ExxonMobil vor Rückkehr nach Venezuela: Deal mit PDVSA in Sicht
ExxonMobil steht kurz vor Rückkehr nach Venezuela. Fortgeschrittene Gespräche über Ölinvestitionen laufen.

ExxonMobil steht einem Bericht zufolge kurz vor der Rückkehr nach Venezuela. Der US-Ölkonzern führt fortgeschrittene Gespräche über Investitionen in die venezolanischen Ölfelder, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Ein Deal könnte bereits Ende dieses Monats unter Dach und Fach sein.
Sollte die Vereinbarung zustande kommen, wäre dies eine der spektakulärsten Rückkehrer in der globalen Ölindustrie. ExxonMobil hatte den südamerikanischen Markt Mitte 2007 verlassen, nachdem es zu Streitigkeiten mit der Regierung des damaligen Präsidenten Hugo Chávez gekommen war, der den heimischen Ölsektor weitgehend verstaatlicht hatte. Nun zeichnet sich eine Wende ab.
Der politische Hintergrund hat sich grundlegend verändert. Mit der Festnahme und Inhaftierung des ehemaligen Präsidenten Nicolás Maduro und dem Aufstieg einer pro-amerikanischen Administration ist Venezuela wieder offener für ausländische Beteiligungen in seinem Ölsektor. Das Land besitzt nach eigenen Angaben rund 300 Milliarden Barrel an Ölreserven.
Erste Unternehmen sind bereits aktiv
Energieunternehmen außerhalb Venezuelas haben bereits ihre Zelte aufgeschlagen. So unterzeichnete Continental Resources des Milliardärs Harold Hamm am Mittwoch ein Memorandum of Understanding (MoU) mit PDVSA, dem staatlichen Ölunternehmen. Ziel ist die Erschließung eines Teils des Orinoco-Ölgürtels, der wichtigsten Ölregion des Landes.
Auch Chevron, eines der wenigen US-Ölriesen, die trotz des politischen Drucks der vergangenen Jahre in Venezuela blieben, vereinbarte eine Aufstockung seiner Operationen. Der Konzern verpflichtete sich zu Investitionen in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar über fünf Jahre. Italiens Eni, ebenfalls bereits in Venezuela präsent, unterzeichnete Anfang des Monats einen Vertrag zur Ausweitung seiner Aktivitäten.
Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass Exxons angebliche Rückkehrpläne bei den Anlegern keine signifikante Reaktion auslösten. Die Aktie des Konzerns handelte im After-Hours-Handel am Donnerstag nach den Medienberichten im Wesentlichen seitwärts. Manche Beobachter sehen das Unternehmen sogar als Nachzügler in der aktuellen Entwicklung.
Petromonagas im Fokus
Die Berichte über Exxons konkrete Pläne unterscheiden sich in ihren Details. Das Wall Street Journal schrieb unter Berufung auf nicht namentlich genannte „mit der Sache vertraute Personen", dass ExxonMobil kurz davor stehe, ein MoU mit PDVSA abzuschließen, das bis Ende dieses Monats finalisiert werden könnte. Dies würde die Grundlage für Investitionen in entwickelte und unerschlossene Felder legen, die zusammen das Äquivalent von über 50 Milliarden Barrel Öl enthalten könnten.
Reuters wiederum berichtete unter Berufung auf nicht identifizierte „mit der Sache vertraute Personen", dass das Unternehmen besonderes Interesse am Petromonagas-Projekt im Orinoco-Gürtel gezeigt habe. Petromonagas, früher bekannt als Cerro Negro, ist ExxonMobil-Anlegern ein Begriff: Das Unternehmen hielt einst einen Anteil an diesem Projekt. Ein entscheidender Vorteil ist die dort vorhandene operative Upgrader-Anlage. Sie kann das schwere, saure Rohöl aus dem Orinoco in leichtere und süßere Sorten umwandeln, die von internationalen Kunden bevorzugt werden.
Ein potenzieller Stolperstein ist jedoch die Beteiligung des russischen Staates an Petromonagas. Russland hält nach einem Erwerb durch Rosneft im Jahr 2020 rund 40 Prozent an dem Projekt. Es ist völlig unklar, ob dieser Anteil verkauft wird oder ob ein neuer Investor sich die Kontrolle mit einem stark sanktionierten Staat teilen müsste.
Kein automatisierter Gewinn
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Exxons Rückkehr nach Venezuela, aber angesichts der unterschiedlichen – und vom Unternehmen nicht bestätigten – Berichte ist eine genaue Strategie derzeit kaum festzumachen. Anleger taten daher gut daran, nicht panisch in die Aktie zu strömen oder sie zu verkaufen. Die Beteiligung ist derzeit noch eine fortgeschrittene Spekulation.
Eine tatsächliche Rückkehr von ExxonMobil nach Venezuela würde die Operationen und Fundamentaldaten des Unternehmens absolut beeinflussen. Allerdings gibt es in der venezolanischen Industrie aufgrund jahrelanger Vernachlässigung und Niedergang enormen Sanierungsbedarf. Ein automatischer Gewinn ist dies nicht. Dennoch handelt es sich um eine wichtige Entwicklung, die jeder beobachten sollte, der in globale Ölaktien investiert ist.
