Doppelte Wirtschaftsgespräche sorgen für Spannungen in der Ampel
FDP und Kanzler laden separat zu Gipfeln am selben Tag ein

Die Debatte über die Wirtschaftspolitik innerhalb der Ampel-Koalition geht weiter. Bundeskanzler Olaf Scholz hat für den kommenden Dienstag ein Treffen mit Industrievertretern geplant, um Lösungen für die anhaltende Konjunkturflaute zu diskutieren. Gleichzeitig hat die FDP angekündigt, ein eigenes Gespräch mit Wirtschaftsvertretern abzuhalten, das am selben Tag, nur wenige Stunden vor dem Termin von Scholz, stattfinden soll. Die Union kritisierte diese Entwicklung scharf und sprach von einer "Gipfel-Inflation".
Die FDP-Bundestagsfraktion hat laut Informationen des ARD-Hauptstadtstudios Vertreter von Arbeitgeberverbänden, Industrie- und Handelskammern sowie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks zu ihrem Treffen in den Bundestag eingeladen. Finanzminister und FDP-Chef Christian Lindner verteidigte die Veranstaltung als Ergänzung zum Gipfel des Kanzlers. Er betonte, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur aus der Industrie, sondern auch aus dem Mittelstand, Handwerk und freien Berufen bestehe. Die FDP sei frei in ihrer Entscheidung, sich mit diesen Akteuren zu treffen.
Während eines Indien-Besuchs äußerte sich Olaf Scholz zu den unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Initiativen innerhalb seiner Regierung. Er betonte, dass es um ein gemeinsames Vorgehen und ein großes Miteinander gehen müsse. Der Bundeskanzler sprach sich dagegen aus, dass Vorschläge präsentiert werden, die nicht von allen Koalitionspartnern unterstützt werden, und forderte, dass es keine Inszenierung oder Konkurrenz untereinander geben dürfe. Er verteidigte seine Entscheidung, ohne Lindner und Wirtschaftsminister Habeck Gespräche mit der Industrie zu führen, und erklärte, dass dies zu seinen Aufgaben als Kanzler gehöre.
Christian Lindner hatte am Donnerstag die Ergebnisse der Herbststeuerschätzung präsentiert. Es wird erwartet, dass Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2025 etwa 12,7 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen verzeichnen werden als ursprünglich prognostiziert. Daraufhin forderte Robert Habeck eine zügige Umsetzung der Wachstumsinitiativen der Ampel-Koalition und schlug einen milliardenschweren "Deutschlandfonds" zur Unterstützung von Handwerksbetrieben und mittelständischen Firmen vor. Lindner kritisierte, dass diese Vorschläge ohne Absprache mit ihm gemacht worden seien. Er warnte, dass ein solches Vorgehen Unsicherheit in der Wirtschaft schaffe, und äußerte Zweifel, ob die Koalition in der Lage sei, geschlossen aufzutreten.
Die Kritik der Union an den Entwicklungen ließ nicht lange auf sich warten. Die CDU-Wirtschaftspolitikerin Julia Klöckner bezeichnete die konkurrierenden Gipfeltreffen als "absurd" und sprach von einer "Gipfel-Inflation". Sie äußerte die Befürchtung, dass die Wirtschaft keine Zeit für solche zeitraubenden und ergebnislosen Treffen habe.
