dass Aktien und Geld tatsächlich den Besitzer wechseln. Derzeit gibt es fast so viele Abwicklungssysteme wie Handelsplätze. Ein deutscher Investor zahlt mehr für das Clearing, wenn er eine italienische Aktie kauft, als für eine inländische.

Die nachgelagerten Kosten in Europa können bis zu doppelt so hoch sein wie in den USA, wie das Thinktank New Financial herausgefunden hat. Der höhere Traum einer „Kapitalmarktunion“ – in der europäische Unternehmen und Investoren einen einheitlichen, blockweiten Standard für die Ausgabe und den Handel von Wertpapieren genießen – bleibt vorerst eine Utopie.

Europa wird natürlich weiterhin ein Flickenteppich aus nationalen Handelsregeln, Steuersystemen, Öffnungszeiten und Sprachen bleiben. Doch selbst eine Handvoll Fusionen würde dem Kontinent eine bessere Chance geben, Liquidität aufzubauen. Weniger ist definitiv mehr – das gilt für die europäische Börsenlandschaft mehr denn je.

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