Eisenerz-Reserven schwinden: Förderung übersteigt Ersatz bei Großkonzernen
Die sechs größten Eisenerzproduzenten verbrauchen ihre Reserven schneller als sie neue erschließen.

Die weltweit größten Eisenerzproduzenten erschöpfen ihre Erzreserven schneller, als sie diese ersetzen können. Das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie hat in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht aufgezeigt, dass die Kosten und die Komplexität der Entwicklung von Ersatzreserven weiter steigen.
Die sechs größten Eisenerzproduzenten, darunter BHP Group und Rio Tinto Group, haben zwischen 2016 und 2025 gemeinsam 11,1 Milliarden Tonnen abbaubarer Erzreserven verbraucht. Nur drei Unternehmen haben das über den Zeitraum abgebaute Volumen durch neue Reserven ausgeglichen. Einige Konzerne gaben dabei fünfmal so viel wie andere aus, um neue Reserven hinzuzufügen.
Qualitätsverlust und steigende Kosten
Die Branche sieht sich zunehmend mit dem Problem der Grade-Depletion konfrontiert, also einer Verschlechterung der Erzqualität. Diese tritt auf, wenn der durchschnittliche Eisengehalt in einem Bergwerk mit dessen Alterung sinkt. Die Betreiber sind gezwungen, tiefer zu graben und mehr zu investieren, um das Erz zu fördern.
Die Analyse ergab, dass die Erzgrade bei einigen Minern seit 2016 um bis zu 1,6 Prozentpunkte gesunken sind. Um die Erschöpfung minderwertiger Erze auszugleichen, wird zunehmend hochwertigeres Material benötigt. Gleichzeitig steigen die Verunreinigungslevel, einschließlich Alumina, bei einigen Produkten.
„Die Hauptherausforderung für die aktuelle Eisenerzindustrie sind die steigenden Kosten zur Aufrechterhaltung der bestehenden Produktion“, sagte Mihir Vora, Research Director für Metalle und Bergbau bei Wood Mackenzie. „Die Branche investiert, um die Produktion aufrechtzuerhalten, muss aber härter arbeiten, um stillzustehen.“
Marge unter Druck
Die Kosten für große Miner haben sich seit 2016 bei einigen Unternehmen etwa verdoppelt, so Wood Mackenzie. Die Cash-Margen in der Branche erreichten 2021 ihren Höhepunkt und haben sich seither bei rund 50 bis 60 Dollar pro Tonne eingependelt. Dadurch schrumpft die Marge, um steigende Kosten und fallende Preise abzufedern.
Die Miner stehen nun an einem Punkt, an dem es nicht mehr um Wachstum geht, sondern darum, die Operationen am Laufen zu halten. Für Anleger bedeutet dies, dass die großen Eisenerzkonzerne künftig mit höheren Investitionsausgaben und sinkenden Margen rechnen müssen. Die Fähigkeit, Reserven wirtschaftlich zu ersetzen, wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor in der Branche.
