Driscoll's verlor Blaubeer-Geheimnis an chinesische Konkurrenz
US-Obstbauer Driscoll's machte China zu einem Blaubeer-Land – und wurde dann kopiert.

Vor etwa 15 Jahren reisten Führungskräfte des US-amerikanischen Obstbauers Driscoll's nach China mit dem ehrgeizigen Ziel, Blaubeeren zu einem der nächsten großen Ernährungstrends in dem Land zu machen. Das kalifornische Unternehmen investierte massiv in den Aufbau des Marktes – und wurde schließlich Opfer des eigenen Erfolgs.
Driscoll's entsandte einen seiner Experten, um Ackerland in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas zu erkunden. Das Unternehmen schloss Verträge mit global tätigen Firmen zur Züchtung von Blaubeerensorten ab, um die besten Sorten exklusiv zu sichern. Zudem führte es hochtechnologische Anbaumethoden ein, um eine Frucht in Massenproduktion herzustellen, die damals nur wenige Chinesen verzehrten.
Bis zum Jahr 2020 produzierte das Unternehmen Tausende Tonnen Blaubeeren für chinesische Supermärkte. Der Markt schien sich prächtig zu entwickeln. Doch dann wurde Driscoll's zum neuesten US-Unternehmen, das auf den scharfen Konkurrenzkampf Chinas traf.
Chinesische Unternehmer kopieren die Technologie
Während Geschichten über blaubeerbedingte Vermögen in China die Runde machten, bauten chinesische Unternehmer rasch eigene Farmen auf. Sie übernahmen hochtechnologische Anbaumethoden, die denen von Driscoll's ähnelten. Berichten zufolge kopierten sie sogar Gewächshausdesigns, die von Bauern genutzt wurden, die für Driscoll's produzierten.
Besonders schwerwiegend: Die patentgeschützten Sorten des US-Unternehmens wurden gestohlen. Ein chinesisches Gericht hat dies in einem Urteil festgestellt. Der Diebstahl geistigen Eigentums ist damit nicht nur ein Vorwurf, sondern gerichtlich bestätigt.
Staatliche Banken befeuern den Boom
Der Blaubeer-Boom in China wurde zudem durch staatliche Banken gefördert. Sie boten eine spezielle Kategorie von Krediten speziell für Blaubeerenbauer an. Diese staatlich gestützte Finanzierung verschaffte den chinesischen Wettbewerbern einen erheblichen Vorteil gegenüber ausländischen Unternehmen wie Driscoll's.
Der Fall Driscoll's reiht sich ein in eine lange Liste von US-Unternehmen, die in China auf Probleme mit dem Schutz geistigen Eigentums gestoßen sind. Die Geschichte zeigt, wie ein Unternehmen einen Markt von Grund auf aufbaut, nur um dann von lokalen Wettbewerbern verdrängt zu werden, die von staatlicher Unterstützung profitieren und sich technologisches Know-how aneignen.
Für deutsche Unternehmen, die in China tätig sind oder eine Expansion dorthin planen, ist dieser Fall eine deutliche Warnung. Der Schutz von Patenten und Geschäftsgeheimnissen bleibt in China eine zentrale Herausforderung, selbst wenn Gerichte gelegentlich zugunsten ausländischer Kläger entscheiden.
